Über Wetter, Gott und Kruzifixe in meiner Kolumne für den Oktober

Veröffentlicht am: Oktober 24, 2018

Ein fröhliches Aloha liebe Leser, 

ich hoffe, Sie haben einen schönen Urlaub gehabt. Wahrscheinlich waren Sie auch weg, wie die meisten. Irgendwo im Süden, irgendwo zwischen Kroatien, Albanien und Griechenland. Alle waren irgendwo und kaum einer war mehr hier. Es war wie ein Exodus, und da ich den ganzen Sommer in der Stadt war, kann ich das echt gut einschätzen. Ich kam mir vor, wie der Fahrradkurier Jim aus dem Film „28 Days Later“. Dieser Jim erwacht aus dem Koma und trifft, während er den ganzen Tag in London umherirrt, keine einzige Menschenseele. (Für die zehn Minuten am Anfang des Filmes lohnt es sich da mal reinzusehen, anschließend wird der Film beständig schlechter und schlechter.) Ganz so war es nicht, aber nahe dran.

Der Grund, warum ich trotz meines beinahe vier Wochen langen Urlaubs nicht weg war, war, wie so oft, meine Frau und meine Psyche. 

Meine Gattin, weil sie es, wie in den letzten Jahren immer, nicht schaffte, unsere Urlaube aneinander anzugleichen. Ihre Urlaubsplanung planen Schreiner erst im Juni, und da ich den klassischen Frauenberuf habe, wird unser Jahresurlaub schon im Januar geplant. Dies führt dazu, dass wir kaum gemeinsam Urlaub haben. Mmh… Moment! Nun wo ich den vorherigen Satz so lese, muss ich glaube ich mal mit ihr reden. Vielleicht ist es ja nicht Kommissar Zufall, dass wir unsere Urlaube nicht aufeinander abstimmen können. summer in the city Über Wetter, Gott und Kruzifixe in meiner Kolumne für den Oktober

Der zweite aber wesentlichere Punkt ist, wie schon erwähnt meine Psyche. 

Die letzten Versuche, Freiburg für ein paar Tage zu verlassen endeten immer in der Notaufnahme. Dies hat meine Seele offensichtlich nachhaltig beeindruckt und ich versuche unterbewusst, jeden geplanten Aufenthalt außerhalb von Freiburg zu sabotieren. Selbst einen Wochenendausflug in die Vogesen torpediere ich kurz vor der Abreise mit abstrusesten Gründen, die die Abreise verhindern. Um es kurz zu machen, ich bin ein Psychowrack. 

Aber warum sollte man in die Ferne schweifen, wenn man immer noch Sonnenbrand von den vergangenen Monaten hat. Die Hitze und Dürre in der Stadt war beinahe unwirklich. Manchmal dachte ich, dass der liebe Gott, da ich mich nicht mehr aus Freiburg raus traue, extra für mich das griechische Wetter nach Freiburg geholt hat, damit auch ich das Gefühl von Urlaub, Sonne und Hautkrebs bekomme. 

Ich verbrachte fast meinen ganzen Urlaub in einem abgedunkelten Zimmer. Apathisch vor einem großen Ventilator liegend und schwitzend. Genau dies sind meine Erinnerungen an einen Griechenlandaufenthalt vor 15 Jahren. Ach, war das schön. Dürre, Sonne und 35 Grad Celsius. Alles war verdorrt und jede Bewegung führte zu Schweißfontänen. Genau so war es von Juni bis Ende August in Freiburg. Hitzerekorde wurden gebrochen und alles Grün verdorrte. 

Wenn es denn einen Gott gibt, dann hat er alles daran gesetzt, mich persönlich zu ärgern, mein Leben in eine Hitzehölle zu verwandeln und mich zum Tragen würdeloser, kurzer Hosen zu zwingen. Wenn ich jetzt Christ wäre, würde ich darin das Werk Gottes erkennen. Die erkennen Gott ja in allem. Sie erkennen ihn in Regenbogen, Kinderlachen und vor allem bei den Einhörnern. Aber wenn es um HIV, Krebs und Hitzewellen geht, werden Gottes Werke plötzlich „mysteriös“ und unergründlich. Was ist denn daran mysteriös, wenn sich jemand wie ein Arschloch verhält. Irgendwie ist dies das am wenigsten mysteriöse Handeln, das ich mir vorstellen kann. Die Sache ist doch recht einfach, wenn ich einem Neugeborenen eine Ohrfeige gebe, Omas von ihren Flanierraupen schubse und kleine Hunde beim Koten störe, dann bin ich schlicht und einfach ein Arsch. Ohne Diskussion! 

Und wenn ich eine Welt erschaffe, bin ich zumindest verantwortlich für das, was darin passiert. Dann sollte man sich nicht genüsslich auf einer Wolke zurücklehnen und alle daran leiden lassen, dass das mit der Erschaffung der Welt nicht so optimal lief. Da kann nur Murks rauskommen. Wie soll, bei der Zeitnot, dies auch ohne grobe Fehler gehen. Sieben Tage für eine ganze Erde. Da haben die Mäuse aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ schon etwas länger gewartet bis Magratheaner mit der Erde fertig war. Andere mit den eigenen Konstruktionsfehlern zu quälen ist nicht unbedingt ein Zeichen von Güte. Und wo wir schon mal dabei sind, glaube ich auch nicht, dass diejenigen, die nicht an Gott glauben oder wahlweise sich nicht zu hundert Prozent an seine Regeln gehalten haben, in die ewige Hölle kommen. Soll ich allen Ernstes glauben, dass der Chef der Hölle mich bestraft, weil ich die göttlichen Regeln missachtet habe? Warum sollte der Teufel mich für die schlimmen Sachen bestrafen, die ich so im Laufe meines kleinen Lebens angestellt habe? Schließlich würde er es ja eigentlich gut finden, oder? Wesentlich logischer wäre es doch, wenn er mich mit einem erfreuten „High Five“ begrüßt und mir Schampus in der klimatisierten VIP-Lounge anbietet. Von wegen Fegefeuer! Da müssten all die Christen schmoren, die sich ein Kreuz um den Hals hängen. 

Denn, wenn dieser Jesus je wiederkommen sollte, kann ich mir nicht vorstellen, dass er diese ganzen Kreuze sehen will, die überall an Hälsen, in Kirchen und Klassenzimmern rumhängen. Wenn ich eine Sache aus der „Passion Christi“ von Mel Gibson gelernt habe, dann das: Kreuze und Nägel sind so ziemlich das Letzte, was man zu sehen wünscht, wenn man gekreuzigt wurde. Gott, war das ein schlechter, aber grausamer Film. 

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Gottes Sohn einen Fetisch für Kreuze entwickelt hat und sich darauf freut. 

Seit meiner Kindheit hadere ich mit dem Konzept „Gott“, der den lieben langen Tag nichts Besseres zu tun hat, als argwöhnisch auf seine Steintafeln zu glotzen und zu kontrollieren, ob ich seine Regeln einhalte. Einzig mit dem Ziel, mich für Vergehen zu bestrafen und mich nach dem Tod in die Hölle zu schicken, um mich dort mächtig und ordentlich zu bestrafen. Wenn es einen Gott geben sollte, sollte er es doch irgendwie hinbekommen, dass er zumindest einmal im Jahrzehnt ein bisschen am Wetter schrauben kann, damit es nicht ganz so unerträglich ist.



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