Über Fehler in der Urlaubsplanung in meiner Kolumne für den Juli

Veröffentlicht am: Juli 10, 2019

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
ein Thema dominierte den letzten Monat alle Gespräche. Natürlich drehten diese sich nicht um die Krise an der Straße von Hormus, auch nicht um den Klimawandel oder um die SPD. Nein! Es ging um den ersten Schönwetter-Urlaub.

Nichts ist dem deutschen Wesen heiliger als der Urlaub. Mit nichts werden mehr Erwartungen verknüpft als mit der arbeitsfreien Zeit.
Ein heilsversprechendes Wort. In ihm stecken Sonne, Müßiggang, Ruhe und vor allem aber, die Erholung. Und so wollte ich dies auch mal wieder ausprobieren. Nach meiner Diagnose, der anschließenden Chemo und vor allem wegen der Erfahrungen mit Krankenhäusern abseits der Uniklinik war ich seit Ende 2015 nicht mehr richtig in der Ferne. Und dies, obwohl ich durch die dadurch resultierende Schwerbehinderung nun mehr Urlaubstage habe.
Alles begann mit einer Schnapsidee von mir. Gregor braut seit ein paar Jahren ziemlich fancy Biere. Biere, die sich„ Extra Special Bitter Overhopped Double Indian Pale Ale“ nennen. Ich bin ja nicht so beim Bier. Da muss es nur Pils sein. Dieses Craft-Bier war nach Röhrenjeans und Barbershops der dritte Trend innerhalb weniger Jahre, den ich bewusst an mir vorbeiziehen lasse. Aber dies ist ein anderes Thema. Da ich aus der Nähe von Franken komme und dort in jedem Kaff eine Brauerei ist, schlug ich einen Ausflug in eine echte Craft-Bier Region vor. Da Gregor prinzipiell nur mit dem Fahrrad in die Ferien fährt, war dies der erste Kompromiss, der mein Schicksal besiegelte.

 Über Fehler in der Urlaubsplanung in meiner Kolumne für den Juli

Wir gingen also kurz ins Internet und fanden mit den Worten: „Bier, Franken und Fahrrad“ einen Radweg mit dem tollen Namen: Brauereien- und Bierkellertour. In meiner Fantasie war dies genau die Art von Urlaub, die man mit einem Freund macht. Ein paar Kilometer Rad fahren und dann in einen Biergarten, anschließend ein bisschen radeln und wieder in einen Biergarten. Nur halt acht Tage lang. Hier mal einen Wurstsalat und da mal einen Leberkäs. Ach hörte sich das entspannt an. Voll nach Genussferien und Völlerei.

Leider hab ich diese Entscheidung nicht zu Ende gedacht, was mir in letzter Zeit öfters passiert. Die einzigen Gedanken, die ich mir für diese achttägige Tour gemacht habe, waren: Wie lade ich mein Handy auf und was meine Hündin denn so alles für die bevorstehenden Tage benötigt. Abseits dessen hab ich mir bei den Worten Radtour durch Franken nichts gedacht. Bei dem Wort BamBERG auch nicht. Selbst bei den Worten Fränkische Schweiz, welches ich beim Überfliegen der Landkarte las, klingelte bei mir nichts. Ach ich hab mich gar nicht mit dem Weg beschäftigt. Auch nicht, dass die Nautilus, wie ich liebevoll mein Lastenfahrrad nenne, doch etwas schwerer als andere Räder sein könnte. Schließlich fahre ich ja jeden Arbeitstag mit Hund circa zehn Kilometer durch Freiburg. Der erste Tag von Nürnberg Richtung Bamberg führte entspannt immer am Main-Donau-Kanal entlang. Zudem noch mit einem leichten Gefälle. Anstrengend, aber machbar. So nach 38,4 Kilometer merkte ich dann doch die vielen Kilos von mir, dem Rad, der Hündin und dem Gepäck. Wir kamen bis kurz vor Forchheim. Auf dem Campingplatz angekommen war es bitterkalt. Ich weiß auch nicht, aber Camping hört sich immer viel romantischer an, als es dann tatsächlich ist. Warum verlässt man noch mal den Komfort der Erfindung Bett, um dafür zu bezahlen, mit einem kleinen Zelt auf dem kalten Boden in einem Sack zu schlafen? In Bamberg angekommen war ich überrascht, dass Gregor „zufällig“ ein Craftbeerfestival entdeckte.

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Streckenprofil der Radtour

Ab da wurde die Tour eine Tortur. Denn hinter Bamberg ging es los mit den verfluchten Bergen. Das erste was mir durch den Kopf schoß, als die Fränkische Schweiz mich mit einer wahnsinnig großen Steigung begrüßte, war: „Oh! Das mit der Radtour war ein großer Fehler“.

Es gab keinen vernünftigen Grund, diesen Berg zu erklimmen. Da oben wartete laut Karte kein tolles Restaurant, keine geile Bar und kein gutsortierter Plattenladen auf mich. Ab hier galt: Wille gegen Berg.
Leider war diese Steigung der Anfang einer sehr Berg- und Tal lastigen Fahrradtour, die wieder in Forchheim vorbei kam. Nur eben obenrum. Ich bezweifle sehr, dass Sie, liebe Leser, jemanden kennen, der tapfer und stoisch wie Forrest Gump, alles Leid einfach erträgt. Aber ich bin so jemand. Resilienz bezeichnet dies die Forschung. Bescheuert nennt dies meine Frau. Richtig schlimm wurde es, als meine Bremsen versagten. Wobei Versagen nicht das richtige Wort ist. Die Bremsen haben gequalmt wie ein alter Diesel und sich so angehört wie ein Kettenraucherhusten. Leider war die Bremskraft auch nicht mehr der Rede wert.

Hollandräder werden oft mit Rollbremsen ausgerüstet. Diese haben den Vorteil, enorm wartungsarm zu sein, da man einmal im Jahr Fett in die mechanisch mit Metallen ausgestattete Bremse drücken muss. Leider sind diese Bremsen, wie ich im am Tag sechs in einer Fahrradwerkstatt erfahren musste, durch ihre starke Hitzeentwicklung bei Bergabfahrten, nur für das Flachland geeignet.

Da verbrachte ich allerdings schon die vergangenen Tage damit, mit Qualen und dem im Rad sitzendem Hund, meine Nautilus die Berge hochzuschieben und anschließend wieder hinabzuschieben. Und das bei 30 Grad Celsius. Erschwerend kam meine Sonnenallergie hinzu. Diese Zwang mich mein, abgesehen von der Regenjacke, einziges langes Kleidungsstück, bei brütender Hitze und sportlicher Anstrengung zu tragen. Ein schwarzer Merinowolle-Pullover dient zwar ideal als Sonnenschutz, aber er ist er bei hoher Sonnenbestrahlung und Temperaturen über 20 Grad, eher suboptimal.

Aber immerhin habe ich in meinem Urlaub meinen Körperfettgehalt von 30 % auf 20 % reduziert. Und in der Nachbetrachtung war es ein toller Urlaub mit viel Bier, gastfreundlichen Franken und einem sehr nachsichtigen Gregor. Und ja, ich werde so was wieder machen, aber dann werde ich mir die Strecke genau überlegen und meine Hündin auf Trockenfutter umstellen. Gut, wenn man aus Fehlern lernen kann. In diesem Sinne einen schönen Juli.



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