Über den Winter in meiner Kolumne für den Dezember

Veröffentlicht am: Dezember 23, 2019

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

langsam kommt es mir vor, als würde ich seit Mitte September beständig krank sein. Nach dem Virus des vergangenen Monats habe ich nun eine fette Erkältung. Durch die beständige Wiederholung des Gleichen fühle ich mich in einer Zeitschleife gefangen, wie Bill Murray in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Seit der letzten Kolumne war ich gerade mal eineinhalb Wochen gesund. Ich hasse mein Immunsystem und die kalte Jahreszeit!

Jahrelang habe ich allen vorgegaukelt, ich würde den Winter mögen. Ich tat so, als würde ich ihn geradezu herbeisehnen. Dieses Verhalten kam dadurch zustande, dass meine Mitmenschen über den Winter nur schlechtes, negatives zu sagen hatten. Ich gestehe, es war eine jahrelange sorgfältig gepflegte Trotz-Reaktion. Ein Reflex in mir, mich wie Robin Hood für die unterdrückten einzusetzen, auch wenn es eine ungeliebte Jahreszeit ist.

Nun endlich bekenne ich Farbe. Ich Reihe mich ein in die Sondersendungen, Schnee-Katastrophen-Berichte und das Wehklagen über den Winters. Einschränkend werde ich allerdings einen Teufel tun und mich mit den Autofahrern solidarisieren. Nach wie vor kann ich es nicht glauben, dass der deutsche Autofahrer in jedem Winter vom Winter überrascht wird.

anti schneemann liga Über den Winter in meiner Kolumne für den Dezember

Es ist an der Zeit mit meiner Anti-Einstellung aufzuräumen und konstruktive Lösungen anzubieten. Diese Kolumne war schon immer auch eine Hilfestellung in einer komplexer werdenden Welt.

Ein Service für Sie, liebe Leser, um in komplizierten Zeiten einfache Lösungen zu erhalten. Ich fühle mich wie der Jean Pütz der Kolumnisten, wie die Tine Wittler im Weltverbessern, ach was schreibe ich, wie der Domain der Problemlösungen.

Während andere den ihren Twitterstatus von „Inaugurated“ auf „Impeached“ ändern, mache ich klar Schiff und schreie es laut heraus: Der Winter ist das Arschloch unter den Jahreszeiten.

Er ist kalt und usselig. Ständig ist es nass und dunkel. Hin und wieder ist es auch kurz widerlich weiß. Dies ist eigentlich das schlimmste, denn der blöde Schnee vergräbt alles bekannte und vertraute unter sich. Für gerade mal zwei Sekunden sieht es sogar gut aus, wenn alles mit einem weißen Puder bedeckt ist. Aber einen Moment später verwandelt sich dieser Zauber in einen matschbrauen, ekelhaften Gatsch, der den ganzen Feinstaub sichtbar macht.

Kurz: Der Winter ist das Fukushima des kleinen Mannes. Ein Super-GAU, der jedes Jahr wieder kommt. Noch nicht mal meine geliebte Batman-Unterbuxe aus feinem, wärmenden Vlies kann dagegen helfen. 

Das unbestrittene Symbol des Winters ist der Schneemann. Selbst Wikipedia schreibt verächtlich Folgendes über ihn.

„Alte bildliche Darstellungen zeigen ihn als personifizierten Winter in recht bedrohlicher Gestalt in Übergröße, mit grimmiger Miene und drohend erhobenem Besen.“

Eben, er ist ein fieser, heimtückischer Geselle. Immer mit einem falschen, breiten Grinsen im Gesicht. Und als wäre dies nicht genug, mit seinem schicken Zylinder beständig gut gekleidet.

Als wäre es normal, steht er elegant im versifften Schnee. Leider hat er trotz alledem ein ganz wahnsinnig tolles Image. Nur weil ihn anscheinend „Kinder“ errichtet haben. Aber in Wirklichkeit tut er nur so, als wäre er von kleinen Gören erbaut, damit er unbemerkt seinen kalten Hass verbreiten kann. Pustekuchen, das wirkt bei mir nicht. Mich täuscht er nicht. Der Schneemann ist der verkleidete Vater Frost und hat sich in seiner Bösartigkeit selbst errichtet. Er ist ein Übeltäter. Er ist der Antichrist. Der verstorbene Idi Amin war ein Waisenknabe gegen ihn. Er ist schlimmer als der schlimmste Bösewicht aus einem Morricone Western.

Und da mir das ewige Gejammer von wegen Kälteschock und Schneechaos unerträglich ist, hier mal zur Abwechslung und entgegen meiner durchaus pazifistischen Neigung:

Ein Aufruf zur Gewalt!

Gegen den Schnee und die doofen Schneemänner! Setzt der Macht der Eiskristalle ein Ende! Lauert ihnen auf, zwingt sie in die Knie und lasst keine Gnade walten! Pinkelt ihn nieder, hetzt Eure Hunde auf ihn, lasst ihn brennen! Tod dem Schneemann!

Sammelt Trophäen und Zylinder! Verfüttert die Möhrennasen an unter den Schneemassen leidende Lebewesen. Bekämpft den Winter und seine Insignien, wenn Ihr sie seht.

Lassen Sie sich nicht durch die vermeintlichen Vorteile des Winters in ihrer Kampfmoral beeinflussen. Ja, es darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass der Winter auch einen einzigen wirklichen Nutzen hat. Wie bei so vielen Dingen liegen diese aber nur auf der Oberfläche, bei genauerer Betrachtung erweisen sie sich jedoch als trojanische Pferde.

Auch ich stelle wohlwollend fest, dass die Hippies, Ethnos und Esoteriker zeitgleich zum Wintereinbruch wie durch Zauberhand aus dem Stadtbild verschwunden sind. Nur ab und an taucht, mal ein verfrorener Ethnologiestudent im Blickfeld des Betrachters auf. Wie mich das immer erfreut. Vor allem erinnert man sich dann mit fast schon körperlichen Schmerzen an den vergangenen Sommer. Als barfüßige, mit wallenden Kleidern bestückte und nach Patschuli stinkenden Menschenmassen die Dreisam und den Stühlinger Kirchplatz bevölkern und kolonisierten.

Die können einem jegliche Freude an der Welt nehmen. Wie dem auch sei, eine ganze Stadt ist in den Sommermonaten in Beugehaft durch die Baum-Umarmer. Ausschließlich dadurch wird der Winter zu einem Segen für alle. Aber dies ist ein Trugbild. Durch eine mehrere Minuten dauernde Internet Recherche ist klar geworden, dass die Esos, Ethnos und Hippies mit dem Winter unter einer Decke stecken. Eine Achse des Bösen. Es ist ganz einfach: Der Winter bezahlt sie dafür, dass sie uns den Sommer madig machen. Im Gegenzug haben sie im Winter frei und können wieder normale Dinge tun, wie Schuhe anziehen und Hosen tragen, die den Namen auch verdienen. Kurz, sie können sich von ihrem anstrengenden Sommerjob erholen. Ähnlich macht es übrigens auch die Euromaus des Europaparkes in der Saisonpause.

Ja, wir werden auch Rückschläge in Kauf nehmen müssen. Der Winter wird zurückschlagen, wenn es am meisten wehtut, im Frühling, wenn wir. Spätestens Anfang Mai.

Aber, liebe Leser und Mitstreiter, das wird ihm nicht gelingen. Wir halten die Reihen geschlossen und bekämpfen ihn, wo er geht und steht. Wir wissen, dass dies nur ein letztes Aufbäumen, eine letzte hilflose Geste, eines verzweifelten alten Herren ist, dessen Tage durch unseren CO2 Ausstoß gezählt sind.  Das Beste daran ist aber, dass er es selbst auch weiß. Spätestens nachdem wieder mal eine UNO-Klimakonferenz irgendwie gescheitert ist, starrt er wie ein Kälbchen, wenn‘s blitzt in die gezogene Waffe der ungehemmten Klimaerwärmung.  

So. Aktiv die Welt verändern und Bildung einer gewalttätigen Vereinigung steht auf meinem Vorsatzzettel für das nun auslaufende Jahrzehnt. Trotz gesundheitlicher Probleme habe ich dies hoffentlich noch auf den letzten Drücker geschafft.

In diesem Sinne einen schönen Jahreswechsel.



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