Über das Weihnachtsfest als Veganer aus meiner Kolumne für den Dezember

Veröffentlicht am: Dezember 22, 2018

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

mein lieber Herr Gesangsverein, war das Mal wieder ein Cliffhanger, den ich Ihnen, liebe Leser, da vorgesetzt habe. Ein Monat Spannung, Aufregung und viel Bettlägerigkeit. 

Selbst beim Schreiben dieser Zeilen liege ich schon wieder seit einer Woche mit dem schlimmsten Männerschnupfen, den man sich vorstellen kann, im Bett. 

Aber wie sieht denn nun das Ergebnis der onkologischen Untersuchungen aus, die letzten Monat anstanden? Da meine Werte sich weder verbessert noch verschlechtert haben, wurde die Knochenmarkspunktion und das MRT abgesagt. Und nun kommt, was kommen muss. Wir warten ab! 

Dieses Mal bis März. Nun bleibt viel Raum für Frustration und Panik. Früher war alles einfacher. Nach und nach verabschiede ich mich von meiner Vorstellung des Arztbesuches. Lange dachte ich, dass dieser so ähnlich abläuft wie der Besuch einer KFZ Werkstatt. Das geliebte Auto hat irgendwas, man fährt zur Autowerkstatt seines Vertrauens, nach ein paar Stunden ist der Schaden behoben und das Auto fährt wieder. So funktioniert die moderne Medizin nicht, auch wenn Medi und Zini mir meine ganze Kindheit etwas anderes vorgegaukelt haben. Es wird dauerhaft keine Diagnose zu irgendwelchen Terminen geben. Meine Aufgabe ist es, mit dem Warten umgehen zu lernen. Leider trifft diese Nicht-Diagnose auf ein sich in jedem Jahr wiederholendes und unumgängliche Ereignis. Weihnachten im Kreis der Familie. 

Ein Jahr hat man Zeit sich auf das kommende Weihnachten vorzubereiten, aber, wie in jedem Jahr, vergisst man dies. Das Weihnachtsfest ist mein persönlicher Murmeltiertag, ähnlich wie im Film „Täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray. Jedes Jahr weichen die zweieinhalb Tage nur in den Aktionen bzw. den daraus resultierenden Reaktionen voneinander ab. Die Rahmenbedingungen sind wie immer dieselben. Soziologisch betrachtet ist Weihnachten der emotionalste Ausnahmezustand, den man erleben kann, wenn man keine Kinder hat. Man wird zurückgeworfen auf eine Phase der persönlichen Entwicklung, die man lange glaubte, überwunden zu haben. Es ist, wie wenn man sich unterbewusst eine alte, lange abgelegte Haut überzieht und all die Persönlichkeitsentwicklungen, die man im Lauf der Jahre durchgemacht hat, vergessen sind. Hinzu kommt die extrem komprimierte Zeit, die man mit den anderen Familienmitgliedern verbringt. An Weihnachten ist man mehr mit all den Geschwistern und Eltern zusammen als im ganzen Restjahr. Hieraus resultiert natürlich ein potenzieller Konfliktherd. Herrlich. 

Eine eindeutige Diagnose hätte so viel Vorteile für das Weihnachtsfest ergeben. Wenn ich die gehabt hätte, hätte ich das größte Ass im Ärmel, den besten Trumpf in der Hand, ach was schreib ich, die ultimative Waffe für das Familienfest gehabt. 

In meinen Tagträumen malte ich mir schon aus, wie ich mit einem Bambi-Blick einen drohenden Familienkonflikt mit den Worten „das musst Du jetzt sagen, wer weiß, wie lange es noch mit mir geht“ befriede oder mich vor Sachen mit den Worten: „Ich fühl mich zu schwach“, drücke. 

Ach, bei allem und jedem hätte ich erneut die Krebskarte ausspielen können. Aber, was hab ich stattdessen in der Hand? Nüscht! Rein gar nüscht. Aus Erfahrung weiß ich, dass man nie ohne Waffen zu einem Weihnachtsfest gehen sollte. Nun bleibt mir nichts anderes übrig, als der Familie mit Liebe zu begegnen. Und das zu Weihnachten! Wie krank ist dass denn? 

Vielleicht ist es aber auch ganz gut, denn irgendwie reagieren die meisten recht humorlos auf Krebs, allen voran meine Mutter.

So bleibt mir nichts anders übrig, als die Messer zu wetzen, nach potenziellen Gewinnerthemen zu suchen und Verliererpositionen so gut wie möglich zu kaschieren. Zum Glück ist niemand aus meiner Familie vegan. Gegen Veganer kommt man doch arg in Bedrängnis. Veganer gewinnen immer auf allen Fronten. Ethisch, moralisch und natürlich argumentativ. Dieser Krieg lässt sich auch nicht mit Humor gewinnen. Selbst wenn, wie ich finde, meine Interpretation des Thanksgiving Cartoons von Jim Benton, ganz gut gelungen ist, haben Veganer in allem Recht. Aber wie schon gesagt, keiner aus meiner Familie isst vegan. Dies ist nicht ganz so überraschend, für eine Metzgerfamilie. 

 Über das Weihnachtsfest als Veganer aus meiner Kolumne für den Dezember

Oh…. Das bringt mich auf eine Idee. „Streit statt Besinnlichkeit“ ist ja schon seit Jahren mein persönliches Weihnachtsmotto. Ich könnte ja bis Weihnachten Veganer werden und allen auf die Nerven gehen. Mal kucken. Vielleicht schaffen Sie es ja, verehrte Leser, die Feiertage unangreifbar auf der Seite mit den besseren Argumenten zu verbringen. Oder gar in Hamonie mit der ganzen Familie ein Blockflötenkonzert einzuüben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Feiertage!



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