Let‘s have a Thrombo Party in meiner Kolumne für den Juli

Veröffentlicht am: Juli 14, 2018

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

good news first! Meine Leukozyten haben sich nun nach einer langen Phase doch noch ein bisschen erholt. Sie sind vom Wert 1,7 auf 2,9 gestiegen. Also von „Alle Mitmenschen sind für mich gefährliche Krankheitsüberträger“ zu einem „Ich hab keine Angst mehr vor Dir“ in nur spektakulären zehn Monaten. (Wenn das so weitergeht, komme ich vielleicht diesem Jahr noch in den Normalbereich zwischen 4 und 10). Dies hatte zur Folge, dass ich nun sage und schreibe elf Wochen ohne irgendwelche Infekte und Krankheitstage erleben durfte. Ich witterte Morgenluft. Seit einem unsäglichen Erlebnis in einem Landkrankenhaus in der Hohenlohe traue ich mich seit zwei Jahren nicht mehr, Freiburg zu verlassen. Zu unsicher ist mir die medizinische Versorgung und zu schlimm meine Panik, wenn der behandelnde Arzt offensichtlich nicht weiß, was er da so tut. Aber in Anbetracht der gestiegenen Leukos fasste ich den Mut, einen kleinen Urlaub zu machen. Zuerst wollte ich mit dem Rad, dem Hund und einem Zelt ein paar Tage den Rhein abwärtsfahren und mal so kucken, was sich so ergibt. 

Zwei Tage vor meiner geplanten Abreise, bekam meine Frau von ihrem Arbeitgeber spontan ebenfalls frei und so war an eine Fahrradtour nicht mehr zu denken. Ich glaube, sie ist allergisch gegen Fahrradfahren, das keinem bestimmten Zweck dient. Da ich aber immer einen alternativ Plan vorbereitet habe, schlug ich vor, in den Schwarzwald zu wandern und eben da zu zelten. Wie sich herausstellte, hat sie auch gegen das Zelten im Allgemeinen eine Allergie. Da sitzt man nun zusammen und überlegt.

Entweder fährt man alleine mit dem Hund los, wie es geplant war, oder nimmt die Allergien des anderen ernst und versucht einen gemeinsamen Kurzurlaub mit wenig Geld zu bewerkstelligen. Dann fährt man anschließend zu seinen Eltern in die Hohenlohe. All for the Team! Gerade in Zeiten von Weltmeisterschaften wird einem die Bedeutung von Teambuilding mehr als bewusst. Ich wünschte nur, ich hätte auch die ein oder andere Allergie. Leider gibt es keine Allergie gegen Bad und Küche putzen und wenn doch, würde meine Gattin aufgrund ihrer Sorge um mich sofort ein Allergiker- Spülmittel und latexfreie Gummihandschuhe kaufen. Gegen Zeltallergie gibt es keine Schutzvorrichtungen und dafür, dass sie eine Radfahrallergie hat, zwingt sie sich, der Umwelt zuliebe, schon fast täglich aufs Rad, um zur Arbeit zu fahren. Das ist wahre Aufopferung. So ein Urlaub bei den Eltern ist ja auch immer beides. Schön und schlimm. Schön, weil man diese wieder sieht, Zeit hat, über Dinge zu reden, und schlimm, weil man mit zunehmender Dauer des Aufenthaltes sich selbst ertappt, wie man innerlich jünger und jünger wird. Plötzlich kommen in einem irrationale Pubertäre Anfälle hoch, die nur mit größter Anstrengung in den Griff zu bekommen sind. 

Das ist dann das Gegenteil von Erholung. Wie es der Zufall will, gab es just an diesem Wochenende dort einen Event mit dem Namen „Jagstwiesenwanderung“ und wie ich von den Weinwanderungen gelernt habe, ist nichts befriedender als eine Wanderung in der Natur mit ausreichend Stationen mit Essen und Trinken. Wir also die Rucksäcke gepackt und los. Das war auch echt schön. Am Tag danach merkte ich allerdings, dass mein rechter Arm immer dicker und dicker wird. Ich ging davon aus, dass mich etwas gestochen hatte, auch wenn ich keinen Stich bemerkte. Am nächsten Tag, der Rückreisetag, verfärbte sich der Arm dann auch noch in ein gesundes dunkelbraun und spannte unangenehm. 

Nun bemerkte auch meine Frau die Veränderung und wollte mich, in Freiburg angekommen, sofort in die Notaufnahme der Uniklinik verfrachten. Da es aber Sonntag war und Notaufnahmen gerade an Sonntagen keine Orte sind, an denen man sein möchte, spielte ich die Armsache herunter. Ich versprach, am nächsten Tag zum Arzt zu gehen, was ich allerdings nie ernsthaft in Betracht zog. Hierbei muss ich erwähnen, dass ich nicht das beste Körpergefühl besitze und die Kapriolen meines Körpers recht gut ignorieren kann. Beim Boxen wären dies Nehmerqualitäten. Mein Psychologe meinte, ich kann Dinge recht gut annehmen und als gegeben akzeptieren.

Als dann am nächsten Tag auf Arbeit meine Kollegen mir aufgrund des mittlerweile auf „Hulk-Hogan“-Größe angeschwollenen Armes und der nun schon eher blauen Farbe mir mit ihrer „Sofort zum Arzt“- Haltung auf die Nerven gingen, bekam ich doch Zweifel an meiner Insektenstich-Theorie und googelte nach Feierabend auf der Gassirunde heimlich die Symptome. 

lets have a thrombo party Let‘s have a Thrombo Party in meiner Kolumne für den Juli

Etwas beunruhigt fuhr ich, nachdem ich den Hund versorgt hatte, mit dem Rad sofort in die Notaufnahme der Uniklinik. Ich hoffe, Sie liebe Leser, waren noch nie dort. Die Notaufnahme ist der schlimmste Ort, den man sich vorstellen kann. Meine Hochachtung gebührt den Menschen, die dort arbeiten. Da ich ja schon ein erfahrener Notaufnahmenkunde bin, benutze ich nur Schlüsselworte beim Empfang, um die Dringlichkeit meiner Aufnahme zu verdeutlichen. Diesmal war dies aber gar nicht nötig. Ich kam beinahe sofort dran und schon wurde an mir gezaubert. Erst Blutabnahme, Urinprobe, Zugang legen, EKG, dann einen Ultraschall und anschließend eine Computertomografie. Bei dem dabei gegebenen leicht brennenden Kontrastmittel spürt man erst, wo überall das Blut in einem hinkommt. Und ich muss sagen, dass mein Anus enorm durchblutet sein muss. Es fühlte sich an, wie der Schiß am Tag nach einem Chilliwettkampfessen, also äußerst unangenehm. 

Insgesamt war ich vier Stunden in der Notaufnahme und die Architekten haben das Gebäude so gebaut, dass man keinen Handyempfang hat und man gezwungen ist, in den vielen Wartezeiten die Leiden und Skurrilitäten der anderen quasi als Hörspiel mitzubekommen. Für mich als Kolumnist, der in letzter Zeit keine Geschichten mehr zu erzählen hat, war das natürlich ein gefundenes Fressen. Aber davon in den nächsten Kolumnen.

Wie sich herausstellte, entschied sich mein Körper, mal was Neues auszuprobieren. Und wie das so ist, mit einem bipolar gestörten Körper musste es etwas sein, das ich noch nicht hatte. Doch damit gibt er sich schon lange nicht mehr zufrieden, es musste selbstverständlich auch etwas sein, von dem ich keine Ahnung hatte und bei dem ein gewisses Gefahrenpotenzial lag. Da es um die Kreativität meiner alten Hülle nicht unbedingt zum Besten gestellt ist, suchte er sich wieder eine Altherrenkrankheit heraus. 

Schon bei meinem Krebs ist die Hauptzielgruppe eher in der Alterspanne 70 Plus zu finden und nun muss ich mich selbst mit Blutverdünner spritzen und mich selbst mit drei elastischen Binden wickeln. Grund für die Thrombose am Arm war der Wander-Rucksack, der den kleinen Schlauch meines Portes abgeklemmt hatte und so die Thromboparty auslöste. Nun muss ich bis zu einem halben Jahr die Binden nutzen und Blutverdünner nehmen. Meine Gattin hat mich einmal gewickelt. Leider hat sie es zu gut gemeint und mir meinem Arm abgebunden. Erst als sie weg war, habe ich mich weinend von ihrem Bondage-Versuch befreit und erfinde seitdem Ausreden, warum ich mich selber wickeln muss. 

Dafür ist zumindest auf meiner rechten Armseite die Gefahr von Hautkrebs bis nach dem Sommer gebannt und ich gelobe beim nächsten Mal früher zum Arzt zu gehen. 



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