Dietenbach in meiner Kolumne für den März

Veröffentlicht am: Februar 9, 2019

dietenbach bürgerentscheid janein Dietenbach in meiner Kolumne für den März
Dietenbach Bürgerentscheid Ja/Nein

Ja/Nein zu Dietenbach?

Ein fröhliches Aloha liebe Leser, 

ach, ich freu mich, denn am 24. Februar gibt es endlich wieder einen Bürgerentscheid. Endlich hat sich, der coole Trend, der sich bei dem Wolfswinkel-Bürgerentscheid, angekündigt hat, bestätigt. Gerührt fühle mich wie ein Hipster, ein Wegbereiter, ein Trendsetter. Lange habe ich mich gefragt, was wohl das nächste große Ding in dieser kleinen Stadt wird und hatte mir  schon ein paar Kandidaten auskundschaftet. Und aus dem Nichts: BÄMM wurde es der geplante Stadtteil Dietenbach. 

Nun erwarte ich als Ahnungsloser in Sachen Bebauungsplan und Landwirtschaft eine Argumentations-Artillerie von beiden Seiten. Schließlich geht es ja darum, die Bevölkerung, also auch mich, auf die Pro-Bebauungs oder Contra-Bebauungs Seite zu ziehen. Hier muss man aufpassen, denn ein „NEIN“ ist bei diesem Bürgerentscheid ein Ja zur Bebauung und ein „JA“ ist ein Nein zur Bebauung. Also nicht wie bei dem „SC-Stadion/Wolfswinkel“ Bürgerentscheid. Auch beim Dietenbach, geht die Diskussion nun schon ein paar Jahre. Der Gemeinderat hatte für den geplanten Stadtteil schon einen Beschluss formuliert. Für die Befürworter des neuen Stadtteiles kamen die vielen Unterschriften, die gegen die Bebauung unterschrieben haben und das Quorum für einen Bürgerentscheid auslösten, aus dem nichts. Ab da nahm das Thema an Fahrt auf. Da ich die beiden Seiten noch nicht so recht verstehe und etwas Öl übrig habe, schütte ich das was ich aus dem Internet verstanden habe mal ins Feuer. 

Ich bin von Grund auf so sozialisiert, dass ich mich immer spontan auf die Seite der Widerständler stelle. Ich war schon für die Atomkraftgegner, als die noch uncool waren. Ich war für die Yanomami-Indianer oder für die Freilassung von Mumia Abu-Jamal obwohl ich beides nicht richtig aussprechen konnte. Das war aber zu einer Zeit, als ein gewisser Herr Kohl noch Kanzler war und ich noch viel Schwarz-Weiß in mir hatte. Gut vs. Böse, Cowboy vs. Indianer oder Geha vs. Pelikan. Mit den Jahren wurde es nicht mehr so einfach und vieles wurde zunehmend Grau. Aber ich schweife ab. Tendenziell will ich den Underdog gut finden und so bin ich sehr ergebnisoffen auf die Webseite von „Rettet Dietenbach“. Monopoly Geld und Monopoly Häuschen begrüßten mich. Die wissen wie sie mich mit der Abscheu vor den Insignien des Kapitalismus auf ihre Seite ziehen. Nur je länger ich mich auf der Seite rumtrieb umso mehr überzeugten mich die Argumente nicht.

Nachverdichtung in der Stadt? Mit begrenztem Wohnraum sollen für all die Wohnungssuchenden ausreichen? Aufstockungen sollen bezahlbare Mieten schaffen? Bisher habe ich nur erlebt, wie Nachverdichtungen und Aufstockungen sich in sehr teuren Wohnraum wandelten. Dann wird, auf beiden Seiten mit Zahlen herumjongliert, dass es einem schwindlig wird.  Wie viele Bauern von den Dietenbach-Bauern sind denn eigentlich schon bereit gewesen, ihre Fläche zu verkaufen? Den zwölf Landwirten, die der Webseite „Rettet Dietenbach“ ihre Existenz verlieren, stehen tausende Wohnungssuchende und ihre Familien gegenüber. Dem Argument, dass der Bauspekulation Tür und Tor geöffnet werden, steht der Beschluss des Stadtrates mit der 50 % Quote für geförderten Mietwohnungsbau gegenüber. 

Irgendwie, komm ich nicht mehr mit. 

Der „Protest“ der Underdogs kommt in den letzten Jahrzehnten immer mehr von Vertretern einer Richtung, die keine Veränderungen möchten. Und ich empfinde die Argumente als rückwärts gewandt und konservativ. Wohnraum ja, aber nicht da wo ich wohne. Zuwanderung, Verstädterung und Bevölkerungswachstum macht Angst. Fröhlich Jugendliche auf dem Augustinerplatz, Studenten auf dem Platz der Alten Synagoge oder grillende junge Menschen an der Dreisam? Nein, die können sich nicht mehr benehmen. Früher war alles besser. Aber woran liegt das? 

Da ich es mir immer recht einfach mache, habe ich mir ein Erklärungsmodel zusammengebastelt. 

Ich glaube fest daran, dass man im Grunde so um die 25 – 30 Lebensjahre hat, um soviel wie einem möglich ist, von der Welt zu absorbieren. Man lernt danach nicht mehr viel hinzu. Statistisch trifft das zufällig auf die Zeit, in der geheiratet wird. Anschließend bekommt man Kinder, baut Häuser und lebt fortan in einer kleinen Käseglocke aus Muttermilch, Kacke und Maloche. Beim besten Willen bleibt einem da keine Zeit mehr für das Weltgeschehen und die gesellschaftlichen Veränderungen. Nun kann es kein Zufall sein, dass die lautesten Gegner, ob dies nun Pegida oder SC-Stadion Neubaugegner sind, so um die 50 Jahre alt sind. Die haben was geschafft und haben sich in den letzten 25 Jahre etwas aufgebaut. Nun sind die Kinder aus dem Haus und sie stehen, im Grunde fassungslos, da und verstehen nicht, dass die Welt um sie herum sich weitergedreht und verändert hat.

Das macht Angst, da diese Veränderungen für sie ja quasi aus dem Nichts kamen. Und nun? Ich habe oben erwähnt, dass Schwarz-Weiß für mich nicht mehr funktioniert, da die Welt komplizierter wurde. Bei den „Bestandswahrern “ scheint diese Tatsache ignoriert zu werden. Nachdem nun auch die Freiburger AFD sich nun auf die Seite der Bebauungsgegner geschlagen hat, passt mein Erklärungsmodel noch besser. Sie machen sich die Welt wieder Schwarz-Weiss. Also müsste die Lösung nicht Bürgerentscheid lauten, sondern eher: Wie bekommen wir die Angst weg? 

Mit dem Juchtenkäfer oder ausgelegten Fledermäusen wird dies nicht gelingen, aber vielleicht mit Gesprächen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Wahl. 




Kommentare sind geschlossen.