Würdiges Miteinander in meiner Kolumne August/September für den Frei(e) Bürger


Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll  für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren.
Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg. 

Hier der Text:

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
wiedereinmal haben wir es nicht geschafft eine Tierart vor der Ausrottung zu bewahren. Lonesome George ist tot. Er war der letzte seiner Art. Tragisch für Ihn und auch die Artenvielfalt. Dies bringt einen wirklich zum grübeln. Vor allem wenn man an die nationalbeseelten Horden auf den doofen Fanmeilen bei dem vergangenen Fußballquatsch denkt. Da fragt man sich unweigerlich: „Was läuft hier eigentlich falsch?“
Leider steht diese wirklich gute Frage nun einsam im Raum und wird wohl unbeantwortet bleiben. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es schon erstaunlich viel ist, was wir nicht schaffen. Natürlich habe ich da ein paar Beispiele vorbereitet.
Wir schaffen es nicht mit Tieren, Natur, Mitmenschen anständig umzugehen. Wir schaffen es beispielsweise auch nicht, ein normales Verhältnis zu einem Sport und zu dem Land in dem Wir alle Leben zu entwickeln. Wie sonst ist es zu erklären, dass in Wuppertal Anhänger der deutschen Mannschaft italienische Fans mit Spaghetti beworfen haben und damit eine Massenschlägerei mit 1400 Teilnehmern ausgelöst haben. So geht es dahin, euer „Wir sind ein weltoffenes Land“- Geschwafel, das ich so satt habe. Keine Ahnung, wo man dieses weltoffene Land, bei dem man zu „Gast bei Freunden“ ist, erleben kann, aber ich hätte es nicht gewagt, mit Italientrikot in eine Fanmeile zu gehen. Auch wurden diese grässlichen Ressentiments wieder aus der Rassismuskiste entstaubt, als diese Mannschaft nicht mehr am Gewinnen war. Plötzlich…hui..hui..hui.. stellte sich die Frage danach, ob diese Herren, die da spielen wirklich zu diesem Land gehören. Allen voran das Schundblatt mit den großen Buchstaben. Ganz zu schweigen von den Reaktionen auf den Italienischen Stürmers Balotelli, der sich mit seiner Geste gegen den Rassismus gerichtet hatte, der ihm entgegenschlug. Ich bleibe dabei: Fußball und Alkohol bringen das Schlechteste im Menschen hervor.
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Und wo wir schon beim Thema sind, wir haben es auch nicht geschafft diesem Land eine Nationalhymne zu geben, die nicht verfänglich ist. Der olle Adenauer ist schuld, dass die fröhlichen Smash-Hits „Heidewitzka, Herr Kapitän“  und „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ nicht als Hymnen ausgebaut wurden. Beide Gassenhauer wurden bei offiziellen Anlässen vor 1950 durchaus mit Schmiss und Inbrunst gespielt. Mann, Mann, Mann wär das ein „Hallo“, wenn dies heute noch beim Strammstehen geschmettert werden würde. Menschenmassen würden sich spätestens beim „Mein lieber Freund, mein lieber Freund, die alten Zeiten sind vorbei, ob man da lacht, ob man da weint, die Welt geht weiter, eins, zwei, drei.” in den Armen liegen. Liebe Leser, ich lade Sie zu einem Gefühlsexperiment ein. Schließen Sie die Augen und stellen sie sich mal das Bild vor, wenn so ein Burschenschaftlerchor diese Zeilen schmettert. Das macht doch Hoffnung. Das geht doch direkt ins Herzchen und bleibt dort. Allein schon diese Zeilen zu schreiben macht mir eine Gänsehaut und lässt meine immertrockenen Augen leicht feucht werden.

 – Seufz –
Verpasste Chancen sind einfach verpasst und wieder sind wir bei Evan Dando von der Kapelle Lemonheads, der da singt: “… there’s no such thing as a second chance, there’s no such thing as another try, there’s no such thing as starting all over” Wobei ich ihm bei den letzten zwei Zeilen, entgegen meiner konformistischen Natur, widersprechen würde.
Was ich persönlich noch viel mehr bedauere, ist, dass es mir bisher noch nicht gelungen ist, einen Darm-Disruptor zu beschaffen. Seit ich von Warren Ellis die Comicreihe „Transmetropolitan“ gelesen habe, bekomme ich den Wunsch nach einer Diarrhö-Pistole mit dem schönen Namen Darm-Disruptor nicht mehr aus dem Kopf. Der Protagonist ist ein ehrlicher, investigativer aber mit sehr schlechten Manieren ausgestatteter Journalist macht regelmäßig Gebrauch von dieser Pistole. Die Einstellungsmöglichkeiten sind enorm und so vielfältig. Alle wirken sich ausnahmslos und direkt auf die menschliche Verdauung aus. Und wie gerne ich so eine hätte. Am besten sogar zwei. Eine für kurze Entfernungen und eine für längere Distanzen mit Zielfernrohr und allem Drum und Dran. Den Disruptor für kurze Distanzen würde sich für den Einsatz in Ämtern, der Fußgängerzone bei Hippies, in Kaufhäusern bei Shop-in-Shop  Schnösel-Vollidioten im Karstadt Freiburg und vor allem bei Technikläden eignen. Beispiel gefällig? Neulich war ich im Gravisstore. Da ich fand, dass diese Auswahl an Ohrstöpseln eher an die Planwirtschaft der UdSSR erinnerte als an die Marktwirtschaft, fragte ich einen jungen dynamischen Verkäufer ob die, in der Auslage hängenden Kopfhörer alle wären, die vorrätig seien. Der Herr Verkäufer erwiderte Folgendes: “Es gibt da eine Sache, die nennt sich Internet und darin gibt es auch einen Gravisstore [… Pause und ein süffisantes Lächeln …] und da gibt es eine so große Auswahl. Dort finden Sie bestimmt was Passendes.“ Ich bin immer noch fassungslos. Wie gerne würde ich dem Lackaffen vom hiesigen Gravisstore einen ordentlichen Brechdurchfall besorgen. So bleibt mir leider nichts anderes übrig, als dieses Geschäft nie mehr zu betreten. Der Nachteil ist allerdings, dass die Auswahl an Geschäften, in die ich noch bereit bin zu gehen, mit der Zeit extrem begrenzt wird. Karstadt, Gravis, Kaufhof, Douglas, Starbucks, Esprit um nur einige zu nennen haben es sich schon versaut, mein Geld zu bekommen. Trotz ist im übrigens ein wahrer Geldsparer.
Wie bin ich denn nun so schnell von Lonesome George zu Konsumverweigerung gekommen? Seltsam. Naja, nun habe ich fast zwei Monat Zeit mir darüber Gedanken zu machen und wünsche Ihnen weiter einen solch schönen Sommer wie bisher.  
    

Veröffentlicht am: September 15, 2012



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