Warten und Sterilisation in meiner Kolumne für den Januar

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

wenn man es sich genau überlegt, besteht das Leben zu einem großen Teil aus warten.
Ständig wartet man auf Dinge. Man wartet beispielsweise auf die Straßenbahn oder auf die Volljährigkeit, um endlich offiziell Schnaps trinken zu können, damit man dieses berühmte Drink&Drive ausprobieren kann.
Dann wartet man auf die richtige Frau, die gnädig genug ist, einen mitzunehmen und aus der Einsamkeit zu erlösen. Man wartet darauf endlich genügend Kleingeld zu haben um Sprühdosen kaufen zu können, um in einer Straßengang aufgenommen zu werden. Dann wartet man darauf, endlich genug Mut zu haben, diese auch zu benutzen. Man wartet darauf, dass die Kellnerin endlich das Essen bringt, damit man sich darüber beschweren kann, oder darauf, dass der olle Kohl endlich in den Knast kommt. Vor allem wartet man oft darauf, dass das Leben noch mehr bereithält, als das was man gerade erlebt.
Wie Sie, liebe Leser, wissen, bin ich sehr schlecht im warten. Ich fang dann immer neue Projekte an, um die Wartezeit zu überbrücken. Kann mich aber auf die nicht wirklich einlassen, da ich fürchterlich ungeduldig und wahnsinnig hibbelig werde. Das Jahr 2016 wird sich bei mir als das WARTE-Jahr ins Gedächtnis brennen, denn ich musste enorm viel warten. Und darum verwunderte es mich auch nicht, dass ich zu meinem erstem Krebsgeburtstag auf Ergebnisse warten musste. Mitte Oktober hatte ich einen Termin bei meiner Onkologin, danach gab es eine routinemäßige Untersuchung per Ultraschall und dann bekam ich wieder meine Antikörper.
Nachdem das geduldige Pflegepersonal der Uniklinik mir die Antikörperspritze in das reichliche Bauchfett gepresst hat, bin ich immer platt und vollkommen weggeschossen. Zu Hause liege ich dann den ganzen Tag nur im Bett und wälze mich in meinem Leid.

Als ich, Mitte Oktober also, so vor mich hinsiechte, klingelte das Telefon. Immer wenn es mir nicht gut geht, gehe ich gerne ans Telefon, damit mein Gesprächspartner ein schlechtes Gewissen bekommt und sich aufgrund der Störung hundert Mal entschuldigt. Das ist Balsam für meine kranke Seele.

So bin ich übrigens auch zu meinem Dispokredit gekommen, aber das ist eine andere Geschichte.

Am anderen Ende der Leitung war in diesem Fall meine Onkologin. Sie wollte mir nur mitteilen, dass meine Milz vergrößert wäre und in Kombination mit dem Nachtschweiß wäre das ein bisschen beunruhigend. Außerdem hat die Chemo meine Leber verfetten lassen und die eine Schilddrüse sehe ebenfalls komisch aus. Wenn ich dann im Dezember zur nächsten Antikörpergabe komme, soll ich doch vorher zu ihr und danach noch mal einen Ultraschall machen. Da ich nicht nur körperlich nicht ganz zurechnungsfähig war und vor allem mit den Reaktionen auf die Antikörper in mir beschäftigt war, hatte ich keine Fragen und sie legte auf. Es dauerte ein paar Tage, bis die Nachricht letztendlich zu mir durchdrang. Ab diesem Punkt fing ich an, mir ernsthaft Sorgen zu machen. Zwei Monate musste ich nun auf Antworten warten. Nur damit Sie es sich vorstellen können, was warten für mich bedeutet, sehen Sie sich die Folge „Homer und der Revolver“ der Serie „Die Simpsons“ an. Dort muss Homer eine gefühlte Ewigkeit auf die Erteilung einer Zulassung für den Waffenbesitz warten. Kurz vor dem Termin, traute ich mich dann doch noch meine Onkologin per Mail zu kontaktieren und schlug ihr vor, den Termin bei ihr nach dem Ultraschall zu machen, damit wir über die aktuellen Ergebnisse reden und nicht über die von vor zwei Monaten. Diesen Schachzug hielt ich für überaus clever.

Das Ergebnis war allerdings dasselbe. Wir warten und beobachten. Außerdem hat sie meinen Gesundheitszustand, also Abgeschlagenheit und Nachtschweiß Bildung, damit erklärt, dass es sein kann, dass mein Krustentier noch ein bisschen Aktiv ist. Abgesehen davon macht sie sich ein bisschen Sorgen, dass meine Blutwerte nicht besser werden. Nun muss ich bis Februar warten und vielleicht machen wir dann eine Knochenmarkanalyse.
Dies lässt mir natürlich wieder den Raum, ausgeklügelte Selbstdiagnosen zu erstellen. Eine geht so. Ich bin sozusagen für Krankheiten das, was ein Schwamm für Wasser ist. Das würde erklären, warum ich mich zweimal die Woche krank fühle, ohne richtig krank zu sein. Wahrscheinlich verhindern mein vermehrter Verzehr von Hähnchenfleisch sowie die beständig eingenommenen Antibiotika jegliche Krankheitsausbrüche. Ich bin sozusagen resistent gegen Nordiren und Influenza wie der Sechsmillionendollarmann nur mit Behinderung.
Etwas Positives hat die ganze Wartezeit auch gehabt. Ich habe mich ein bisschen mit meiner Krankheit beschäftigt und eine für mich neue Wortkombinationen gelernt: „Mittlere Lebenserwartung“.

(Achtung! Nun kommt eine Wahnsinns-Überleitung.)

Meine Samen haben durch die Sterilisation jetzt im Gegensatz zu mir keine Lebenserwartung mehr. Schnippschnapp und ab. Wobei ich kurz vor dem Vasektomietermin schon etwas Zweifel an meiner eigenen Courage bekam. Aber der Schwabe in mir weigerte sich, die Strafgebühr zu bezahlen, die ein Nichtwahrnehmen des Termins zur Folge gehabt hätte.
Sterilisationsprozess Warten und Sterilisation in meiner Kolumne für den Januar
Was für ein Quatsch mit der Erziehung. Wenn man seinem Nachwuchs solche Sachen beibringen kann, muss man sich nicht wundern, wenn diese dann seltsame Sachen machen. Letztendlich hab ich dann aus Trotz diese Lebensentscheidung getroffen und genau betrachtet genau das getan, was meine Erziehung zur Sparsamkeit gefordert hat. Sie sehen, es ist ein immerwährender Teufelskreis. Darum wäre die Gefahr auch zu groß, meinem nun nicht mehr gezeugten Kind komische Dinge beizubringen, die es ein Leben lang leiden lassen.
Ab jetzt steige ich übrigens doch noch in die Genderdiskussion mit ein und trete aktiv für die Rechte der Kastraten ein. Das erste Fass, dass ich aufmachen werde, ist das Gendersternchen, das neuerdings immer wieder auf Webseiten auftaucht. Dieses steht ja für alle, die sich keinem Geschlecht zuordnen können oder möchten. Also Transsexuelle und transgender und intersexuelle Personen. Kein einziges Wort über Kastraten. Ein Skandal!! Ich plädiere für einen Unterstich (-) oder für eine Tilde (~). In diesem Sinne ein kämpferisches Jahr 2017.

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Veröffentlicht am: Januar 19, 2017



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