Verhaltensregeln bei Konzerten in meiner Kolumne im FREIeBÜRGER für den Juli

Ein fröhliches Aloha liebe ä

na das ist mal ein Sommer nach meinem Geschmack. Viel Regen und recht kühle Temperaturen. Dieses Jahr wird mich das CinemaxX mit seiner Wahnsinns Klimaanlage kaum sehen. Auch werde ich voraussichtlich meine freien Tage nicht in der kalten Badewanne verbringen müssen.

Zu Beginn des Frühlings ist mir das Wetter in Freiburg unangenehm aufgefallen. Im Vergleich zu Leipzig empfinde ich das Wetter hier als regelrecht subtropisch. Im wilden Osten habe keinen einzigen Sommer in der mit kaltem Wasser gefüllten Badewanne verbracht. Hier schon mindestens 4 Tage mit all den Nebenwirkungen wie schrupligen Finger und Unterkühlung. Ach Freiburg, bei Dir spielt sich jedes Jahr das gleiche Drama ab. Die Diktatur derer, die glauben, dass je weniger Kleidung sie anhaben, desto mehr würden sie die Hitze ertragen, breitete sich schon seit Ende April bedenklich aus. Diese Flip-Flop tragenden Massen, die mit einem Hauch von nichts gekleidet sind, verursachen bei mir den Drang mir die Augen ausstechen zu wollen. Dieser Anblick kann einem jegliche Freude an der Welt nehmen. Zum Glück wurde die sich auszubreiten drohende Diktatur, durch das sehr angenehme Wetter, wieder zurückgedrängt. Die halbnackten Hippies, EsoterikerInnen und Vergleichbare sind wie durch Zauberhand wieder angezogen und/oder aus dem Stadtbild verschwunden. Nur hier und da taucht mal ein verfrorener und durchnässter Ethnologiestudent auf, den man gekonnt ignorieren kann. Ach, wie mich das erbaut. Wenn das so weiter geht, wird dies der beste Sommer aller Zeiten, inklusive denen die noch kommen werden. Der Juni war bisher einsame Spitze. Nass, kühl und hin und wieder weht ein frischer Wind vom Höllental. Auch bei der Abendgestaltung gibt es keinen Grund mehr in Biergärten abzuhängen und sich vor lauter Langeweile Boulespiele anzusehen. Seltsamerweise steigt, pünktlich zum kalendarischen Sommer, der soziale Druck abends an die frische Luft zu müssen. Der Standartsatz meiner Frau ist: “ Bei dem schönen Wetter kann man doch nicht irgendwo drinnen vergammeln“. Dies hat zur Folge, dass ich nicht mehr ungestört in dunklen Kneipen oder Clubs abhängen kann, ohne vorher mit ihr zu streiten. Immer muss man sich rechtfertigen und des lieben Friedens willen in den Ganterbiergarten statt in den Slowclub gehen. Und fallverhaltensregeln bei konzerten in meiner kolumne im freiebuerger fuer den juli Verhaltensregeln bei Konzerten in meiner Kolumne im FREIeBÜRGER für den Julis es zu diesem Zeitpunkt der Kolumne noch Zweifel geben sollte. Ich glaube nicht an den Sommer und auch nicht an kurze Hosen. Zum Glück ist der Sommer endlich wieder auf meiner Seite und ich kann die einzige Freizeitbeschäftigung, die wirklich Sinn macht, frönen. Konzerte besuchen.

Leider hab ich feststellen müssen, dass es Konzertbesucher gibt, die nicht so richtig mit dem Thema Konzertbesuch vertraut sind und sich darum wie Arsch und Friedrich verhalten. Das mag verwundern, denn im Prinzip ist ein Konzertbesuch reichlich simpel. Man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, Eintritt zahlen, zuhören, klatschen und trinken. Den Rest erledigen andere für Dich. Es gibt Menschen, an der Eintrittskasse, die Geld sammeln, damit die Band überhaupt kommt,  Menschen an der Bar, die Dir zu trinken geben, Menschen, die sich um den Ton kümmern, Menschen, die sich um das Licht kümmern, Menschen, die sich um die Band kümmern, Menschen, die hinterher alles wieder saubermachen und Aufräumen, Menschen die alles Reparieren und Getränke, Klopapier etc. bestellen und ausfüllen und last, but not least Menschen die Musik für Dich spielen. Aber irgendwie scheint ein einfacher Besuch eines Konzertes schwieriger zu sein, als angenommen. Leider habe ich in letzter Zeit einige sehr unangenehme Erfahrungen mache
müssen und fühle mich veranlasst mal ein paar Verhaltensanhaltspunkte niederzuschreiben. Um genauer zu sein, schreibe ich dies für eine einzige Person, die genau
diese Dinge nicht in seinem Repertoire hat. Vielleicht hat das was mit Deiner mangelnden Konzert-Sozialisation, die klassischerweise in Autonomen Jugendzentren stattfand zu tun. Leider warst Du nur auf diesen vermaledeiten Festivals und hast dort vom Zeltplatz aus zum ersten Mal Live Musik gehört, während Du Dir mit Bier die Zähne geputzt hast. Hier ein paar kurze Regeln für einen Konzertbesuch

 

 

  1. 1. SEI KEIN ARSCH!
  2. 2. Respect the Venue. Hier sind Menschen tätig, die es Dir ermöglichen, Bands zu sehen. Es mag Dich schockieren, aber die werden von Konzerten nicht reich. Meist deckt das Eintrittsgeld, gerade in kleinen Läden, gerade mal die Unkosten. (Gage, Catering, Übernachtung, GEMA, Technik, etc.). Kurz, wenn Du keine Ahnung von diesen Kosten hast, debattiere nicht mit dem Menschen an der Kasse. Im Kino zahlst Du doch auch, ohne Diskussion, elf Euro für einen 3D Film. Hinzu kommt, kein Urinieren oder Kotzen außerhalb der Toilette.
  3. 3. Die Menschen um Dich herum wollen das Konzert sehen, egal wie Du die Band findest. Auch die Tatsache, dass Du Eintritt bezahlt hast, gibt Dir kein Recht einen vertonten Untertitel auf das Geschehen zu legen. Verzieh Dich an die Bar oder geh nach Hause zu Mutti. Es mag Dich vielleicht überraschen, aber bei einem Konzert kann man sich nicht so wirklich ungestört unterhalten. Das liegt in erster Linie daran, dass auf der Bühne Menschen stehen die Musik machen und dies meistens recht Laut. Es hilft nicht, wenn Du versuchst, Dich lauter zu unterhalten, als die Band spielt, denn die Menschen um Dich herum interessiert es einen Scheiß wie Deine Klausur gelaufen ist. In der Regel sind, die gekommen um die Band zu sehen und zu hören und nicht Dich.
  4. 4. Bilder machen, ist völlig legitim. Solange Du keine teure DSLR mit geilem Objektiv hast, zieh Dein Smartphone raus, halt es kurz hoch, mach das Bild und steck es wieder weg. Du weisst ja, dass Dein Handy ist, nicht besonders gut geeignet bei den Lichtverhältnissen anständige Bilder zu machen. Was ich Dir aber nicht verzeihen kann, ist, dass Du nicht fähig bist, Deinen Blitz auszuschalten. Du stehst neben mir, ziemlich weit hinten und wunderst Dich, dass der Dir keine guten Fotos zaubert. Dir fällt nichts auf, auch nicht, als Du es zehn bis fünfzehn Mal hintereinander versucht hat? Mann, wer hat Dir denn ins Hirn geschissen?
  5. 5. Videos macht man in keinem Fall hochkant. Nie!
  6. 6. Auch wenn es in Deiner Peergroup gerade „IN“ ist, ständig Selfies zu machen, es gibt tatsächlich Menschen, die nicht mit Dir aufs Bild wollen und auch nichts mit Facebook, Instragram etc. zu tun haben wollen. Außerdem kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass nach „IN“ natürlich „OUT“ kommt, meistens schneller, als man dies selbst mitbekommt.
  7. 7. Das Weiche, Warme um Dich herum sind andere Menschen. Verhalte Dich auch so.
  8. 8. Auch wenn Du es glaubst, bist Du nicht unsichtbar. Wenn Du etwas größer gewachsen bist, ist vordrängeln echt nicht cool.
  9. 9. Wenn es Dich packt, oder Du ein notorischer Ausdruckstänzer bist, geh nach vorne. Hinten sind die Kopfnicker, vorne die Tänzer. Ich will Deinen „Frosch im Mixer“-Tanz echt nicht sehen.
  10. 10. Headbangen ist so 90er, kann man schon machen. Aber: Wenn Du zur Schweißbildung neigst und Dein langes Haupthaar schütteln willst, geh ins Schwimmbad. Ich hab keine Lust Deine schweißgebadeten Haare in die Fresse zu bekommen.
  11. 11. Mehr als zwei Bier, in Über-Kopfhöhe in einem vollgefüllten Raum zu balancieren hat nichts mit Artistik zu tun, sondern ist nur dumm.
  12. 12. Lass Platz an der Theke. Auch wenn Du glaubst, dass jetzt keiner mehr ein Getränk will, weil Du ja eins hast, ist der Thesen der Ort, wo die andern sich Getränke holen.
  13. 13. Auch wenn Du Deinen Fjällräven-Rucksack über alles liebst, der hat auf einem Konzert nichts verloren. Auch wenn er so bequem ist, dass Du ihn gar nicht mehr bemerkst, Du hast Deinen Körperumfang dadurch vervielfacht. Du bewegst Dich dann so elegant wie ein Teletubbie, wenn Du an anderen vorbei zur Theke willst. Auch gewaltsames durchdrücken ist keine Option. Wenn Du mir das nächste Mal mit dem Rucksack mein Bier aus der Hand quetscht, schneide ich ihn Dir ab.
  14. 14. Thekenmitarbeiter sind so ziemlich die Letzten, mit denen Du dich an diesem Abend anlegen solltest. Gesetzt den Fall, ein Thekenmitarbeiter kommt mit einem vollen Kasten Bier aus dem Lager und trägt den auch noch in Über-Kopfhöhe, weil es recht voll ist, hat er bestimmt nicht vor, Dich zu ärgern. Er sorgt sich offensichtlich um den Nachschub, damit Du später kaltes Bier bekommst. Und wenn Du mir noch einmal einen Ellbogen-Hit mitgibst, wenn ich versuche mich an Dir vorbeischlängeln, weil Du zu blöd bist den ganzen Prozess von Massenveranstaltungen zu verstehen und einfach aus dem Weg zu gehen, werde ich Dich Teeren und Federn.

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Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg (hier).
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Veröffentlicht am: Juli 15, 2015



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