Über die Hundehaltung in meiner Kolumne für den Februar

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

wie Sie wissen sind meine Frau und ich seit Mai Hundebesitzer. Seit der Schilderung des heilenden Prozesses des Hundauflegens und der Beschreibung, wie ich jeden Tag vor der Hündin wie ein König mit meiner Nahrung durch unsere Wohnung stolziere, habe ich nicht mehr von unserer Hündin geschrieben. Mir schienen die eigenen körperlichen Gebrechen und gesundheitlichen Abenteuer schreibens- und lesenswerter. Krude Hundeerlebnisse können mit einer ordentlichen Sterilisation einfach nicht mithalten. Es gilt nach wie vor die alte Regel der Wochenzeitung Stern: Sex sticht liebliche Tiergeschichten. Zum Umdenken bin ich gekommen, als ich von Weihnachten bis Mitte Januar mit einem Infekt zu kämpfen hatte. Plötzlich hatte ich wieder Zeit und dadurch enorme Langeweile. Während der Chemozeit hab ich ja so ziemlich alles gemacht, was man so aus Langeweile tun kann, wenn man nicht aus dem Haus darf. Ich habe wie ein Irrer gekocht, hab Quatsch gelesen, viele blutige Videospiele gespielt und enorm viel schlechte Serien auf Netflix geguckt. Vor allem hab ich wahllos im Internet gesurft und mit mehreren Accounts auf der Badischen Zeitung wertvolle Diskussionen angeregt. Es blieb mir also nur noch ein Medium übrig, das ich damals nur so am Rande erforscht habe. Youtube!
Es ist schon erstaunlich, was man da alles finden kann. Von der Anleitung zum Bauen von Notfallbunkern bis hin zu sehr fundierten Schminktipps. Alles ist nur einen Mausklick voneinander entfernt. Im Laufe der dieser wenigen Wochen entdeckte ich letztendlich Tiervideos für mich. Und wenn man den Zugriffszahlen auf diese Art von Videos glauben kann, scheint es doch ein reges Interesse an Tieren zu geben. Ich lag wohl vollkommen falsch, dass meine Hundegeschichten niemanden interessieren würden. Der Mensch will eher Tiergeschichten sehen, als befähigt zu werden, einen properen Notfallvorrat für die bevorstehende Zombie-Apokalypse anzulegen. Diesem Trend kann ich mich natürlich nicht entziehen und hebe meine Skrupel ob der Privatsphäre unserer Hündin nun auf. Sie ist jetzt aber auch in einem Alter, in dem man sie nicht mehr schützen muss. Das ist so ähnlich wie bei Brangelina, die zeigen jetzt ihre Kinder auch jedem, der sie nicht sehen will.
Das schwierigste am Hundehalten sind die anderen Hundehalter. Mir war dies gar nicht so bewusst, dass man auf so viele Menschen trifft, wenn man mit dem Hund vor die Türe geht. Als ich mit süßen vierzehn Jahren in der württembergischen Walachei meinen kleinen Rottweiler bekam, hatte ich beim Gassi gehen so gut wie keinen Menschenkontakt. (Gut, dies mag an der dünnen Besiedelung und an den 60 Kg Lebendgewicht dieses großen schwarzen Hundes liegen. Eventuell hatte er auch ein kleines Aggressionsproblem mit anderen Hunden.)
In meinem Leben als Nicht-Hundehalter hatte ich es mir schön auf einer Insel der Glückseligen gemütlich gemacht. Es war beinahe so wie im Elbtalkessel der ehemaligen DDR, das als Tal der Ahnungslosen berühmt wurde. Mit meinen Freunden und Bekannten besteht ein Konsens über ein Menschenbild, über Werte, Moral und fair gehandelten Kaffee. In meinem Umfeld hatte ich es mir ähnlich eingerichtet. So fand beispielsweise Sexismus dort nicht statt. Weder in den Cafes, in die ich gehe, noch in den Clubs und Bars, die ich besuchte. Wenn doch, dann haben wir uns aber aufgeregt und diskutiert.. Huihuihui… gaaanz schlimm war das. Seit Mai verlasse ich täglich für drei Stunden meine Komfortzone. So bin ich also jeden Tag zusammen mit der kleinsten Version eines Kampfhundes mit dem Real Life konfrontiert. Seit der Zeit, als ich im Lokal meiner Eltern am Stammtisch mit den Dorfnazis gestritten habe, hatte ich keinen Kontakt mehr zu solchen Menschen. Nun begegnen die mir in schöner Regelmäßigkeit. Dies hat einen Vorteil, ich bin gezwungen Stellung zu beziehen und eine Linie in den Sand zu ziehen. Man macht das ja viel zu wenig und ich finde nicht, dass jeder alles sagen kann. So hört bei mir die Toleranz auf, wenn es zum Beispiel um Rassismus geht. Gerade in Zeiten, in dem die Menschenverachter glauben, sie könnten ungestraft ihren Scheiß ablassen, muss man dagegenhalten. Unabhängig von diesen Arschnasen habe ich auch viel Kontakt zu vollkommen anderen Lebenswelten.
Also zu Menschen, mit denen ich sonst nichts zu tun gehabt hätte, weil sie sich in anderen Dekaden bewegen oder in anderen Szenen oder Sphären. Da ich von Natur aus sehr, sehr neugierig bin, bin ich nun mittendrin in der Hundehaltercommunity. Ich hab schon richtige Termine, die ich wahrnehmen muss. So treffe ich mich morgens um 8:30 Uhr immer mit einem Australian Shepard Welpen, anschließend meist noch mit einem Dackel. Mittags dann eher lose mit einem spanischen Straßenmünsterländermix und abends um 18:45 Uhr mit einem ausgewachsenen Shepard und anschließend, wenn es nicht zu kalt ist, mit einem Riesenschnauzer. Ziel der Übung ist es, möglichst viel Hundekontakt für meine kleine Bestie zu generieren und zu erfahren, wie andere Menschen denn so ihr Leben eingerichtet haben.

Für mich ist die schlimmste Hundehalterin von allen aber meine Frau. Hier trifft meine Vorstellung von der Hund-Mensch-Beziehung und vor allem der Hundeerziehung mit voller Wucht auf die weibliche Realität. Meine Frau hat einen starken Protektionismus gegenüber unserer Hündin entwickelt. Sie sieht in allem eine Gefahr für unser Hundetier, immer lauert eine todbringende Krankheit an der Ecke und vor allem betreibe ich eine beständige Überforderung des armen Tierchens durch meinen wilden Aktionismus. Wenn ich dann versuche, darauf hinzuweisen, dass auch ein solch kleiner Hund Aufgaben und Ziele braucht, wird trefflich über die Art und den Umfang dessen diskutiert. Wir kommen übrigens dabei schnell in ein ähnliches Fahrwassser, welches ich nur von getrennten Eltern kenne, die über ihre Kinder und die damit verbundene Erziehung streiten. Frauen arbeiten ja generell viel mit Schuld und schlechtem Gewissen. Und so wird jede Diskussion immer dann mit diesem einen ultimativen Fehltritt abgebügelt. Und ja, ich gebe es offen zu, sie hat recht. Ich bin Schuld, dass Polly nun im Bett schläft. Dies war nur ein einziger Moment der Schwäche und diese Bestie hat ihn voll ausgenutzt. Nachts um vier, wenn man seit Wochen schon jede Stunde raus muss, da die Blase von der Madame nicht hält, was sie verspricht, ist man irgendwann nicht mehr so recht zurechnungsfähig und trifft gefällige Entscheidungen. Dieses Ereignis wird immer, wenn es für meine Holde in der Hundediskussion eng wird, hervorgekramt. Dieser ultimative Fehler ist sozusagen ihr Schwert von Grayskul, das mir jedes mal um die Ohren gehauen wird.
Es kann ja durchaus sein, dass ich mich irre. Aber das Gerede vom Patriarchat ist eine der größten Schwindeleien, die uns Männern eingeredet wird. Wahrscheinlich um uns ein schlechtes Gewissen einzureden. Fakt ist aber, meine Frau ist und bleibt die letzte Machtinstanz in meinem Leben. Hin und wieder schafft sie es sogar, dass ich glaube etwas entschieden zu haben. In der Retrospektive, wird mir aber meist klar, dass sie alles nach ihrem Willen hingetrickst hat. Letztendlich bin ich nicht mehr als ein dressierter Affe und das ist eigentlich auch ganz gut so. Wer weiß, was ich für selbstzerstörerischen Blödsinn anstellen würde, wenn sie nicht ein Auge darauf hätte. Wie dem auch sei, seit wir mit Hund leben ist jeder Tag gefühlt gefüllt mit Schampus und baden.

ines polly ich im sektglas Über die Hundehaltung in meiner Kolumne für den Februar

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Veröffentlicht am: Februar 12, 2017



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