Streit statt Besinnlichkeit in meiner Kolumne im FREIeBÜRGER für den Dezember

Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg (hier).
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Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
pünktlich und direkt in die besinnliche Vorweihnachtszeit hat der Stadtrat den Bürgern von Freiburg ein Geschenk gemacht. Mit einer großen Mehrheit haben die Räte beschlossen, die friedliche Weihnachtsstimmung mit ihrer Entscheidung des Stadionbaus am Wolfswinkel zu würzen. Wie für Freiburg nicht anders zu erwarten, können die Bürger dieser Stadt dem Ratsbeschluss im Februar noch zustimmen oder aber ihn ablehnen. Ich als unbeteiligter in Sachen Fußball und Egalist beim Stadionbau erwarte nun die Argumentations- Artellerie von beiden Seiten. Schließlich geht es ja darum, die Bevölkerung, also auch mich, auf die Pro-Stadion oder Contra-Stadion Seite zu ziehen. Auch wenn die Diskussion nun schon ein paar Jahre geht, wird das Thema hoffentlich so an Fahrt gewinnen das es den ganzen Weihnachts-Happy-Happy-Joy-Joy Quatsch überstrahlen wird. „Streit statt Besinnlichkeit“ ist ja schon seit Jahren mein persönliches Weihnachtsmotto. Endlich hat dieser coole Trend eine Stadt erreicht. Gerührt fühle mich wie ein Hipster, ein Wegbereiter ein Trendsetter. Da ich als Neu-Freiburger die beiden Seiten noch nicht so recht verstehe und etwas Öl übrig habe, schütte ich das was ich aus dem Internet verstanden habe mal ins Feuer.
Auf der Seite der „Bürgerinitiative Pro-Flugplatz Freiburg e.V.“ erfahre ich, dass die wahren Retter von bedrohten Vogelarten der Flugsport ist. Bislang wusste ich nicht, dass ein Flugplatz per se ein Biotop ist und die Flugzeuge, die starten und landen extrem gut für die Umwelt sind. Aber man lernt ja nie aus. Wahrscheinlich würden die Vögelchen durch den Wegfall vom Luftsport verlernen zu fliegen, da die Fliegzeuge ihnen nicht mehr den Weg in die Luft zeigen können. Viel schlimmer finde ich allerdings, dass durch den möglichen Wegfall der Fallschirmspringer den Tierchen das Landen nicht mehr gezeigt wird. Leider steht weder das ein noch das andere auf der Webseite, wobei ich finde, das wären Argumente, die mich bewegen würden. Mit einem hat die Pro-Flugplatz Initiative mich allerdings überzeugt: Organtransportflüge. Diese würden nur noch eingeschränkt stattfinden, wenn das Stadion gebaut werden würde. Ein Skandal, denn seit Jahren schleppe ich einen Organspendeausweis mit mir rum und will verdammt nochmal, dass meine Organe, im Falle meines Ablebens, auch direkt per Flugzeug nach Tansania geflogen werden. Die „Bürgerinitiative Pro Wolfswinkel“ zeichnet sich durch eine Argumentationskette aus, die ähnlich gelagert ist. Biotopfläche Flugplatz, Einschränkungen im Organhandel äh. Organtransport. Für mich aber wirklich neu war die Existenz von bodensaurer Magerrasen und die dann fehlende Frischluftschneise, die Freiburg im Sommer die Hitze nimmt. Da ich mit Hitze nicht gut umgehen kann, finde ich, dass man gar nicht genug tun kann, um in Freiburg einen Frischluft-Durchzug zu schaffen. Ich würde sogar soweit gehen und die Bahnhofsmeile wieder komplett abreißen damit der Höllentäler auch bis zum Flugplatz kommt. Wirklich ein Skandal. Ein bisschen erstaunt war ich allerdings, dass der Wolfswinkel als beliebtes Naherholungsgebiet angepriesen wird. Der „Monte Scherbelino“ sogar als einer der schönsten und beliebtesten Aussichtspunkte gilt. Und ich dachte immer, dass man dort vor lauter Hundescheiße nicht mal spazieren gehen kann. So kann man sich also irren und so fest ist das Vorurteil in meinem Kopf verankert. Der Wolfswinkel ist allen Anschein nach der Hotspot für Freizeitsportler und Erholungssüchtige.
Da ich dringend Erholung brauche, werde ich mich die nächsten Wochenenden mal gemütlich auf den Magerrasen legen, die Dorngrasmücke suchen, Feldhasen auslachen und den Dohlen bei Flugversuchen  zusehen. So erholt werde ich dann den einzigartigen Ausblick vom Schuttberg genießen. Ich finde es gut, dass es bei den Stadiongegnern am Wolfswinkel wirkliche Argumente gibt und nicht, wie sonst bei Bestandswahrern irgendwann der Juchtenkäfer gefunden wird oder man tote Fledermäuse auslegen muss.
Nun zu den Befürworter für ein Stadion im Wolfswinkel. Da ich mich mit Fußball, wie schon mehrfach in dieser Kolumne betont habe, so rein gar nicht auskenne, kann ich die sportlichen Gründe für einen Neubau auch nicht groß beurteilen. Bei einem Argument muss ich den Befürwortern jedoch zustimmen. Laut der Initiative „Stadion in Freiburg“ ist das Spielfeld wohl zu klein. Da ich 2003 mein erstes und einziges Mal im Stadion war, ( es nannte sich damals noch Dreisamstadion) kann ich dazu wirklich was sagen. Die von mir beobachtete Partie zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass die Spieler den Ball beständig links und rechts rausschossen, haben. streit statt besinnlichkeit in meiner kolumne im freiebuerger fuer den dezember Streit statt Besinnlichkeit in meiner Kolumne im FREIeBÜRGER für den DezemberDadurch entstanden noch mehr Pausen als nötig. Der Tod bei einem, für mich, schon sterbenslangweiligen Sport. Alles, was die Spielfläche vergrößert begrüße, ich daher wirklich von Herzen.Das angeführte Argument mit der Beschränkung der Zuschauer finde ich jedoch an den Haaren herbeigezogen. 25.000 passen wohl jetzt in das vorhandene Stadion. Das müsste doch genügen, oder?
In einem durch und durch kapitalisierten Sport wie Fußball sollten die Anbieter die Nachfrage durch Verknappung steuern, um aus ihrem Produkt mehr Gewinn zu erzielen? Oder habe ich da Grundsätzlich was falsch verstanden? Geld ist schließlich eines der Hauptargumente auf beiden Seiten. Zu teurer ist der Stadion Neubau hier und zu teurer der Stadionumbau dort. Und genau darin sehe ich die Möglichkeit mehr Geld zu generieren. Nur so als Idee, man könnte ja das Fassungsvermögen des Stadions (Alt wie Neu) kleiner machen und dafür die Spielfläche vergrößern, damit man wieder in der kapitalistischen Spur wäre. Wobei sich von der Stadt und vom Land teilfinanzierten zu lassen ist auch schon echt clever von einem Sportverein. Ganze 38 Millionen sollen von der Stadt Freiburg für die Infrastruktur zugegeben werden. Das ist echt viel Geld. Aber wenn man ein bisschen beim Freiburger Beteiligungshaushalt 2013/2014 rumstöbert, findet man auch andere Sachen, die grundsätzlich auf den Prüfstand gehören. Ich hab mal ein paar herausgegriffen, über die ich gerne mal reden würde. 2013 kosteten die Radwege 33 Mio. € (Wieviel braucht man denn noch?); die Museen 9,4 Mio. € (Es gibt Museen in Freiburg?); das Theater 17,3 Mio.(War ich nur einmal, lohnt es sich dann trotzdem?), das Konzerthaus 2,5 Mio. € (Dachte es kostet mehr); die Sportförderung 6,7 Mio. € (Warum?); und die Schwimmbäder 4 Mio. € (Für Babypisse mit Chlor?).  Aber dies nur nebenbei. Wenn es für den Sportclub in Zukunft nicht hinhaut, mit dem Klassenerhalt kann ja ein Rettungsschirm gespannt werden, wie bei der großen Bankenrettungen im letzten Jahrzehnt.
Meine Hoffnung, dass aus den beiden, dann aufgegebenen Stadion moderne Flüchtlingsunterkünfte mit menschenwürdigen Wohnungen entstehen kann ich mir wohl gleich begraben. Auch die Bürgerbewegungen, die gegen die neuen Unterkünfte wären will ich mir gar nicht vorstellen. Vielleicht sollten sich die Stadions-Bürgerinitiativen mal in der Hammerschmiedstrasse treffen und dann entscheiden, ob es nicht vielleicht wichtigere Themen in Freiburg gibt, als der Stadionneubau.
In diesem Sinne frohe Weihnachten.

 

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Veröffentlicht am: Dezember 15, 2014



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