Pfurzrohre und Hippies in meiner Kolumne Juni für den Frei(e) Bürger

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

eine Freundin meiner Freundin, setzte mir vor Unzeiten und zur Unzeit, als ich noch voller Hass auf die Welt war, einen Gedanken in den Kopf. Stellen Sie sich bitte einen leicht schwäbischen Akzent mit einer … äh… sehr angenehmen Telefon-Stimme vor: „Was immer fehlt, ist die GUTE NACHRICHT. Ob dies nun in den Nachrichten oder bei Dir ist. Niemand schreibt über die vielen positiven Dinge in der Welt.“ Endlich habe ich die Gelegenheit Ihrem Wunsch nachzukommen und flöte frohgemut wie Professor Farnsworth „Good News, everyone“.
Freiburg ist ja schon seit laaaaaaaaaaanger Zeit als das inoffizielle Mekka der Esoteriker, Hippies, Transzendenten und sonstigen Spirituosen verrufen. Nun hat die ehrwürdige Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg in Trägerschaft des Institutes für West-Östliche Weisheit gGmbh, ohne Djembe, diesem Ruf eine quasi offizielle Heimat geschaffen. „Spiritualität und Interkulturalität“ nennt sich das neue Studienfach. Für läppische 4000€ (in Worten viertausend Euro) kann man „Wege der östlichen Weisheit“ und „Wege in die Ich-Losigkeit“ erlernen. Super.
Nicht das Sie geehrte Leser erwarten, dass dies schon die GUTE NACHRICHT war, nein, weit gefehlt. Im Grunde genommen ist die GUTE NACHRICHT eher eine sehr persönliche. Nun kann man endlich den Patschulischweißstinkenden, barfuß laufenden, Moosbinden tragenden Zotteln mit einem ebenso beseelten Grinsen im Gesicht ein Ziel für ihre Reise ins ? (? = was auch immer) vorschlagen. In der Hoffnung, sie verlassen endlich die Restrepublik und die dazugehörigen Lagerfeuer um auf den Knien nach Freiburg zu pilgern und dort zu bleiben. Und seit dem Papstbesuch ist die Erde nun auch noch ordentlich durchgeheiligt, was die Wund(er)heilung fördert. Exodus einer gelangweilten, sinnsuchenden Boheme. Lügen wir uns nicht in die Tasche, der Anteil der Spirituosen mit Abitur ist signifikant höher als welche mit einem Gesellenbrief.
Hippie-Heidi, Sarah-Joe und Bavaria-Blue finden nun endlich Ruhe, müssen nicht mehr all die armen Bäume im Park betatschen, nicht mehr an Lagerfeuern ihre grässlichen Lieder singen, nie mehr Ausdruckstanz üben. All die Pfurz-Rohre (Didscheridings) und Scheißtrommeln wären weit, weit weg und die Welt somit ein besserer Ort. Ach so muss es im Paradies sein. Meine Flucht gen Osten hat in dieser Beziehung nichts gebracht. Ich dachte durch die relative Armut und die Nicht-Sozialisation der Eingeborenen mit dieser Form des Imperialismus, wäre man beispielsweise an Lagerfeuern sicher. Weit gefehlt. Ich wollte schon ein Kettensägenanfängerkurs belegen und die ganzen unsäglichen Holzinstrumente, die an jeder Ecke aus vollkommen unsichtbaren Taschen gezogen werden, zu massakrieren. Bis diese überaus positive Nachricht bei mir ankam. Nun wird alles gut!
Sie werden sich bestimmt fragen, was ich denn gegen die „harmlosen“ Esoteriker, Hippies und Konsorten habe. Ich kann nur soviel verraten: Altare wurden in meiner Abwesenheit in meinem ehemaligen WG-Zimmer errichtet, als ich unter Neonsonne drei Monate beim Pampers-Windel-Handpack stand, Menschen mit dreieckigen Hüten haben meinen Kaffee ausgependelt, vor meinen Augen wurde essen durch einen Waldschratt gesegnet bis es kalt wurde, schlimme Krankheiten wurden ausgependelt und mit Handauflegen geheilt. Ich habe ungewaschene, gebrauchte und versehentlich vergessene Untenrum-Moosbinden im Waschbecken gefunden…. diese Aufzählungen könnte ich endlos fortführen und immer noch das Schlimmste verschweigen. Aber all dies ist mitten in Freiburg geschehen. Ich war sooo kurz davor einer der bösen Buben zu werden. Ich schwör! Dazu passt ein Nitsche Zitat aus Jenseits von Gut und Böse:“ […] wenn Du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in Dich hinein.“
pfurzrohre und hippies in meiner kolumne juni fuer den freie buerger 300x261 Pfurzrohre und Hippies in meiner Kolumne Juni für den Frei(e) BürgerEs tut mir zwar in der Seele weh, dass es nun ausgerechnet Freiburg trifft. Aber es kommt ja wie bei dem radioaktiven Müll in der Schachtanlage Asse nicht aus heiterem Himmel. Und wenn die Zeichen so stehen, müssen auch schmerzhafte Opfer gebracht werden. Allein schon klimatisch wäre es in Anbetracht der fehlenden Fußbekleidung ein wahrer Akt der Menschlichkeit. Auch hätte diese Personengruppe, so heterogen sie auch sein mag, etwas wirklich Sinnvolles zu tun und würde was studieren können, was ihnen auch wirklich liegt. Die Unis der Restrepublik würden nicht mehr blockiert sein und Arbeiterkinder könnten wieder den Zugang zur Universität finden. Auch wäre Ethnologie wieder ein beinah normales Studienfach. Sorry Patriciar, Natsch und all meine anderen Freunde in Freiburg, dass es euch nun ganz besonders hart trifft, aber nach reiflicher Überlegung, werdet Ihr ebenso zu dem Schluss kommen, dass es keine andere Lösung geben kann, die Welt zu retten. Nehmt die Horden, die wir aus der Restrepublik zu euch senden werden, gelassen und mit Zuversicht auf. Danke!
 
 
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Veröffentlicht am: Juni 15, 2012



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