November Kolumne im Frei(e) Bürger

Sodala… für alle, die nicht in Freiburg wohnen, die Kolumne zum nachlesen. 
Für die die in Freiburg wohnen, kauft die Zeitung. Unterstützt den Freien Bürger.
Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll  für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren.
Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg. 

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Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
„Schlimm war er, der Besuch der Kanzlerin bei Günter Jauch. Eine Regierungserklärung ohne kritische Zwischenfragen. Jauch war ja schon vor seinem Wechseln Schwiegermutters Liebling … aber das trieb einem die Tränen in die Augen. Da hätte man auch einen Teddybären mit Brumm-Effekt neben die Mutti setzen, oder den ganzen Jauch weglassen können. Ach – noch besser – Ihr nach Vorbild von Hugo Chávez, den ganzen Sonntagabend schenken. Der Tatort war eh mies.“
Das waren meine Notizen zum Talkshowkrampf an einem Sonntagabend Ende September in der ARD. Die Lage hat sich seither nicht gebessert. Der Sonntag ist verloren. 
Der Sonntagabend war, selbst für mich, ein Hort der Tradition und der Routine.
Ein verlässliches Datum in einer turbulenten Woche. Einmal die Woche sich eins fühlen mit der deutschen TV-Nation. Ein festes Gefüge aus Weltspiegel, Tagesschau, Tatort, etwas doofes dazwischen, Tagesthemen und „ttt“ – Titel, Thesen, Temperamente.  Summa summarum sind das jeden Sonntag so um den Daumen gepeilte viereinhalb Stunden, in denen ich mit geschätzten acht Millionen anderen eine Welt teile. Sie merken, Routinen sind nicht so leicht zu haben.
Dem ein oder anderen mag auffallen, dass ich die Lindenstraße weglasse. Was in dem Fall Absicht ist und keine Fahrlässigkeit. Denn zur Lindenstraße kann ich mich leider nicht äußern, ohne ausfällig zu werden. Auch sind einige meiner Freunde seltsam empfindlich bei dem Thema und es zu unnötigen bösartigen Diskussionen führen. Da tun sich Abgründe auf. GrAUENHAFT. Hinzu kommt, das einige, allen voran ein ungenannt bleibender Musiker aus Freiburg (Zitat: „Ich kann halt nur Hits“) mir körperlich derart überlegen, dass ich mich beim Thema Lindenstraße mal hübsch selbst zensiere.
Aber, mal zurück zum Kanzlerin Besuch bei Jauch. Wenn schon nichts Kritisches gefragt wird, dann hätte man sich ja auch dem Lieblingsthema des öffentlich-rechtlichen Fernsehens widmen können, dem Boulevard. Hab das mal skizziert. Dies würde mich nun doch brennend interessieren. Geht da was zwischen Merkel und dem Französischem Speedy Gonzales? Babystress hat er von Mutti nicht mehr zu erwarten und optisch ist es ja auch eine Herausforderung, ich meine im Gegensatz zu der ollen Bruni. Das sind Fragen, die offenkundig wirklich von Interesse sind. Boulevard geht eigentlich immer. Und wo wir gerade dabei sind, mir wurde ja vorgeworfen immer negativ zu sein und nur zu schimpfen. Konstruktiv war das Schlagwort. 
Nun mein Vorschlag an die ARD. Wie wäre es mit einem Thementag Merkel, inclusive Homestory mit dem Herrn Sauer am Herd. So wie es schon Thementag Papst, Thementag Hochzeit irgendeiner Flachpfeife in England oder Monaco gab. Natürlich darf ein Thementag Kohl nicht fehlen. Apropos Kohl. Wenn einer das Sommerloch füllen konnte, dann er. An ihm kam man im Boulevard nicht mehr vorbei. Wenn man dem Medienhype um die Familiengeschichte unseres ehemaligen Kanzlers in allen Kanälen betrachtete, machte auch der Song der Ärzte „Hannelores Tag ist grau, denn Helmut Kohl schlägt seine Frau“ irgendwie Sinn. 
Die arme Hannelore und die noch ärmer Buben. Und ich fand das herrlich. Wir erinnern uns. Helmut sollte eigentlich in Beugehaft sein sollte, ist er aber nicht. Stattdessen ist er Ehrendingens in der CDU. Nach wie vor hat er keinen Namen der vermeintlichen Spender ausgespuckt wegen seines Ehrenwortes. Und so wie es aussieht, wird er das auch niemals tun. So einfach stellt man sich also über das Gesetz und seine Institutionen. 
Zum Glück wird er nun von anderer seit her anständig demontiert. Die liebe Familie ist auf dem Kriegspfad und zerrt das private ans Licht der Öffentlichkeit.  
Was man, auch ohne da allzu viel zu glauben, gelesen oder wissen sagen kann ist, dass es bei Kohls zuhause aussah wie bei Hempels unterm Sofa. Da man ja im Boulevard gerne die abenteuerlichsten Hypothesen wagt, will ich mich auch daran versuchen. Auch um die Kurve wieder zum Anfang der Kolumne zu schaffen. 
Wenn, und das ist jetzt pure Spekulation, hinter diesen Enthüllungsromanen nun die Merkel steckt? So als AnzettlerIn und MotivatorIn der verschiedenen Autoren. Mit dem Ziel einen letzten, vernichtenden Schlag gegen Kohl und seine immer noch sehr einflussreichen Freunde auszuführen. Die nächste Wahl ist vor der Tür und die Umfragewerte waren/sind im Keller. Irgendwie hat man ja nach Mappusens vollkommen verdienten und großartig vollbrachten Machtverlust vermutet, dass es innerhalb der Christsozialen zu einer kleinen Revolution kommt. Ich habe mir das so ähnlich wie in Tunesien vorgestellt. Nur konservativer und vor allem recht albern. Nein, da kam nichts.  Irgendetwas muss die Mutti da gemacht haben und die Mächtigen in der CDU einschüchtert. Und meiner Meinung nach wäre die Enthüllungsbuchdrohung ihr Weg. Nun bin ich zum Glück wieder am Ausgangspunkt angelangt, irgendwie zumindest.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich den Sonntag verloren habe. Wenn ich mich recht erinnere, war es sogar kurz, nachdem ich ihn als TV-Abend gewonnen habe. Tagesthemen mit Anne Will/Ulrich Wickert waren mein Ding. Vor allem mit Anne Will. Von Ihr habe ich mir die Neuigkeiten gerne erklären lassen. Ein Hauch biederer Erotik strahlte da aus dem Fernsehgerät ins nächtlich von ihm erhellte Zimmer. Mit ihrem kleinen, spöttischen Lächeln beim Stoiber Interview hat sie mein Herz im Sturm genommen. Ach Anne Will. Wärst Du doch in den Tagesthemen geblieben. Die Schwarzwälder Band „We Are“ hatte dies in dem Song mit dem treffenden Titel „Anne Will“ auf den Punkt gebracht. „ (…) you´re on the other side. The TV´s on. I guess you are now. The same as fucking Lady Christiansen was.“ Recht haben sie. Ich mochte sie nicht, die Christiansen. Ein Störenfried mit „Kermit der Frosch“- Stimme und Wieselgesicht. Das schräg gestellte Köpfchen, der strenge Blick und, und, und. Nie hätte ich gedacht, je was Nettes über diese Frau zu sagen. Aber man hat sich an sie gewöhnt, wie an die kruden Demenzthemen im Ludwigshafen-Tatort. Seit die ARD aber beschlossen hatte Sie mit Anne Will auszutauschen und auch die Tagesthemen umzumodeln hatte ich erstmals meine sonntägliche Fernsehheimat verloren. 
Nun also ein zweites Mal. 
Was also tun? Privat Sender ansehen ist mir nahezu unmöglich. Dort wird seit Jahren der hagenbecksche Menschenzirkus aus den 1900er Jahren wiederbelebt und Menschen, die explizit keine Medienprofis sind unter dem „Hilfe-Motto“ vorgeführt. Das wirkt dann unter anderen Vorzeichen wie eine klassische Freakshow. Zapping ist heutzutage kein Spaß mehr. Auch in den anderen öffentlich-rechtlichen werden Dokumentationen inzwischen so erschreckend plakativ gestaltet, dass der nächste logische Schritt nur noch ein Brust-OP- oder Fäkalienthema oder sein kann.
Übrig bleibt am Sonntag eigentlich nur Lesen. Also raus aus dem Sofa der Gemütlichkeit und des Konsens und ab ans Bücherregal. Dort habe ich den erschreckenden Eindruck, dass ich die letzten Jahre viel zu wenig Brecht gelesen habe. Gleich mal ein Zitat aus der Ballade vom Wasserrad, Strophe 2: „Ach wir hatten viele Herren / hatten Tiger und Hyänen / hatten Adler, hatten Schweine / doch wir nährten den und jenen. / ob sie besser waren oder schlimmer: / Ach, der Stiefel glich dem Stiefel immer / und uns trat er. Ihr versteht: ich meine, / dass wir keine andern Herren brauchen, sondern keine!“ Bert Brecht 1934
Das ist nicht nur schön, sondern hilft auch dem ausgedörrten Hirn. Zwei Bücher, die ich Ihnen, geehrte Leser, ans Herz legen möchte, sind: „Empört Euch!“ von Stephan Hessel (ca. 4 € oder in der Stadtbücherei Freiburg mit der Signatur: Gkn 5 Hess ) und  „GENTRIFIDINGSBUMS oder Eine Stadt für alle“ von Christoph Twickel (9,90 €)
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Merkel bei Jauch
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Comments

Veröffentlicht am: November 15, 2011



2 Antworten zu “November Kolumne im Frei(e) Bürger”

  1. 1234rock sagt:

    Keine Ahnung welche. Gedruckt kann man es ganz gut lesen… Da fällt mir ein, dass für Dich ja noch eine Postkarte aussteht… brauch noch Deine Adresse. Gib Die mir mal 1234rock@gmail.com
    Grüße

  2. renke sagt:

    in was für einer Schriftart ist denn das gesetzt? anstrengend zu lesen wie ich finde

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