Meine Frau hat mich fett gemacht in meiner Kolumne für den Januar

Veröffentlicht am: Januar 14, 2018

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

ich hoffe, Sie haben die Feiertage gut überstanden und starten ebenso kampfeslustig in ein neues Jahr wie meine Wenigkeit. Wie schön ist doch diese Begeisterung, zu Beginn eines jeden neuen Jahres etwas ändern zu wollen. Sie hat auch einen Namen: JAE. Die sogenannte Jahresanfangseuphorie. Denn eines ist ganz sicher, dieses Mal wird alles anders, dieses Jahr wird mein Jahr. Ich werde mich grundlegend ändern, ich werde mehr auf meine Gesundheit achten, mehr Sport treiben, mich irgendwo engagieren, ach, was schreibe ich, ich werde versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und dann werde ich mich endlich rundum glücklich fühlen, da ich nicht immer den Fokus auf Dinge lenken muss, die noch fehlen. Dann bin ich endlich ganz bei mir und kann meinen Mitmenschen etwas zurückgeben.

Sie kennen das bestimmt. Allein die Menge an Vorsätzen, die man sich vornimmt, im neuen Jahr umzusetzen, erdrücken einen förmlich und haben bisweilen nur eine Halbwertszeit von wenigen Tagen. Wie schreibt die Zeitschrift „Psychologie Heute“ so schön: „Die Straße zur Hölle ist mit erfolg- und glückverheißenden Plänen gepflastert.“

Eigentlich geht es immer darum, Dinge zu ändern, die man bedauert im letzten Jahr nicht gemacht zu haben und nun endlich in diesem Jahr umsetzen will. Übrigens antworten 75% der Deutschen auf die Frage, ob sie es auf ihr bisheriges Leben zurückblickend bedauern, bestimmte Dinge nicht getan zu haben mit: „Ja“. Ich gehöre im Übrigen auch dazu. Darum wollte ich in diesem Jahr etwas anders vorgehen als im vergangenen. Ich schaue mir die Pläne des letzten Jahres genau an und analysiere mein Scheitern, um daraus zu lernen und natürlich innerlich zu wachsen.

Mein Plan vom letzten Januar lautete: Gewichtsabnahme. Puh, das kommt jetzt unerwartet und vollkommen überraschend. Ich denke, dass ich der einzige Mensch auf der Welt bin, dem dies im Januar 2017 eingefallen ist. Der verwegene Plan war, sieben Kilo abzunehmen. Das hätte noch längst nicht zu einer Bikinifigur gereicht. Aber ich hoffte zumindest, dass meine Frau dann nicht mehr diskret das Licht löscht, wenn ich mich bettfein mache. Nun, ein Jahr später, bleiben nur noch 15 Kilogramm übrig, bis ich mein Vorjahresziel erreicht habe. Sie sehen, ich war und bin wahnsinnig fokussiert auf Kurs geblieben. Und dies völlig ohne Sport.

Da ich mir aber vorgenommen habe, diesen Neujahrswunsch und dann auch die heutige Wirklichkeit genau zu analysieren, bin ich das letzte Jahr akribisch durchgegangen. Männer neigen ja dazu, die Schuld an einem Missstand erst mal bei sich selbst zu suchen. Darum habe ich mir meinen täglichen Fahrradweg zur Arbeit, die täglichen Hundespaziergänge und sonstige Aktivitäten angesehen und habe die dabei verbrauchten Kalorien berechnet. Anschließend habe ich mittels aufwendiger Recherche grob die Durchschnittskalorien meiner Ernährung überschlagen und bin zu folgendem Ergebnis gekommen. Rein rechnerisch wäre ich verhungert. Die Kalorienzufuhr ist ein Witz in Bezug auf meinen Kalorienverbrauch. Rechenfehler sind da leider ausgeschlossen. Mit dieser Erkenntnis keimte in mir ein schrecklicher Verdacht. (Dramatische Musik mit Violinen und einer Basstrommel.) Meine Frau hat mich absichtlich fett gemacht, damit ich mit ihr endlich gemeinsam Sport treibe.

Vor zwei Jahren begann meine Gattin, mir mit ihrer romantisierenden Vorstellung vom gemeinsamen Paarsport auf die Nerven zu gehen. Sie bekam verklärte Augen, als sie von Paaren redete, die gemeinsam ins Fitnessstudio gehen würden. Rein zufällig zappte sie ständig auf Fernsehsendungen, in denen dicke Menschen mittels Sport abnahmen. Auch seufzte sie, wenn uns joggende Paare entgegen kamen, immer sehr tief. Aber mit Sport biss sie bei mir auf Granit. Sport kommt mir nicht in die Tüte. Mein Totschlagargument ist, dass, bei egal welchem Sport ich angefangen hätte, ich immer Rückenschmerzen wie Jesus am Karfreitag bekommen habe.

Trotzdem ließ sie nicht locker, und wie das so in langjährigen Ehen ist, fängt man an, den anderen zu ignorieren und sie ging alleine zum Sport. Damals dachte ich schon, alle sind über diesen Ausgang einigermaßen zufrieden. Ab diesem Punkt ging es in den letzten Jahren immer häufiger um Themen wie die neue Foltermaschine im Fitnessstudio, die Ernährung und vor allem die Zubereitung von Speisen. Man könne doch auch etwas weniger Fett beim Kochen verwenden, meinte sie, als ich die beste Rezeptseite des Internets entdeckt hatte. (www.everythingisbetterwithbutter.com) Auch wurden Kohlenhydrate als Teufelszeug diffamiert, was sofort in eine Nudelproduktion meinerseits mündete. Ich glaubte, dass Trotzreaktionen der Schlüssel einer funktionierenden Partnerschaft sind und es schien ja auch lange gut zu funktionieren.

Seit letztem Jahr hat sich aber etwas verändert. Sie redete überhaupt nicht mehr von Sport und schon gar nicht mehr vom Essen. In mir tanzte die Siegessäule lange Cha Cha Cha. Seltsam, dass ich nicht schon damals stutzig wurde über meinen so leichten Sieg.

Um ehrlich zu sein, habe ich meine Frau maßlos unterschätzt.

Denn Mitte Mai letzten Jahres kam eines verschlafenen Morgens ein sehr schweres Paket von Amazon für meine Ehefrau an. Ich war schon genervt, weil wir aus moralischen Gründen nichts mehr bei Amazon bestellen.

Entgegen meiner Gewohnheit öffnete ich das Paket. (Ich wurde wegen des Gewichtes neugierig). Der Inhalt war ein Trichter, ein Kunststoffschlauch von einem halben Meter Länge und 20 kg Flüssigbutter. Damals dachte ich an eine krude Form der Hautpflege. Ich ärgerte mich sehr darüber, weil unser Badezimmer schon voll mit Mittelchen und Tinkturen meiner Holden war. Wie sollten wir nun auch noch Platz für diesen großen Kanister finden. Zum Glück fand meine Frau einen Platz unter dem Bett und ich war glücklich darüber, vom Raumproblem nicht mehr behelligt zu werden. Das wäre wahrscheinlich der Moment gewesen, in dem ich hätte vorsichtig werden sollen.

fattyfatfat Meine Frau hat mich fett gemacht in meiner Kolumne für den Januar

Mir geht es genauso wie Ihnen, wehrte Leser, auch ich konnte und wollte nicht glauben, dass meine Gattin seit einem halben Jahr während meiner Tiefschlafphase Butter in mich hineinfließen lässt. Aber dies ist die einzige logische Erklärung, dass ich unbemerkt fetter und fetter wurde.

Wie dem auch sei, nun komme ich nicht mehr drum herum, Sport zu treiben und eine Diät anzufangen. Und dies aus eigenem und völlig freiem Willen. Gestern entschloss ich mich, ihr dies zu sagen. Mit einer Energie, die den Roadrunner langsam aussehen lassen würde, exorzierte meine Gattin beinahe sofort alles, was schmeckt, aus der Wohnung. Sie hat ihr Ziel erreicht und wir machen nun ab morgen gemeinsam Sport. Ich habe zwar nun etwas Angst vor ihr und ihrer Beharrlichkeit, hege aber dennoch tiefsten Respekt für ihren Einsatz.



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