Kolumne Oktober für den Frei(e) Bürger: Hochzeit

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

Als ich vor ein paar Monaten meinem Mädchen einen Heiratsantrag machte, ahnte ich nicht, was dies in der Folge bedeuten würde. Nicht, dass sie Nein sagte, auch nicht, dass wir nun seit 7. September tatsächlich verheiratet sind … nein. Schockierend war die emotionale Achterbahnfahrt, die ich, sozusagen als Zaungast in den letzten Monaten mit ihr erleben durfte. Als ob ich eine Emotionswundertüte geöffnet hätte oder die Büchse der Pandora. Es ging schon bei der groben Form der Hochzeitspartygestaltung los. Ich hatte mir vorgestellt, dass für alle, die von weit weg anreisten, eine Drei-Tage-Party genau das Richtige wäre, um eine Anfahrt zu rechtfertigen. Also reinfeiern, feiern, rausfeiern. Dies stieß auf erbitterten Widerstand, mit dem Totschlagargument Kondition und Kater. Nun frage ich Sie liebe Leser, wer würde nicht gerne mal ein ganzes Wochenende eine Hochzeit zelebrieren und gebe die Antwort gleich hinterher: jeder!
Nach mehreren nervtötenden, trotzdem erfolglosen Diskussionen und heftigem Beleidigtsein meinerseits habe ich mich bereit erklärt, zumindest offiziell, das Thema „drei Tage feiern“ ad acta zu legen und nur noch heimlich weiterzudenken.
Kommissar Zufall wollte es nun aber, dass nur am 7. September im Standesamt Freiburg ein Plätzchen zu erhaschen war. Da geht es im Übrigen hochzeitsmäßig ab wie im Bienenstock. Alle 20 Minuten werden Paare, durch das Standesamtfließband, vermählt. Zum Verständnis dieses glücklichen Zufalls muss man wissen, dass ich am 6. September Geburtstag habe und natürlich nun auch zum ersten Mal meinen Geburtstag feiern wollte. 
Ha … so habe ich dem Verbot meines Mädchens, mehrere Tage Feierei zu planen, dank des Standesamts Freiburg, ein ordentliches Schnippchen geschlagen. Gott, sollte es ihn denn geben, war wohl in diesem Punkt mit mir. Jetzt musste ich nur noch heimlich still und leise für den Sonntag was organisieren und ich hätte mein Drei-Tage-Fest. Aber es kam anders.
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Mind the Date- Plakat

Frohen Mutes wurden die Vorankündigungen zum Termin verschickt. Diese Terminfreihaltbefehle, mit gemaltem Zombieangriff und Kettensäge, erwiesen sich als äußerst hilfreich, da wir die Einladungen erst einen Monat vor der Hochzeit verschicken konnten. Als Örtlichkeiten wählten wir das Egon 54 zum Familienhochzeitessen, das JC’S Café und den Slow Club für die Party. Auch für den Freitag war der Slow Club die beste Wahl. Nun mussten wir nur noch beim Egon anfragen, das JC’s überreden und dem Slow Club ein Zwei-Tage-Fest zumuten. Zu unserem Glück sind wir mit den besten Freunden der Welt gesegnet und alle haben sich bereit erklärt, hierbei mitzumachen. Innerhalb kurzer Zeit hatten wir musikalische Untermalung, für Freitag, die mächtigen Seducers (hier, video) und die Flatline Walkers (hier, video)und für den Samstag die Leopold Kraus Wellenkapelle  (Video)und die Prisoners of Freedom gewinnen können. Da wir in Leipzig wohnen, mussten wir unsere Freunde einspannen Dinge für uns zu organisieren und zu tun. Für ein paar meiner Freunde bedeutete dies, dass sie mehrmals in den zwei Tagen in der Pflicht standen, da sie in mehreren Bands spielten und auch noch in den Lokalitäten Slow Club und JC’S (hier) ihre Dinge erledigen mussten. Wau … wenn man solche Freunde hat, kann man einfach nur glücklich sein. Merci noch mal an alle, die uns geholfen haben! (Zum Auftakt spielten dann noch ziemlich überraschend Liquid Laughter… was für ein Wahnsinns Geburtstagsgeschenk..)

 
Nachdem das geklärt war, dachte ich, dass nun nichts mehr kommen könne. Doch weit gefehlt. Im Nachhinein habe ich mir eine sehr schlüssige Theorie zusammengebastelt. Frauen haben nicht einfach nur, einen durch die Evolution der geistigen Entwicklung hervorgebrachten, wahnsinnig großen Vorsprung, sondern sind bei dem Thema Hochzeit hochgradig sozialisiert. Wahrscheinlich spielen sie schon im Kleinkindalter Hochzeit mit Barbie und Ken, oder so. Sicher ist diese Theorie etwas zu allgemein und etwas zugespitzt aber nur so lassen sich die Erlebnisse und die Mutation meines Mädchens schlüssig erklären, ohne ihr böse zu sein. Seit Bekanntgabe des Termins war nichts mehr, wie es vorher war. Der plötzlich aufgetretene, aber beständige Druck, machten aus mir leider keinen Diamanten, so viel kann ich verraten. Trotzdem versuchte ich den immer neu aufkommenden Anforderungen, so gut ich eben konnte, gerecht zu werden. 
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Mein Mädchen beim (er)tragen
Ich greife mal einfach exemplarisch ein Beispiel heraus um Ihnen liebe Leser darzustellen, was für Welten hier aufeinanderprallten. Für mich kam das Thema Brautstrauß vollkommen unerwartet. Wer konnte denn ahnen, dass man einen braucht und dass der Bräutigam diesen besorgen muss. Ich kannte dies bisher nur aus schlechten amerikanischen Filmkomödien und habe mit Zierpflanzen im Allgemeinen und mit Blumen im Speziellen nichts am Hut.Trotz dieser Überrumpelung habe ich beinahe sofort einen wunderschönen Wurststrauß bestellt. Natürlich mit der Intention, dass diesen wohl ein jeder gerne fangen würde, wenn er nach der Trauung geworfen wird, da er lecker und schön zugleich ist.
Mir ist immer noch vollkommen unerklärlich, warum der Wurststrauß bei meiner Braut nicht so gut ankam. Ein unergründliches Rätsel, da sie doch auch gerne Wurst isst. Am Ende habe ich den Wurststrauß zur Trauung getragen und auch geworfen. Wie gesagt, dies ist nur ein Beispiel von vielen. Im Nachhinein hätte ich an der ein oder anderen Stelle anders reagieren müssen, schon allein um des lieben Friedens willen. Vor allem aber, da ich sie eigentlich nur heiraten wollte und das Brimbamborium nicht so wichtig nahm.
Was mich aber vollkommen aus der Spur gebracht hat, waren die wechselnden Gefühlsintervalle. Die mit näher rücken der Hochzeit immer unberechenbarer wurden. 
Vom grundlosen Weinen bis zu blankem Hass war da alles drin. Kurz, ich fühlte mich, als ob ich einem Gremlin nach Mitternacht etwas zu essen gegeben und ihn dann auch noch in Wasser getaucht hätte. 
Zum Glück ist mein altes Mädchen direkt nach der Trauung wieder unversehrt zurückgekommen, auch wenn ich nun ein bisschen Angst vor dem habe, was in ihr steckt. 
Liebe Leser, ich kann Ihnen versichern, so eine Hochzeit ist ein Abenteuer, das seinesgleichen sucht und ich nicht nochmal erleben will.
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Für alle die nicht den FREIeBÜRGER kaufen können hier die Kolumne. Der FREIeBÜRGER ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung FREIeBÜRGER in Freiburg (hier).

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Veröffentlicht am: Oktober 27, 2013



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