Kolumne Oktober: Bericht aus der Sommerpause

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

viel ist passiert, als wir zum letzten Mal miteinander zu tun hatten. Zum einen hat ein halbstarker Affe mein Smartphone direkt aus meinem, leider unabgeschlossenen, Büro gestohlen. Wenn Sie mich näher kennen würden, würde Ihnen die Tragweite dieses Ereignisses für mein persönliches Leben sofort klar sein und Sie wären zu Recht schockiert und würden sich Fragen, wie ich dies nun schon zwei Monate aushalten kann. Ehrlich, es war echt hart.

Plötzlich war mein direktes Kommunikations- und Langeweilevertreibungsmittel einfach weg und ich war verzweifelt und den Lebenspausen hilflos ausgeliefert. Ich fühlte mich wie eines dieser Versuchstiere, die von wohlwollenden Tierschützern aus ihren behaglichen Laboren in die Freiheit entlassen worden war. Ich kann Ihnen sagen, der kalte Entzug war kein Zuckerschlecken. Hin und wieder war ich versucht, Passanten das Handy zu entreissen und wegzurennen, nur um selbst wieder gebeugt über der kleinen Flimmerkiste zu hängen. Die Abhängigkeit zu meinem iPhone war schon immer recht hoch gewesen und ich war so ziemlich der Erste, der sich so ein Teil gekauft hat. Dazu muss man wissen, dass ich vor dem Smartphone lange noch auf Festnetz und Telefonzellen setzte und erst ein einziges Handy vor dem Erwerb eines Smartphone hatte.

Als jedoch Apple sein erstes Telefon vorstellte, war ich sofort dabei. Schuld daran war, wie bei so vielen Sachen in meinem Leben, meine Liebe zu Comics und natürlich zu den Bondfilmen. Dick Tracy und James Bond hatten auch solche Gadgets. Durch dieses Telefon hatte ich einen Fotoapparat, einen Wikipediazugang, einen Taschenrechner und eine mobile Blogmaschine in meiner Hosentasche. Seitdem bin ich verfallen und konnte mir ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen. Der Diebstahl traf mich, wie der Verlust meines Schweizer Taschenmessers, im Alter von elf Jahren. Trotz des herben Verlustes glaube ich bis zum heutigen Tag, an das Gute im Menschen und baue fest darauf, dass das Telefon wieder zu mir zurückfindet.

Der Dieb kann eigentlich nicht viel mit dem Telefon anfangen. Wenn er einmal ins Internet geht, piepst es wie verrückt und sendet seinen Standort an mich und an das SEK. Benutzbar ist es dann auch nicht mehr.

kolumne oktober bericht aus der sommerpause Kolumne Oktober: Bericht aus der Sommerpause

Trotz allem hatte der Entzug sein Gutes. Das war die perfekte Vorbereitung auf den Irlandurlaub. Bewusst haben wir zum dritten Mal Irland als Urlaubsland ausgesucht. Der Vorteil ist nicht nur das wirklich sehr angenehme Wetter und die wahrlich erfrischende Briese, die einem das Hirn durchpustet, sondern auch, dass man im schönen Connemara weder Telefon noch Internetempfang hat. Letztes Jahr war ich die erste Woche mit dem Entzug beschäftigt und konnte erst in der zweiten Woche den Urlaub genießen.

Dieses Mal hatte ich den schon hinter mir und konnte also direkt in den Urlaub starten. Ach und wie ich mich freute endlich mehr als zehn Minuten im Meer zu baden, denn wir hatten uns im Decathlon für wenig Geld einen kurzen Neoprenanzug besorgt. Schon bei der Anprobe wurde mir klar, dass dieser Shorty auch als Shapeware gute Dienste leistet. Wenn es nach mir ginge, hätte ich den Neoprenanzug die ganze Zeit an. Meine Fresse macht der eine gute Figur. Die Problemzonen werden zusammengequetscht und lassen meinen Oberkörper irgendwie muskulöser aussehen. Wahrscheinlich wird das Fett nach oben gedrückt und mein Körper macht so den Eindruck, als hätte ich einen durchtrainierten Brustbereich und einen extrem flachen Bauch. Nicht zu vergessen, ich konnte in diesem recht kühlen Atlantik so lange schwimmen, wie ich es fitnessmäßig aushielt. Dies war allerdings nicht viel länger als ohne Neopren, nur hatte ich vorher die Ausrede mit der Temperatur. Ich muss wirklich dringend was für meine Kondition machen und Bier trinken ist offensichtlich nicht die richtige Trainingsmethode.

Auch auf eine andere Sache habe ich mich gut vorbereitet. Seit ich „Psychologie heute“ lese, weiss ich, dass Streiten zu einer gesunden Beziehung dazugehört. Meine Frau und ich streiten leider recht selten, und da ich auch irgendwie dazugehören will, hatte ich schon lange vor, den Urlaub zu nutzen und eine gesunde Streitkultur in unserer Beziehung zu etablieren. Dies stelle laut des Zeitschriftenartikels den Schlüssel zu einer gesunden Partnerschaft da. Die Einsamkeit des Ferienmodeziels, die mangelnde Ablenkung, dass „Nichts vorhaben“ und das Aufeinanderhocken waren die idealen Grundlagen, diesen noch fehlenden Teil unserer Ehe hinzuzufügen. Leider musste ich mir ordentlich was einfallen lassen, um meine Frau zu einem zünftigen Streit zu bewegen. Ich selbst bin bei dieser Disziplin auch eher ein Anfänger. In meiner Familie wird entweder geschwiegen, zwischen den Zeilen gelesen, Unangenehmes übergangen oder schlicht gestorben, statt offen zu streiten. Meine Frau, so scheint es mir, liebt mich aus unerfindlichen Gründen entweder bedingungslos oder nimmt mich, irgendwie wohlwollend, nicht ernst. Beides führt zu einer Haltung mir gegenüber, welche eher wenig Angriffspunkte für einen handfesten Streit bietet.

Ich musste mich also ganz schön anstrengen um meine Frau dazu zu bringen richtig wütend auf mich zu sein und sie streitlustig zu machen. Die ersten Tage unseres Urlaubes waren leider nicht von Erfolg gekrönt, es kam einfach nicht dazu, egal was ich versuchte. Meine Frau hat Beispielsweise Angst vor Spinnen und ich bin in unserer Beziehung folgerichtig der Insektenbeauftragte. Also fing ich heimlich Spinnen und lies sie im Schlafzimmer frei, nur um mich zu weigern diese zu entfernen. Leider führte dies nicht zum erwünschten Grundsatzstreit, sondern dazu, dass sie im Wohnzimmer schlief. Nach Tagen des Versuchens schaffte ich es schließlich doch sie mürbe zu machen. Nicht umsonst arbeite ich mit jugendlichen und fand nach und nach die Hebel, die so verletzen, dass ein Streit unumgänglich ist. Im Nachinein kann ich Ihnen sagen, dass dieses Streiten nicht zu meiner Beziehung gehören muss. „Psychologie heute“ hat nicht recht und nun, da ich die Büchse der Pandora geöffnet hatte, hatte ich alle Hände voll zu tun, diese wieder zu schließen. Vielleicht hab ich da auch was durcheinander gebracht und der Artikel bezog sich auf die Beruhigung von Streitgeplagten. Wie auch immer, den Rest des Urlaubes haben wir das mit dem Streiten dann gelassen. Die letzen Tage reservierten wir für Dublin und hatten dort noch ein paar schöne Tage. Wichtig zu erwähnen wäre noch, dass man diese Stadt auf keinen Fall Dablin aussprechen darf, sondern Dublin nennen muss, sonst versteht einen keiner.

Da es zu jedem guten Urlaubsbericht dazugehört noch eine kleine Anekdote zu erzählen, kann ich nicht anders als die Folgende niederzuschreiben.

Tag zwei in Dublin. Tag eins nach dem großen Trinken. Nun war ich ja schon in vielen Städten und habe mir angewöhnt, für jede Stadt einen Reiseführer mitzunehmen und ihn auch zu benutzen. Es kam, wie es kommen musste und wir haben ewig ein Restaurant gesucht und schließlich auch gefunden, welches als Geheimtipp für ein schönes gemeinsames mexikanisches Abendessen angepriesen wurde. Also DER Mexikaner in der Irischen Hauptstadt. Was uns erwartete, war ein ehemaliges Schlachthaus mit enorm lauter Technomusik. Wir kamen gerade rechtzeitig zum Margarita-Montag, wo zwei Margaritas dann „nur 17 €“ kosteten. Wir lehnten dankend ab und wollten etwas zu essen bestellen. Beim Aufschlagen der recht spärlichen Karte wurde mir übel. Die Preise auf der Karte waren so weit entfernt von dem, was wir uns leisten konnten, wie Russland von einer Demokratie. Der Drang zu gehen war groß, aber die Kinderstube dagegen. Wir bestellten also zwei Vorspeisen eine für 9€ ! und eine für 11€ !. Als die Kellnerin dann kam und zwei winzig kleine belegte Taco-Chips brachte, verstand ich ihren Blick, als wir zu essen bestellt hatten. Mit einem Bissen war der verzehrt, wir zahlten und gingen nach nebenan. Dort gab es BBQ für 10€ pro Person und die Teller waren so groß und voll belegt, dass wir einen Vierertisch benötigten. Merke: Reiseführer haben nicht die besten Insidertipps, wenn es ums Essen geht. Zeitschriften nicht die besten Beziehungstipps und in Läden mit Technomusik sollte man sowieso nicht reingehen.

In diesem Sinne kommt noch gut durch den Oktober.

Euer 1234rock

 

——————
#Affe, #Angriff, #Arbeit, #Baden, #Connemara, #Freiburg, #Freiheit, #Geld, #Irland, #Kolumne, #lesen, #Liebe, #Reisebericht, #Sommer
———————————-

Für alle die nicht den FREIeBÜRGER kaufen können hier die Kolumne. Der FREIeBÜRGER ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung FREIeBÜRGER in  (hier).

4/5 (1)

Please rate this

Liked it? Take a second to support 1234rock on Patreon!
become a patron button Kolumne Oktober: Bericht aus der Sommerpause

Comments

Veröffentlicht am: Oktober 15, 2015



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Blogverzeichnis - Bloggerei.de TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste
%d Bloggern gefällt das: