Kolumne November: Attentatsversuch

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

in dieser Kolumne wollte ich endlich mal wieder über ein gesellschaftlich relevantes Thema schreiben. Nicht wie Sie denken über die Flüchtlingsdebatte, die Festung Europa und den Rechtsruck in der Gesellschaft. Dazu habe ich schon vor Monaten Stellung bezogen und kann zu der Debatte nichts beitragen, ohne wütend zu werden. Auch sollte es, der Jahreszeit angemessen, dieses mal nicht um meinen persönlichen Kampf mit dem Leben, den Widrigkeiten des Alltages und um meine Frau gehen.
Als ausgebildeter Soziologe wollte ich mich dem Thema „Oktoberfestisierung“ widmen und hierbei verschiedene Blickwinkel beleuchten. Dazu habe ich mir extra in der neuen UB einen Ausweis machen lassen und mich mit einigen Büchern und Artikeln ausgestattet. Die Frage, die ich erörtern wollte lautet: „Ist die Lust für Nicht-Bayern, sich wie Oldschool-Bayern anzuziehen und ein Oktoberfest zu feiern, ein wertkonservativer Akt der Sehnsucht nach der Guten alten Zeit, als man seine Kinder noch schlagen durfte und die Frau in der Küche stand, oder schlicht ein neuer Event der Spaßgesellschaft“. Wenn es nur ein neuer Event sein sollte, warum flattern von Aldi, Lidl und Kaufland pünktlich, zur Wieseneröffnung in München, Prospekte ins Haus. In denen „Wiesen-Händl“ und „Obazda“ neben weißblauen Tischdecken und recht offenherzigen Pseudo-Dirndl feilgeboten werden. Auch die olle Ganterbrauerei macht natürlich ein Oktoberfest. Alles nach dem Motto „Feiern wie in Oberbayern“ inklusive Ufftata-Blasmusik. Klein kann die Zielgruppe ja nicht sein, wenn jedes dahergelaufene Unternehmen Profit wittert. Sind wir am Ende alle, in Zeiten der Krise, „die Spaßgesellschaft“? Leidenschaftlich habe ich verschiedene Thesen im recht meinungsstarken Kaffeestüble der Klarastraße diskutiert und war der Meinung, etwas Relevantes zu diesem Thema beitragen zu können.
Leider, liebe Leser, wurde mein Forschergeist jäh unterbrochen und ich wurde von den geistigen Höhen auf den Boden des Überlebenskampfes zurückgeworfen. (Dramatische Musik und Paukenschläge). Auf das, was am Abend des 11. Oktober 2015 passierte war, war ich nicht vorbereitet.
Meine Frau hat ein Attentat auf mich verübt!

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Ich hätte nicht gedacht, dass ihre Mittel des Attentats-Setting so ausgeklügelt sein würden. Sie stellte mir eine so simple und doch effiziente Falle, dass ich sie im Nachgang beglückwünschte.
So ein Designstudium zahlt sich halt dann doch noch aus. „Keep it simple & stupid“ war das beständige Mantra auf der Burg Giebichenstein zu Halle, wo sie studierte. Und genau dies hat sie famos umgesetzt.

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Um diese Genialität für Sie, liebe Leser, begreifbar zu machen, habe ich eine kleine Skizze erstellt um den Ort des Attentates, das Badezimmer, etwas näher zu beschreiben. Wie Sie erkennen, haben wir ein recht kleines Badezimmer. Also eher ein Schlauch als ein Zimmer. Der wichtigste Punkt um die Subtilität des Attentates zu verstehen ist die recht stabile Bambusmatte, welche zur Verhinderung von kalten Füßen auf dem Boden ausgelegt ist.

Die brillante Idee, war, die Bambusmatte in Höhe der Türe mittels Handtücher um wenige Zentimeter anzuheben. Dadurch sollte ich stolpern und direkt in die Badewanne fallen. Die Fallrichtung war so ausbaldowert, dass ich mir in jedem Fall den Kopf mächtig am Badewannenrand stoßen und K.O. gehen würde. Da meine Gattin sehr reinlich ist, hätte sie nun die Gelegenheit, mich entweder in der Badewanne zu meucheln und sich nicht allzu sehr über die sich ergebende Sauerei zu ärgern, da ja eh alles gekachelt und abwaschbar ist. Oder aber, sie hätte einfach Wasser in die Wanne laufen lassen können und ihr Glätteisen ins eingelaufene Wasser fallen lassen können. Dieses Glätteisen ist im Alltag schon sehr gefährlich platziert. Es liegt, immer an den Strom eingesteckt, sehr fragil auf dem etwas breiteren Badewannenrandende. Auf diese Gefahr hab ich sie schon so oft hingewiesen, dass dies wohl das wahrscheinlichste Szenario wäre. Einen großen Vorteil hätte dies zudem noch. Meine Gattin könnte tränenüberströmt den Notarzt rufen und es sähe wie ein Unfall aus. Bei der ersten Variante müsste sie mit Salzsäure oder so arbeiten und das ist ja seit NineEleven auch nicht mehr so leicht zu bekommen.

Ein Glück für mich, dass ich dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen bin. Ich fühle mich wie Ronald Reagan oder wie der Rollstuhlminister nur ohne bleibende Spuren. Meine Unart, beim Zähneputzen herumzuspazieren, hat zum einen für meine Angetraute die Gelegenheit geboten zu handeln und das Handtuch unter den Bambusvorleger zu platzieren, aber mich letztendlich auch gerettet. Dadurch fiel ich statt auf den Kopf auf meinen rechten Ellbogen. Dieser tut mir übrigens bis heute weh. Meine Frau bestreitet, den Anschlag auf mein bisschen Leben und versucht ihr Handtuchkonstrukt, mit den Worten „Trocknungshilfe“ für den Bambus, zu rechtfertigen. Was nur eine Ausrede sein kann, da Bambusse es gerne haben wenn sie Nass sind.
Vielleicht verfolgen Sie ja regelmäßig diese Kolumne und fragen sich an dieser Stelle bestimmt, wieso ich denn Opfer eines Mordanschlages wurde. Die Antwort ist gar nicht so einfach. Nach kurzer Überlegung kamen mir relativ überraschend mehrere denkbare Motiv. Mein Favorit ist schon eine Weile her. Vor ein paar Monaten war ich mit meiner Frau in der Hohenlohe auf dem Geburtstag eines Freundes. Meine Ex war an diesem Abend auch anwesend. Irgendwie hat meine Liebste das Partnertattoo, das wir, also meine Ex und ich uns damals haben stechen lassen entdeckt und war not amused. Sie kennen sicher solche Momente. Die sind immer peinlich. Leider werden sie es noch mehr, wenn man bei Vergangenheitsbewältigungsgesprächen mit der Lebensgefährtin immer ein paar Details versehentlich ausgelassen hat. Weitere Motive könnten sein, dass ich mal wieder so wild rumgekrümelt habe, dass sie die Beherrschung verloren hat. Oder, dass ich einmal zufiel Dinge in dieser Kolumne schreibe die nicht ganz so der Wahrheit entsprechen. Sie müssen wissen, liebe Leser, dass meine bessere Hälfte ein sehr ehrlicher Mensch ist. Egal. Das Motiv wird ein ewiges Rätsel bleiben, da ich mich nicht traue dieses heiße Eisen unserer Beziehung anzusprechen. Aber ich bin auch beruhigt, da ich meine Frau nach wie vor eher für den Gift-Typ halte und diesen Gewaltakt als statistischen Ausreißer sehe. Ab jetzt bin ich sehr vorsichtig bei den Ergebnissen ihrer Kochkünste. Schließlich habe ich nicht umsonst „Asterix und Kleopatra“ gelesen. Aber ich bin ja eher eine positive Natur und vedränge sehr schnell. Also Schwamm drüber und nach vorne sehen. Ein bisschen mulmig wird mir hin und wieder schon, da wir in den nächsten Wochen wieder klettern gehen wollen. Falls Sie nichts mehr von mir hören, bestehen Sie bitte auf eine Obduktion.

 

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Für alle die nicht den FREIeBÜRGER kaufen können hier die Kolumne. Der FREIeBÜRGER ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung FREIeBÜRGER in  (hier).

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Veröffentlicht am: November 14, 2015



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