Hundauflegen gegen Krebs in meiner Kolumne Juli

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

wenn ich nun Kolumnist vom Goldenen Blatt oder der InTouch wäre, würden sie an dieser Stelle folgende Schlagzeile lesen: „Mediziner völlig aus dem Häuschen! Nach Braunschlag in Österreich ein weiterer Fall von unerklärlicher Tierheilung von schlimmer Krankheit.“ Im Text, der natürlich nicht auf der Titelseite wäre, sondern auf Seite drei, wo der ganze sonderbare Kram verwurstet wird, würde dann stehen:

 

„Ein 41jähriger Freiburger steht im Verdacht, Krebs durch Hundauflegen zurückgedrängt zu haben. Noch müssen die behandelnden Mediziner einige Tests mit dem übergewichtigen Mann machen, um endgültige Aussagen treffen zu können. Auch ist es nicht klar, ob nur dieser Hund Heilungskräfte besitzt oder generell jeder Hund heilen kann. Aber man kann ziemlich sicher sein, dass es einen Zusammenhang zwischen Hundauflegen und Krebszurückdrängung gibt. Das Vatikanische Konzil wurde schon benachrichtigt, um bei einer Heiligsprechung des Hundes nicht wie bei dem Fall Mutter Theresa einige Jahrzehnte untätig zu vertrödeln.“

 

Da wir hier aber eine seriöse Zeitung sind, steht dies natürlich in kursiv und in Gänsefüßchen.

Seit Jahren wollte ich schon die Standardfloskel von Professor Farnsworth aus Futurama in diese Kolumne einbauen. Leider ist das Zitat nur dann lustig, wenn im Kontext eine selbstmörderische Mission zum Mars oder so etwas Ähnliches folgen würde. Da es aber unwahrscheinlich ist, dass ich Sie oder Sie mich jemals auf eine suizidale Mission auf den Mars schicken werden, ist dieses Zitat natürlich nur im Wortsinn zu verstehen. Ich hoffe inständig, dass all die Nerds da draußen, erstmal davon absehen, mir Morddrohungen wegen Verfälschung von Zitaten von fiktiven Personen zuzusenden. Ich verwende es hier, weil gute Nachrichten heutzutage ja echt selten sind und ich finde, dass man dieses eine Mal alle fünfe gerade sein lassen kann.

Liebe Leser, ich richte nun ein lautes, ehrliches „Good news, everyone!“ an Sie. So wie es aussieht, bin ich mit meinem Krustentier fertig und habe den Krebs zurückgedrängt.

Hell Yeahhhh und Jippieeeee! Nun muss ich nur noch die nächsten paar Jahre alle zwei Monate eine Spritze mit Antikörpern in mein reichlich vorhandenes Bauchfett geben lassen und gut ist. Easy…also für mich. Die armen Pflegekräfte müssen ganz schön drücken und schwitzen, bis die recht große, volle und vor allem dicke Spritze leer und in meinem Bauchfett gelandet ist. Vielleicht ist es aber auch so schwer in mich einzudrücken, weil mein Fettgewebe vor allem am Bauch enorm dicht ist. Das muss ich mal recherchieren. Moment… nein, es hat nichts damit zu tun. Weitere gute Nachrichten sind, dass ich vom ständigen Blutabnehmen und bis auf Antibiotika von den anderen Medikamenten befreit bin.

Meine Fresse, war das alles eine seltsame Zeit. Von dem immer „Abartig-fertig-sein“ im Laufe des letzten Sommers, bis zu den wahnsinnig dicken Cochonnes im Dezember. Von dem ewigen Warten auf das Ergebnis der hundert Untersuchungen bis zum Chemostuhlkreis. Crazy. Die meiste Zeit war ich ja damit beschäftigt, mich zu beschäftigen und den Zaubereien der Ärzte zuzusehen. Besonders hart aber waren die letzten Monate für meine Frau, für die arme Hündin Polly, die sich jeden Tag für mehrere Stunden auf mich legen musste, und besonders für mich. Ich spreche hier natürlich von der von mir entwickelten Heilungsmethode: Hundauflegen.

hundauflegen gegen krebs in meiner kolumne juli 3 Hundauflegen gegen Krebs in meiner Kolumne Juli

Hundauflegen in der Praxis

Alternative Heilmethoden sind ja nicht unumstritten und ja, oft zweifelte ich auch an der Kraft des Hundes. Besonders schwer haben es in diesem esoterischen Heilungssektor ja vor allem Pioniere wie ich. Meistens läuft es doch so: Man hört von jemandem, der wiederum von jemandem gehört hat, dass jemand jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, dessen Großvater von irgendwas mit irgendwas geheilt wurde. Ob das nun Traubenzuckerkügelchen sind, Schwarzkümmelöl oder die gute alte Schwitzhütte. In meinem Fall hab ich weder davon gehört, dass Hundauflegen heilen kann, noch kannte ich jemanden, der wiederum jemanden kannte, der dies schon mal ausprobiert hat. Es gab niemanden! Auch nicht in den unterirdischen Weiten des Internetzes. Außer, dass in der fiktiven österreichischen Serie Braunschlag ein reicher Dorfbewohner sich mit Meerschweinchen geheilt zu haben glaubte, hatte ich keine Inspiration zu der von mir entwickelten Methode.

Manchmal fühlte ich mich wie Alexander von Humboldt oder Christoph Kolumbus. Diese ständigen Zweifel, ob ich denn nicht nur auf dem Holzweg war und mein tägliches Martyrium schlicht und ergreifend nur Humbug ist. Es machte mich fast wahnsinnig. Da mir dieses schier übermenschliche Ertragen von ekliger Welpenwärme niemand ohne Beweisbild glauben würde, habe ich Ihnen, liebe Leser, zum ersten Mal ein echtes Foto von mir und dem Heilungsakt des Hundauflegens beigefügt. Beim Betrachten müssen Sie ganz stark und tapfer sein, es ist leider widerlich. Auch ist es klar ersichtlich, dass es für alle Beteiligten eine Qual ist. Ich hoffe nur, dass mir PETA nicht auf die Schliche kommt und mich mit Legebatterieeiern und Katzenkot bewirft. Wenn man das Bild betrachtet, kann man es kaum fassen, wie unglaublich leidensfähig ich bin. Das muss an den russischen Genen meines Opas liegen. Jeden verdammten Tag habe ich stoisch diesen Vierbeiner auf mir ertragen. Dieses eklig weiche, flauschige Fell hat mich dabei schier wahnsinnig gemacht. Oft habe ich, wenn meine Frau weg war, deswegen geweint. Heimliche Tränen sind die schlimmsten Tränen von allen. Am schlimmsten war es, als der Welpe anfing sein Heilungssekret mittels Zunge abzugeben und mich großflächig damit besudelte. Sie können mir glauben, dies hat meine Aversion gegen die Behandlung nicht weniger werden lassen. Aber wie es aussieht, haben sich all die Qualen gelohnt! Auch hat Polly auf mich eine hypnotische Wirkung ausgeübt. Wenn sie eingeschlafen ist, hat sie mich mit ihren telepathischen Fähigkeiten gezwungen, ebenfalls zu schlafen. Zum Glück ist dieser Hund aber nicht so clever, dass er aus seinen Kräften Kapital schlagen könnte. Unter uns, es wäre ein Leichtes für sie, mich mit ihren PSI-Kräften zum Kühlschrank zu steuern und ihr Wienerle zu holen.

Mir ist natürlich klar, dass ich nur gesünder wurde, weil die Segnungen der modernen Krebstherapie dies ermöglicht haben. Trotz dieses Bewusstseins hoffe ich darauf, dass ich nun meinen Fellknäuel an reiche Esotrullas vermieten kann und reich werde wie ein Scheich.

 

Bei mir geht es nun morgen los mit der Reha. Für das Faktenwissen am Rande, früher hieß Reha übrigens Kur und wurde wegen der ganzen Schatten ab dem Jahr 2000 umbenannt. Dadurch wurde das Berufsfeld des Kurschattens ausgerottet und die Schatten mussten sich aufwendig zu ehrbahreren Berufen umschulen lassen. Noch heute sieht man in den Wäldern um die ehemaligen Kurorte hin und wieder in der Ferne ein paar Schatten, leider sind diese aber mittlerweile sehr verwildert und darum recht scheu. Vielleicht fange ich einen und interviewe ihn für die nächste Kolumne mal.

In diesem Sinne verbreiten Sie die frohe Kunde, und wenn Sie reiche Freunde haben, die sich für alternative Heilmethoden interessieren, bitte melden Sie sich!

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Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren.
Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg.

 

 

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Veröffentlicht am: Juli 7, 2016



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