Helmpflicht in meiner Kolumne Februar für den Frei(e) Bürger

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
das mit den Vorsätzen fürs neue Jahr ist ja immer so eine schwierige Sache. Mein Vorsatz beispielsweise ist abnehmen, wie in jedem Jahr. Das ist gar nicht so einfach, wenn überall so viele leckere Versuchungen lauern. Außerdem ist vom Zeitpunkt des Vorsatzes bis zum Sommer, wo die Bikinifigur letztendlich sitzen muss, ja ein sehr langer Zeitraum. Da nun schon Februar ist, sind meine Neujahrsvorsätze natürlich schon wieder obsolet. Aufgeben passt zu Vorsätzen wie Arsch auf Eimer. Trotzdem kann ich voll Stolz behaupten, dass ich länger an meinen Vorsätzen festhielt als im vergangenen Jahr. Da sehe ich mich nun mit Frau Merkel in bester Gesellschaft. Die Kanzlerin sagte in ihrer Neujahrsansprache: „Ich selbst nehme mir eigentlich immer vor, mehr an die frische Luft zu kommen.“ Kaum gesagt war sie an der frischen Luft und PLOTZ regiert sie liegend. Hierbei muss ich leider gestehen, dass der Sturz der Kanzlerin bei mir einen wahren Wortspielmarathon der Schadenfreude auslöste, den ich Ihnen aber wegen beschämender Albernheit ersparen möchte. 
Wie im alten Rom, nahm sie die Regierungsgeschäfte liegend war. Nun bekommt die formulierte spätrömische Dekadenz des längst vergessenen Guido Westerwelle eine ganz neue Bedeutung. Beachtlich fand ich allerdings, dass man nach Merkels Langlaufsturz unfreiwillig medizinische Kenntnisse über die Hüfte und das Becken der Kanzlerin bekam.
„Angie the Pelvi(s)“. Medizinische Fachbegriffe wurden einem regelrecht um die Ohren geschlagen, sodass man durchaus von einem Volkshochschulkurs in Hüftbelangen reden konnte. Besonders Spiegel Online erfüllte hier einen unschätzbaren, wenn auch ungefragten Bildungsauftrag. So wusste ich gar nicht, dass in der menschlichen Anatomie ein Darmbein vorkommt. Eben sowenig, dass es einen hinteren Beckenring gibt, welcher eine Infraktion haben kann. Auch das Iliosakralgelenk war bis dato ein weißer Fleck für meine stärker werdende Hypochondrie. 
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Beim Lesen von Zeitschriften und Zeitungen, aber auch beim Nachrichten kucken, passiert es mir häufig, dass Nachrichten-Ereignisse an mir vorbeiplätschern, die im ersten Moment nicht von Interesse erscheinen. So lese ich immer wieder Nachrichten nur grob und quer und speichere sie in meiner hintersten Hirnregion unter dem Label Müllnachricht ab. Hin und wieder passiert es, dass mit zunehmender Verbreitung der erfassten aber quasi überlesenen Nachricht ein Medien-Hype entsteht. Dieser macht die Nachricht zwar nicht interessanter, aber sie entfaltet eine Tiefenwirkung, die sich auf das eigene Leben auswirken kann. Ein gutes Beispiel wäre der andere Promi-Unfall, den ich genau so erlebt habe. Da ich mich weder für Autos noch für Sport interessiere, plätscherte die Nachricht von M. Schumachers tragischem Skiunfall an mir vorbei in die besagte Hirnregion. Gut, dachte ich, so war in der Zeitung schon weniger zu lesen. Pustekuchen. Da mein Mädchen in unserer Ehe die Sport- und Motorenbeauftragte ist, unterschätzte ich dieses Thema gewaltig. Zusätzlich zu diesen Aufgaben ist sie leider auch noch selbst ernannte Sicherheitsministerin. Es kam, wie es kommen musste. 
Wie erfahrene Leser ja schon wissen, fahre ich jeden Tag, Sommer wie Winter, 20 Minuten mit dem Rad quer durch Leipzig zur Arbeit und spät abends in der Dunkelheit wieder den gleichen Weg zurück nach Hause. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich mich mit ihr, um ihre Sorge zu mindern auf einen Kompromiss geeinigt. In den Wintermonaten sollte ich einen Schutzhelm tragen. Mit völlig unzulässigen Mitteln, wie „Essen mit Hass“ kochen oder Pantoffelverstecken nötigte sie mich, das Mist-Ding zu tragen. Von da an kontrollierte sie bis Mitte April jeden Abend, ob an meiner faltigen Stirn auch Druckstellen vom Helm zu sehen sind. Mir blieb also nichts anderes übrig, als nach dem Abstellen meines Fahrrades im Keller, noch zehn Minuten mit Helm auf dem Kopf in diesem zu verweilen, damit sich wahrnehmbare Druckstellen bilden konnten. Ich kann ihnen versichern, dass zehn Minuten im Keller warten schon reichlich Geduld meinerseits erfordert. Mir wird doch immer so schnell langweilig. Zehn Minuten sind zu wenig, um anständig mit einem Buch anzufangen und zu lange für eine Partie Schach gegen sich selbst. Vor allem da ich mich immer beschummle und dann keine Lust mehr habe mit mir zu spielen. 
Zum Glück war das Helmpflicht-Thema seit dem vergangenen Sommer nicht noch mal aufgekommen. Ich wäre diesen Winter bestimmt davon gekommen, wenn nicht der Herr Schumacher und das Schädel-Hirn-Trauma omnipräsent auf allen Kanälen zu sehen wäre. Mit jeder neuen Nachricht, über die Entfernung eines Teils der Schädeldecke um den Druck des epiduralen Hämatoms zu senken, werde ich mit den Folgen meines riskanten Fahrradfahrens konfrontiert. Lähmung, Epilepsie, Gedächtnisverlust, Gleichgewichtstörungen und natürlich der Tod könnten die Folge sein. Wenn meine Fahrradfahrerei ohne Helm einigermaßen gut ausgehen würde, könnte ich ja mit Monika und Michael die Fernsehlotterie moderieren … 

 

ARGHHHhhh dabei liegt noch nicht mal Schnee. So stehe ich nun jeden Abend wieder zehn Minuten im feuchten Keller, um mir Druckstellen an der Stirn zu besorgen.
 
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Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg (hier).
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Veröffentlicht am: Februar 14, 2014



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