Heimweh mildern dank Montagsdemo in meiner Kolumne im Frei(e)Bürger für den November

Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg (hier).
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Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
ich bin ja total begeistert, wie angenehm Ihr mich hier in Freiburg wieder aufnehmt, obwohl ich oft so böse über eure Stadt geschrieben habe. Danke dafür.
Nachdem ich pünktlich zum ersten Oktober meinen rosa Bademantel an den Nagel gehängt, mich ordentlich gewaschen und das Extrem-Cocooning aufgegeben habe suchte und fand ich neue Hobbys. So darf ich seit kurzem mit einer richtigen Tschtschh-Rrrrrr-Pffffttt-Kaffeemaschiene Kaffee kochen. Beim ersten Hobby kann ich meine senile Bettflucht, welche mich jeden Morgen um 6:30 Uhr unbarmherzig aus dem Schlaf reisst und meine Passion für guten Kaffee perfekt verbinden. Beim zweiten Hobby kann ich mein Interesse an Konzerten und ehrenamtliches Engagement im Verein für notwendig kulturelle Maßnahmen ordentlich ausleben. Ach, Ihr habt es hier schon auch schön und ich fühl mich auch recht wohl. Die vergangenen 1 ½ Monaten, die ich nun in Freiburg bin, war ich auf mehr Konzerten als im letzten Jahr in Leipzig. Trotzdem quält mich hin und wieder mein Heimweh nach Leipzig. In erster Linie, wegen den zurückgelassenen Freunden und der Arbeit, die ich aufgegeben habe. Aber auch die Vielfalt und die Möglichkeiten, die diese bunte, sich ständig veränderte Stadt bietet. Wenn ich nicht, wie gerade eben auf dem Sprung nach Leipzig bin, um mit zwei Freundinnen ein Kunst- und Kultur-Straßenfest Namens „sonderpOSTen“ über die Bühne zu bringen, bleibt mir nur der Montag und die Mahnwache auf dem Kartoffelmarkt, um mein Heimweh ein wenig zu mildern. Die Mahnwachen gibt es seit Frühjahr auch in Leipzig und ebenso wie dort haben die Teilnehmer in Freiburg die Hoffnung, dass das Wörtchen Frieden als kleinster gemeinsamer Nenner ausreicht, um die Menschen zusammenzubringen und etwas in dieser Welt zu verändern.
heimweh mildern dank montagsdemo in meiner kolumne im freiebuerger fuer den november Heimweh mildern dank Montagsdemo in meiner Kolumne im Frei(e)Bürger für den NovemberZu Leipzig muss man sagen, dass Montagsaktionen immer sowas wie der heilige Gral der Agitation ist. Ein Samstag würde beispielsweise nichts bewegen, da nur der Montag und die damit verbundenen Montagsdemonstrationen die marode DDR zu Fall gebracht hatten. So macht jeder, der etwas auf sich hält seine Veranstaltung an einem Montag. Und so eben auch die Mahnwache für den Frieden. Vor ein paar Wochen war ich also auf vor Ort in Freiburg um mein Heimweh zu mildern, aber auch zur Themenfindung für diese kleine Kolumne. Dort lausche ich dann, bis es wehtat den Rednern des offenen Mikrophons. Im Laufe der kommenden Wochen habe ich mir dann noch mehrere Stunden Videoaufnahmen auf Youtube von den Veranstaltungen auf dem Kartoffelmarkt reingezogen. Hierbei musste ich feststellen, dass das Wort Frieden, entgegen meiner Annahme, ein unfassbar weit dehnbarer Begriff ist. Irgendwie passt in dieses Wort alles hinein, was man sich nicht vorstellen kann. So erfuhr ich von einer Vertuschung im großen Stil, an dem die katholischen Kirche beteiligt ist. Um geköpfte Kinderleichen in Irland über die nicht berichtet werden darf, da eine gleichgeschaltete Presse, die „Wahrheit“ unterdrückt. Um Indianerkinder, die aus Fenstern geworfen wurden, um die Ukraine, unsere kriegsgeile Presse aber auch um die GEZ. Zu meinem größten Bedauern hat sich niemand zu dem vom Aussterben bedrohten Auerhahn geäußert. Nicht dass ich das erwartet hätte. (Wobei ich hätte viele Themen, über die gesprochen wurde, nicht erwartet.) Und genau dies ist es, was  die Montagsmahnwache in Freiburg mit der in Leipzig verbindet. Da ich die Leipziger Veranstaltung ebenfalls besucht hatte, um mir ein eigenes Bild zu machen, kann ich dies auch behaupten. Der Auerhahn wurde weder in Freiburg, noch in Leipzig erwähnt. Ein Skandal! Dabei ist der Frieden mit dem Auerhahn ebenso wie der Art-Erhalt der Auerhähne im Allgemeinen von elementarer Bedeutung für den äh.. sagen wir mal Weltenraum, oder so. Stattdessen erfuhr ich, dass eine weltweite Verschwörung im Gange ist, die alles und jeden unterdrückt. Diese stecken also dahinter, dass mir es nicht gelingen will, die kosmischen Kräfte zu beeinflussen und mein Schicksal als Sekten(t)führer wahr werden zu lassen. Zum Glück Für alle sind ein paar mutige bereit sich nicht zu beugen. Nur sie haben die äußerst prallen Testikel sich ans das Offene Mikrophon zu wagen und alles anzuprangern. Das erste was mir hierzu einfiel war… Räusper… Hüstel…(mit Erzähl-Onkel-Stimme):“ Ganz Gallien ist von den Römern besetzt, Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsam Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“ Zu diesem Offenen Mikro auf den Montagsdingens schrieb das durchaus lesenswerte und unabhängige Stadtmagazin Leipzigs, „Kreuzer“ am 22.04.2014:
“Um wirkliche Inhalte, im Sinne von (gehaltvoller) Information, geht es bei diesem bisschen Frieden nicht wirklich. Schwammig hören sich die Vorträge auch jenseits der schwierigen Akustik an. Jeder Fokus fehlt, wenn ein Beitrag zur Ukraine in Randnotizen über die »Volkskrankheit Depression« abdriftet. […] So wichtig viele der irgendwie angesprochenen Themen auch sind, ihre stets unterkomplexe Betrachtung macht fassungslos. Hier stehen erwachsene Menschen und applaudieren, wen jemand sagt: »Frieden ist mehr als Nicht-Krieg, Lieben mehr als Nicht-Hassen.«“
Besser kann man diese Veranstaltung nicht beschreiben und bis hierhin kann ich mir bei dem Kasperletheater ja durchaus mein Vergnügen ziehen. Aber es zeigt sich, dass ein offenes Mikro eben auch Leute mit eindeutig rechter Gesinnung anzieht. Wie die Scheiße eben auch die Fliegen. Nach dem Motto, jeder darf sagen, was er denkt, lässt man das Mikro vom Reichsbürgerdeppen zum Esoteriker der seine Kapitalismuskritik mit antisemitistischen Verschwörungstheorien untermauert, wandern. Das kann man als Einzelmeinungen am Mikro abtun. Werden aber solche Äußerungen vielfach beklatscht, fällt das Urteil anders aus. In Leipzig haben sich das Attack-Netzwerk, wie auch andere  Initiativen von den Mahnwachen aus diesem Grund distanziert. Leider schafft es dieses Freiburger Friedensdings, auch nicht sich von rechter Polemik zu abzugrenzen. Die Grenze hat diese Veranstaltungsreihe da aber erreicht, wo aus dem wilden Mix an kruden Meinungen, Esoterik, Antiamerikanismus und Antikapitalismus etwas wird, das ich nur mit Verschwörungstheorien, Demokratiefeindlichkeit, Nationalismus und Antisemitismus zu beschreiben vermag.
Ich finde, jeder der dem menschenverachtenden Weltbild, das Menschen in wertvoll und wertlos einteilt, dem die Rechte Gesinnung zugrunde liegt, eine Plattform bietet macht sich mit schuldig. Rechtsoffen ist etwas was weit außerhalb dessen liegt, was ich ertragen kann und will. Rechtes Gedankengut ist eben keine Meinung, über die man diskutieren kann, sondern etwas das man bekämpfen muss. Wenn nötig schmeiße ich mit echt richtig schweren metallenen Peace-Zeichen um mich. Außerdem sollten meine Volksvertreter von „Die Partei“ sich ein Ruck geben und ein eigenes Montagstreffen auf dem Kartoffelmarkt veranstalten. Natürlich mit einem eigenen Transparent “ Die einzig wahre Mahnwache für Frieden!“ Das Motto „Inhalte überwinden“, das die „Die Partei“ so groß gemacht hat passt perfekt zu den dann doppelt stattfindenden Mahnwache für ein bisschen Frieden.

 

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Veröffentlicht am: November 21, 2014



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