Fußball, Flucht und FKK in meiner Kolumne Juli für den Frei(e) Bürger

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
wie Sie schon wissen, findet in meinem Leben kein Fußball statt. Darum wollte ich auch kein Wort für diese Kolumne zu dieser unsäglichen Weltmeisterschaft schreiben. Leider sickert dieses Thema, nach und nach in meinen Alltag ein. Somuss auch ich der traurigen Wahrheit ins Auge sehen, dass man Fußball nicht wirklich entkommen kann. In meiner Fantasie dachte ich, dass ich Fußball ebenso wie Theater oder klassische Konzerte ignorieren kann. Das funktioniert bei der doofen Bundesliga hervorragend und findet für mich nur in diesen obszön großen Stadien statt. Ähnlich wie Theater nur in Theatern und klassische Konzerte in seltsamen Konzerthäusern. Leider neigt der „Deutsche“ dazu, seinen national besoffenen Neigungen mit anderen im Rudel ausleben zu wollen. „Public Viewing“ sind strategisch so ungünstig in der Stadt verteilt, dass ich, egal welchen Umweg ich von A nach B nehme, immer an mindestens einem vorbeikomme. Nicht zu vergessen, dass jedes Straßenkaffee störenderweise TV-Apparate auf dem Bürgersteig aufgestellt hat. Mir graut ja schon vor dem Tränenmeer, dass in diesem Lande vergossen werden wird, wenn die Nationalmannschaft nicht die kläglichen Erwartungen erfüllt. Da könnte man den Tränenpalast wieder errichten.
Ich erwägte ernsthaft während der WM-Wochen dieses Land zu verlassen, wie ich es bei der WM in Frankreich getan habe. Damals, als ich noch ein kleiner Punker war, ertrug ich die Wandlung meiner engsten Freunde zu glühenden Nationalisten nicht, und flüchtete ins schottische Hochland. Wie es damals üblich war, nahm man den Zug und ein Interrail-Ticket, um ans Ziel zu kommen. Für mich war es das letzte Mal, dass ich die Vorzüge des Bahnreisens in Anspruch nehmen konnte, da ich die Altersgrenze ab da dann überschritt.
In Calais musste ich auf die Fähre übersetzten, um mit dieser die gelobte Insel zu erreichen. Ich war, wie schon erwähnt, ein kleiner Punker. Das heißt, ich hatte einen wunderschönen roten Irokesen mit allem Pipapo. Zu meiner Überraschung befanden sich auf der Fähre englische Fußballfans. In der Mehrzahl frustriert und aggressiv. Zuerst sind die mir nicht groß aufgefallen. Erst als der „Duty-Free“-Shop öffnete und das Bier in Strömen floss, machten diese ihrer angestauten Fußballleidenschaft wie auch dem angestauten Frust, Luft. Als ich die Situation erkannte, setzte ich mir eine unverfängliche Mütze auf und wollte mich damit irgendwie unsichtbar machen. Irgendwie schien dies mich aber auch verdächtig zu machen. Ich betete zu Gott, dass a.) die englische Mannschaft nicht von einer Deutschsprachigen besiegt wurde und b.) dass deren Mannschaft noch im Turnier ist. Im Laufe der Fahrt sah es so aus, als wollten die wütenden Glatzköpfe das Schiff kapern und damit die Welt erobern. Ich wechselte nach kurzer Zeit den warmen aber recht lauten und mit Testosteronen gefüllten Innenraum mit dem kalten, nassen und windigen Außenbereich. Wo ich, bis zur Ankunft in Dover, verharrte.
Der Plan zur Fußballflucht ist seitdem immer deutlich in die Hose gegangen. Vielleicht ist es auch sinnlos bei einer Weltmeisterschaft, die schon im Namen die Welt beinhaltet einen Fluchtort auf dieser Welt zu suchen. Bis zur nächsten WM werde ich fleißig an einer Rakete basteln. Aber mein sinnloses Unterfangen ging noch weiter, denn dies war auch der Outdoor-Survival-Schottlandbesuch, bei dem ich fast ersoffen wäre. Davon aber ein anderes Mal. Hier sei nur noch zu erwähnen, dass selbst in der Einsamkeit der Highlands das Thema Fußball hin und wieder hochkochte. Dazu ein Beispiel:
Nach ca. 5 Tagen ohne eine Menschenseele zu sehen, traf ich zwei schottische Wanderer (neudeutsch Trekker), die mir sofort die aktuellen Ergebnisse in puncto Fußball mitteilten. Das Ereignis war, dass die Engländer tatsächlich irgendwo herausgeflogen waren. Meiner Erinnerung nach waren daran Deutsche beteiligt und ich dadurch ihr persönlicher Held geworden. Hierzu muss gesagt werden, dass alles, was die Engländer besiegt, kränkt oder demütigt – egal, in was – bei den Schotten absolute Sympathien genießen. Sei es die Nazis, die London bombardierten, oder wenn andere Nationen englische Sportmannschaften in egal, welcher Disziplin besiegen. Wie zum Beispiel die Deutschen. Und hier schließt sich der Kreis, denn in Zeiten der Fußball WM kommen so viele angestaubte Vorurteile zum Vorschein, dass es einem schwindelig werden kann. Klar bewege ich mich als Cartoonist und Kolumnist immer auf dem schmalen Grad des Stereotypen. Dies hat den Vorteil, dass ich meine durchaus komplexen Ereignisse und Erlebnisse anschaulich darstellen kann. Leider besteht aber auch die Gefahr, dass dies falsch verstanden werden kann und mir im besten Fall ein Klischee, und im schlechtesten Fall ein Vorurteil vorgeworfen wird. Ich kann Ihnen versichern, dass ich nicht frei von Vorteilen und Klischees bin, diese aber gerne überprüfe. Als ich vor dreieinhalb Jahren meinen festen Arbeitsplatz am schön langweiligen Bodensee kündigte, um mich in die sichere Arbeitslosigkeit in Leipzig zu begeben, schlugen mir meine Kollegen so viele Ossi-Vorurteile um die Ohren, dass es mir Angst und Bange wurde. Von Mecker-Ossis bis Neonazihorden war so ziemlich alles dabei. Ich kann ihnen, liebe Leser versichern, dass fast alle Vorurteile und Klischees über den Osten der Republik nicht wahr sind.
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FKK- Grillen als Abnehmstrategie
Aber FKK ist echt und kein Klischee. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit ziehen die Menschen hier blank. Auch wenn es etwas unangenehm ist, kann man sich mit freibaumelnden Weichteilen arrangieren. Woran ich mich allerdings nicht so richtig gewöhnen kann, ist es, beim Grillen nackig zu sein. Einmal nicht aufgepasst und schon hat man sich die Nudel verbrannt. So hat das Nacktgrillen, laut meiner Frau, auch seine Vorteile. Ich konnte mich, aufgrund meines sehr geringen Schamgefühls, recht gut anpassen und habe mich daran gewöhnt, dass man seine Freizeit im Osten nackt verbringt. Meine Frau hingegen ist schon sehr schinant. Beim Grillen kann sie vor lauter Verhüllungsversuchen kaum einen Bissen essen, trotzdem bewertet sie dies als positiv, da sie in dieser Grillsaison nun schon beinahe fünf Kilo abgenommen hat.
Sie sehen, wie bei fast allem kommt es auf den Blickwinkel an, ob etwas negativ oder positiv zu bewerten ist. Ich kann ihnen versichern, dass dies beim Fußball nicht der Fall ist. Fußball ist das Arschloch unter den Sportarten.

 

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Veröffentlicht am: Juli 11, 2014



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