Fahrradfahren im Winter in meiner Kolumne Januar für den Frei(e) Bürger

Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll  für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg. 

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
wie Sie vielleicht schon am Titel der Kolumne erahnen, lebe ich nicht mehr in Freiburg. Ganze sechs Jahren sind es nun schon und ich vermisse eure Stadt immer noch. Schlimmer als dies ist aber das Gefühl, das mich vor allem im Winter überkommt. Freiburg wird dann für mich zu einem inneren Utopia und dies trübt natürlich den Blick enorm. 
Hier, im tiefen Osten, muss man sich mit beispielsweise mit unvorstellbaren Minustemperaturen herumschlagen. Brrrrrr! „Russenpeitschen“, wie die BILD das nennt, von über  -10 C° sind keine Seltenheit. Von der gefühlten Temperatur ganz zu schweigen. Das ist doch pervers. Meist traut man sich noch nicht einmal seine Notdurft im Freien zu verrichten aus Angst vor Folgeschäden.
Der bitterkalten Winter bringt aber auch Erkenntnisse mit sich wie die Tatsache, dass meine unglaublich coolen Dr. Martens für glatte Oberflächen so rein gar nicht gemacht sind. Im normalen Benutzungshorizont sind sie „Öl-, Wasser-, Alkaliresistent, straßenkampftauglich und vor allem todschick. („Hab ich Docs an, geh ich erster Klasse/Dann fühl ich mich als König der Straße“ von Die Kassierer mit dem Song „Dr. Martens“)
Doch kaum kommt ein bisschen Winter, da liegt man völlig uncool auf der Fresse. Mag ja sein, dass man auf der britischen Insel keine Winter kennt, aber selbst dort muss es doch aufgefallen sein, dass eine Sohle mit Profil beispielsweise auf dem am Boden liegenden Gegnern einen besseren Abdruck und damit Eindruck hinterlässt als das vorhandene Riffel-Muster. Mir zumindest wird mir beim Hinfallen schlagartig klar, warum die Briten ihr Commonwealth verloren haben.
fahrradfahren im winter in meiner kolumne januar fuer den freie buerger 300x225 Fahrradfahren im Winter in meiner Kolumne Januar für den Frei(e) Bürger
Inzwischen habe ich mich aber irgendwie mit der Kälte arrangiert. Hin und wieder gefrieren mir zwar die Finger oder ein anderes abstehendes Körperteil ein, aber im großen Ganzen ist es ja eigentlich nur verdammt kalt. Was allerdings echt wirklich, wirklich schlimm ist, sind die Eisplatten zwischen den selbstverständlich mehr als drei Meter hohen Schneeverwehungen. Vor allem, da ich mir fest vorgenommen habe täglich die fünf Kilometer zur und von der Arbeit mit dem Rad durchzuziehen. S-Bahn ist was für Weicheier! Wie Sie auf dem Bildchen sehen können, habe ich nun sogar schon einen Helm auf und dies ist nicht nur optisch eine Prüfung. Mein Mädchen kontrolliert jeden Abend, ob an meiner faltigen Stirn auch Druckstellen von ihm zu sehen sind. Mit mir völlig unklaren Mitteln nötigt sie mich dazu, zumindest im Winter das Mist-Ding zu tragen. Da ich Kriegsdienstverweigerer bin, hatte ich bisher keine Erfahrung mit Helmen muss aber sagen, dass Helme extrem unbequem sind. Dieser Helm ist so eng, dass da kein Mützchen drunter passt. Es ist ein Paradoxon geehrte Leser, der Helm schützt meine Rübe vor Stürzen, aber gleichzeitig friert eben diese Rübe ein. Vielleicht sollte ich mir eine Mütze für den Helm kaufen. Aber wo könnte es denn solche großen Mützen geben? Im Elefantenbedarfshandel vielleicht? 
Aber ich schweife mal wieder ab. Zurück zum Thema. Wer immer behauptet, er lebe im Winter gerne in Leipzig ist entweder russischer Abstammung oder hirntot. Freiburg mag ja als Provinz verspottet sein, doch hat es allein von den klimatischen Bedingungen wesentlich Vorteile.
Von außen betrachtet kann ich sagen, dass eine der größten und erfolgreichsten Werbelügen eurer schönen Stadt sich wie ein Virus im gesamten Bundesgebiet verbreitet hat. Der Nimbus „Freiburg sei die wärmste Stadt Deutschlands“ ist nicht tot zu bekommen und treibt abenteuerliche Blüten. 
Immer, wenn ich jemanden erzähle, aus Freiburg zu kommen, wird vom Gegenüber, der noch nie in Freiburg war ein Bild gezeichnet, dass ich so selbst nie erlebt habe. Da wird behauptet, dass selbst wenn in ganz Deutschland der Gevatter Winter alle in seinem eisigen Griff hat, die Freiburger noch mit T-Shirt & Shorts bzw. in Trägerhemdchen & Minirock rumrennen können. Man hat den Eindruck, dass in der Winterzeit, in der wir uns in Leipzig aus Tierschutzgründen verpflichtet fühlen, den Vögeln, die zu dumm waren nicht nach Afrika abzuhauen, kleine Strickpullover zu stricken, werfen die Freiburger Vögelchen ihr Federkleid in die Altkleidersammlung, da sie es aufgrund der warmen Temperaturen nicht mehr benötigen.
Sicher habt ihr es warm bei euch im Breisgau. Und ich würde es auch gerne all diese Gerüchte glauben, aber ich kann nicht. Zweifel keimt in meiner Brust, seit ich von der Burgundischen Pforte gehört habe, die für das milde Klima verantwortlich sein soll. Die Burgundische Pforte kann nur eine Legende sein wie der Zauberer Merlin oder Josef Ackermann. Nun müssen sie ganz tapfer sein, liebe Leser. Die Burgundische Pforte ist, alles in allem, nur der schon erwähnte und geniale Marketingschachzug der Freiburger Stadtherren. Den aussagekräftigen Beweis, dass es euch im Winter nicht wesentlich besser geht, habe ich mir natürlich bis zum Schluss aufgehoben. Aus einer sehr zuverlässigen aber auch sehr vertraulichen Quelle wurde mir ein Dokument zugespielt, welches die Ausgabenauflistung der Stadt Freiburg aus dem letzten Jahr beinhaltet. Hierin wird zweifelsfrei belegt, dass die Stadt Freiburg im Frühling enorme Summen für den Neuerwerb von unzähligen Vögeln aus südafrikanischen Vogelzuchtfarmen ausgegeben hat, um all die erfrorenen Piepmätze heimlich zu ersetzen. Hier geht das Stadtmarketing, wie ich finde etwas zu weit. 
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Veröffentlicht am: Januar 15, 2013



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