Es geht um Gott in meiner Kolumne im FREIeBÜRGER für den August/September

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

ich gebe es nur ungern zu, aber ich wurde Opfer von „Hoffnung“. Seit Jahren hab ich mir diese mühsam ausgetrieben und ganz gut ohne gelebt. Leider kam sie Mitte Juni zurück und in meiner letzten Kolumne zum Ausdruck. Ich war davon überzeugt, dass dieser Sommer ein Kühler und Nasser und somit ein richtig Guter werden wird. Ich habe gehofft, dass es vielleicht doch einen Gott gibt, der meine nie gebeteten Gebete erhört und mir endlich mal ein gemäßigtes Klima für Juli und August spendiert. Ich fand, dass ich mir den echt verdient habe. Die Anzeichen waren ja auch hervorragend und so wagte ich, zu hoffen. Aber was nach der Abgabe meiner kleinen Kolumne wettermäßig auf mich zukam, war exakt das Gegenteil von dem was ich erhofft hatte. Das Gegenteil von schönem Wetter nämlich. Hitzerekorde wurden gebrochen und die Erde verdorrte. Wenn es einen Gott gibt, dann hat er alles drangesetzt, mich persönlich zu ärgern, mein Leben in eine Hitzehölle zu verwandeln und mich zum Tragen würdeloser, kurzer Hosen zu zwingen.

 

es geht um gott in meiner kolumne im freiebuerger fuer den augustseptember 1024x500 Es geht um Gott in meiner Kolumne im FREIeBÜRGER für den August/SeptemberChristen sehen ja in allem „Gottes“ Werk. Sie erkennen ihn in Regenbogen, Kinderlachen und Einhörnern. Also in all diesem Heititei-Wohlfühl-Mist, aber wenn es um HIV, Krebs und Hitzewellen geht, werden Gottes Werke plötzlich „mysteriös“ und unergründlich. Was ist denn Bitteschön daran mysteriös, wenn sich jemand wie ein Arschloch verhält. Irgendwie ist dies, das am wenigsten mysteriöse Handeln, das ich mir vorstellen kann. Wenn ich einem Neugeborenen eine Ohrfeige gebe, Omas mit Rollatoren schubse und kleine Hunde beim Koten störe, dann bin ich einfach ein beschissenes Arschloch. Ohne Diskussion! Und wenn ich eine Welt erschaffe, bin ich zumindest verantwortlich für das, was darin passiert und lehne mich nicht auf meiner Wolke zurück und lass alle, die darin leben müssen, daran leiden, dass ich es nicht richtig hinbekommen habe. Wie soll das ohne Fehler in sieben Tagen auch gehen. Da kann nur Murks rauskommen. Andere mit meinen  Konstruktionsfehlern zu quälen ist nicht unbedingt ein Zeichen von Güte. Selbst Daimler hat seine Elchtest-Autos zurückgezogen und nachgebessert.

Auch wird mir immer wieder mit der Hölle gedroht. Manch einem mag ausreichen, dass zumindest  die Vorhölle vom Papst persönlich abgeschafft wurde, mir reicht das jedoch nicht für mein Seelenheil aus. Klar, wenn es einen Himmel gibt, muss es auch eine Hölle geben. Gott hat die Welt und alles erschaffen, soweit kann ich mir das noch vorstellen. Ich seh mir auch Superman an und kann mir vorstellen, dass der schnellste Mann der Welt „Flash“ ist. Gott wiederum hat sich in seinem kranken Hirn einen Ort ausgedacht, wo diejenigen reinkommen, die nicht an ihn glauben oder wahlweise sich nicht zu hundert Prozent an seine Regeln gehalten haben. Diese werden dort dann eben gequält und bestraft. Soll ich allen Ernstes glauben, dass der Chef der Hölle mich bestraft, weil ich die göttlichen Regeln missachtet habe? Warum sollte der Teufel mich für die schlimmen Sachen bestrafen, die ich so im Laufe meines kleinen Lebens angestellt habe? Schließlich war ich ja einer von seinen Jungs! Irgendwie klingt es für mich logischer, wenn er mich mit einem erfreuten „High Five“ begrüßt und mir die klimatisierte VIP-Lounge zum Dank anbietet. Von wegen Fegefeuer, da müssten all die Christen schmoren, die zu langsam auf der Himmelsleiter unterwegs waren. Oder die, die sich ein Kreuz um den Hals hängen. Wenn dieser Jesus je wiederkommen sollte, kann ich mir nicht vorstellen, dass er diese ganzen Kreuze sehen will, die überall an Hälsen und Kirchen rumhängen. Wenn ich eine Sache aus der „Passion Christi“ von Mel Gibson gelernt habe dann, dass Kreuze und Nägel so ziemlich das Letzte sind, was man zu sehen wünscht, wenn man gekreuzigt wurde. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass wenn man es irgendwie schafft, noch mal von den Toten aufzuerstehen einen Fetisch für die Dinger entwickelt. Superman ist selbstverständlich auch nicht scharf auf Kryptonit-Anhänger.

Abgesehen davon verstehe ich diese ganze Aufregung um Jesus sowieso nicht. Wieso muss eine monotheistische Religion einen Stellvertreter von Gott anbeten? Die anderen großen Religionen machen dies, soweit ich weiss, ja auch nicht und fahren ganz gut damit, keine Folterwerkzeuge mit Leidensabbild überall aufzustellen.

Neulich las ich über die ganze Religionsache einen Gedanken, den ein norwegischer Stand-Up Comedian namens Dag Sørås  geäußert hat und von der  „Huffington Post Online“ aufgegriffen wurde.

„Warum spricht man, wenn es um Thor und Odin geht, von nordischer Mythologie, wenn es aber um Gott und Allah geht, von Religion? Der Unterschied ist natürlich, dass die meisten von uns kapiert haben, dass Thor und Odin nicht existieren. Aber nur wenige von uns haben verstanden, dass die anderen auch nur Fantasy sind. Ich meine, Christen sind Atheisten, wenn es um Thor und Odin geht. Das ist, als würde man sagen ‚Ich weiß, dass Batman und Superman nur Fantasy sind, aber zu Spider-Man habe ich eine innige und persönliche Beziehung.’“Wahrscheinlich war es der Bezug zu Superhelden-Comics, der mich bewegte, aber irgendwie ist da was dran. Ich wär eh dafür, sich für jede Situation einen passenden Gott auszuwählen. Das machen die Hindus oder die ollen Griechen schon ganz richtig.

Egal, seit meiner Kindheit hadere ich mit dem Konzept „Gott“, der den lieben langen Tag nichts Besseres zu tun hat, als argwöhnisch auf seine Steintafeln zu glotzen und zu kontrollieren, ob ich seine Regeln einhalte. Einzig mit dem Ziel, mich für Vergehen zu bestrafen und mich nach dem Tod in die Hölle zu schicken, um mich dort mächtig und ordentlich zu bestrafen. Trotz allem wird mir von Christen erzählt, dass er mich sehr lieb hat. Was für ein Quatsch. Wenn er mich so lieb hat, sollte er es doch irgendwie hinbekommen, dass er zumindest einmal im Jahrzehnt ein bisschen am Wetter schrauben kann, damit es nicht ganz so unerträglich ist.

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Für alle die nicht den FREIeBÜRGER kaufen können hier die Kolumne. Der FREIeBÜRGER ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung FREIeBÜRGER in Freiburg (hier).

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Veröffentlicht am: August 27, 2015



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