Ein Tatortscript für Freiburg in meiner Kolumne Januar für den Frei(e) Bürger

 Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
mein Leseraufruf aus der letzten Ausgabe wurde tatsächlich erhört. Ein treuer Leser mit dem Namen Tom hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass in Freiburg ein Tatort gedreht werden soll. Hauptrolle hat Heike Makatsch. Juhhuu! Zwei super Sachen kommen hier zusammen, eine sehr fotogene Stadt und eine talentierte Schauspielerin, da kann ja nichts mehr schief gehen. Nach längerer Recherche wurde mir aber mulmig. Der SWR zeichnet sich hier federführend. Aus deren Tatortproduktionen kommen so Lichtgestalten wie Ernst Bienzle, Odenthal & Kopper, Blum & Perlmann und den stark angefangenen und dann ganz schnell nachlassenden Tatort mit Lannert & Booz aus Stuttgart. Auf der Webadresse werden sie als „Multi-Kulti-Team“ bezeichnet, da fröstelt es mich in meiner warmen Stube. 
Nun ist guter Rat teuer, denn die Wahrscheinlichkeit, dass aus der Anfangslage (fotogene Stadt/talentierte Schauspielerin) ein katastrophaler Tatort entsteht, ist unermesslich hoch. 
Nun bin ich in meiner Funktion als ungefragt Ratschlagender gefragt und muss versuchen einen eventuellen Autor des neuen Tatortes, der diese Zeilen zufällig liest, mit guten Ideen zu beeinflussen. 

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Mein Drehbuch für den Tatort in Freiburg

Tatortentwurf für Freiburg
Nun folgt ein wohldurchdachtes Skript, welches mit typischen Tatortelementen durchsetzt ist. Dieses konnte einzig und allein durch den übermäßigen und jahrelangen Tatortkonsum entstehen. 
Achtung Spannung……!
Nach dem Tatort Titel folgt eine unbeschreibliche Szene auf der Esoterikmesse „LebensART“. Eine Steadiecam wühlt sich bei der Verfolgung eines, nur von hinten zu sehenden Hippies, durch die überfüllte Halle. Jeder Teilnehmer der Messe, welcher sichtbar wird, trägt entweder einen dreieckigen goldenen Hut, ein naturfarbenes, wallendes Gewand, kosmische Riesenketten, Aura Gerätschaften, Pendel, Räucherstäbchen, Dreadloks, Trommeln, Panflöten oder Pfurzrohre … oder alles in Kombination. Der von der Kamera verfolgte Mann, scheint am Ziel angekommen zu sein. Er öffnet die Tür zur Toilette, vergewissert sich, dass niemand mit ihm eingeschlossen ist und beginnt, die Türe mit Bauschaum abzudichten. Als dies erledigt ist … Großaufnahme eines Zünders in seiner Faust. Er drückt den roten Knopf. BÄÄÄMMMMmmm! Eine Rauchwolke, wie bei Tschernobyl entsteht in der Messehalle, ein wildes Durcheinander symbolisiert durch herumschwirrendes Papier und Wackelkamera, Panik! Sogar die Trommeln fliegen herum. Nach kurzer Zeit ist alles still. Der Zuschauer vermutet Giftgas. Der Mann lauscht an der Tür und schreitet hinaus. Auf dem Weg schnappt er sich ein Pfurzrohr (Didgeridingsbums) von einem auf dem Boden liegenden Rastazausel und kommt an einer Podiumsdiskussions-Bühne an. Darauf sitzen „Anselm Grün“-Typen und alle Akteure vom Kanal Telemedial zusammengesunken auf ihren Stühlen. Ein Mann, der Thomas Hornauer verdammt ähnlich sieht, ist rücklings auf den auf der Bühne befindlichen Tisch geknallt und ebenfalls ohnmächtig. Nun schwingt der Protagonist das Pfurzrohr und das Massaker beginnt. Schnitt. In der nächsten Einstellung sieht man Heike Makatsch auf dem Münstermarkt. Ihr Telefon klingelt und im klarsten Hochdeutsch sagt sie, dass sie in fünf Minuten da sei. Nächstes Bild Freiburg Messe, Polizei, Rettungswagen, Absperrband und Schaulustige. Makatsch fährt mit einem riesigen SUV vor und steigt sehr elegant aus. Ein sehr dicker Mann in einem weißen Schutzblaumann tritt auf sie zu und redet in einem, für den Zuschauer vollkommen unverständlichen, Hotzenwälder Dialekt auf sie ein. Sie betritt, während der Hotzenwälder sie vollquasselt, die Halle. Der Zuschauer geht immer noch von einem Giftgasanschlag aus, aber Makatsch wiederholt das Kauderwelsch für den Zuschauer. Die Besucher der Messe wurden mit einer Weihrauchbombe bewusstlos gestunken und sind alle benommen, aber wohl auf, in der Uniklinik. Das einzige Opfer war, nennen wir es einfachheitshalber, Thomas H., welcher erschlagen auf der Bühne mit einem Didgeridoo im Mund blutüberströmt auf einem Stuhl auf der Bühne drapiert wurde. Sofort schließt die Ermittlerin auf Ritualmord. So, der Tatort ist besichtigt. Nun muss der Täter präsentiert und das Niveau gesenkt werden. Auf dem Weg zum Auto erspäht Makatsch einen Mann in den Reihen der Schaulustigen, den sie irgendwie kennt. Flashback mit Sepia-Effekt. Makatsch und der Typ beim Bau eines Hippieschwitztipis, beide im Schwitztipi bei Mantragesang, beide beim Trommeln nackt vor einer Jurte. Geschickt sind Makatschs lange Haare vor ihrer unverhüllten Brust drapiert, sodass man nur erahnen kann, ob sie Holz vor der Hütte hat. Bei einer sehr romantischen Szene an einem ostdeutschen Baggersee erfährt man, dass der Typ Jürgen heißt und mit Ihr aus der Szene aussteigen will. Er erklärt Ihr, dass es ein bundesweites Hippie-Ausstiegsprogramm gibt, welches ihnen ermöglicht unerkannt eine neue Existenz aufzubauen und dass sie ab jetzt vorsichtig sein solle. Es folgt wildes Kofferpacken, Flucht und ein Friseursalon, in dem die Zotteln abgeschnitten werden, ein Modehaus, in dem beide ein Umstyling genießen. Flashback Ende. Makatsch schaut auf und Jürgen ist weg. 
Der Zuschauer merkt, das kann kein Zufall sein. Sie steigt ein und fährt ins Polizeirevier Mitte. Im Revier angekommen sind die Medien-Geier der Badischen Zeitung schon da, knipsen und fragen wild durcheinander. Sie kämpft sich durch die Medienmeute und kommt total verschwitzt in die Abteilung. Mehreren Menschen bellt sie im Vorbeigehen Befehle zu. DNA-Analyse, Spurensicherung, Pathologe, die Besucher müssen befragt werden, die Aurabilder analysiert etc. In Ihrem Büro reißt sie die Schublade auf und genehmigt sie sich ein Kirschwasser. Aha. Die taffe Kommissarin ist Alkoholikerin mit einem dunklen Hippie Geheimnis. 
Die angehörigen des Opfers muss sie natürlich selbst befragen. Der Sohn des verstorbenen hat einen Stand auf dem Stühlinger Bauernmarkt. Dort angekommen trinkt sie erstmal einen Kaffe und kauft ein superleckeres Käserädle. Thomas H. Junior hat einen Stand mit selbstgemachten Musikinstrumenten. Als sie ihn anspricht, ergreift er die Flucht. Ein wildes Geränne durch den Stühlinger beginnt. Der Zuschauer ist ganz baff, dass sie mit den Schuhen so schnell und elegant rennen kann. Kurz vor dem Konzerthaus bringt sie den flüchtigen mit einer wagemutigen Flugrolle zu Fall. Daraufhin plappert er los, als ob es kein Morgen gäbe. Papa wurde erpresst, weil er eigentlich gar kein Esofuzzi gewesen sei und dies und anderes wollte er auf der Bühne öffentlich kundtun. Auf die Frage, warum er denn geflüchtet sei, antwortet er, dass er sie für die Eschpo gehalten hat, die EsoSchutzPOlizei, eine Geheimorganisation der Esoterik-Szene. Oha! Eine Nebenhandlung beginnt. Diese wird nun die nächsten 30 Minuten ins Leere führen, aber aufklärerisch die Eso-Szene beleuchten. Im Zuge dessen erfährt man immer mehr von dem Ausstieg der Makatsch aus der Szene, die Schwierigkeiten bei einem Neuanfang, die Angst trotz neuer Identität entdeckt zu werden und, und, und. Glücklicherweise trifft die Heike beim Nacktbaden am Opfinger Baggersee auf den schon lange nicht mehr aufgetauchten Jürgen. Sie unterhalten sich angeregt über ihre gemeinsame Vergangenheit. Jürgen war in der Fremdenlegion, weil er im normalen Leben kein Bein auf den Boden bekommen hat. Nach seinem Dienst ist er im Münster Messdiener geworden und immer noch aktiv in der katholischen Kirche. Nur der Zuschauer merkt, dass Jürgen nicht der arme, nette Mitaussteiger ist, sondern ein Wahnsinniger. Es kommt, wie es kommen muss, beide landen in der Kiste. Am Morgen danach wacht Heike in einem Hochbett, in einer typischen Freiburger WG-Wohnung, mit Dusche in der Küche, auf. Jürgen duscht und trällert dabei „We shall over come“. Sie kann nicht anders als seine Geldbörse zu durchwühlen. Hier findet sie den ersten Hinweis, dass Jürgen diesen Thomas H. erpresst hat. Sie stellt ihn zur Rede, es sind noch 8 Minuten, bevor Günter Jauch beginnt und er gesteht alles. Thomas H. hat ihn nach seinem geglückten Ausstieg bei einer Messe im Münster wieder erkannt und wollte ihn an die Eschpo verraten, wenn er ihm nicht hilft, noch mehr verwirrte Seelen für die gemeinsame Eso-Sache zu verführen. Er spielte dieses grausame Spiel mit, bis er erfahren hat, dass Thomas H. ein doppeltes Spiel spielt und nur auf Geld aus ist. Daraufhin hat er ihn zurück erpresst und irgendwie ist das dann eskaliert. Er hat die Weihrauchvorräte des Münsters gemopst und durch seine Erfahrungen bei der Fremdenlegion eine Weihrauchbombe gebastelt. Er wollte niemals jemanden verletzen, nur die Auflage des Enthüllungsbuches, welches auf der Messe verteilt werden sollte, vernichten. Dass er Thomas H. so brutal erledigt habe, sei auf dessen, selbst im komatösen Zustand, widerliche Körperhaltung zurückzuführen, er sei beim Anblick einfach ausgetickt. Makatsch legt ihm mit Tränen in den Augen die Handschellen an. Ende
So in etwa stelle ich mir den Tatort aus Freiburg vor. Wenn diese Zeilen nun ein Tatort-Autor lesen sollte, so schenke ihm oder ihr meine Ideen. Gern geschehen, dafür bin ich doch da! 
Tom, der für diese Idee verantwortlich war, bekommt natürlich ein handsigniertes Bild hierfür zugeschickt. 

 

Veröffentlicht am: Januar 15, 2014



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