Die Limburg und der Bischof in meiner Kolumne November für den Frei(e) Bürger

Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg (hier).

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
pünktlich zum November-Kolumnen-Abgabetermin bin ich krank, liege flach und bin enorm geschwächt. Wahrscheinlich werde ich, wie beim letzten Mal, sterben. 
Dabei war seit der letzen Ausgabe der Teufel los und ich hätte endlich genügend Themen was gehaltvolles zu schreiben. Weg von der Homestory, hin zu großen Gedanken. Da war zum einen die herrlich vollendete Selbstdemontage der FDP, die Älteren unter Ihnen werden sich noch erinnern. Die FDP war eine Partei, die in den Lexika unter dem Begriff „Arschgeigen“ zu finden ist und deren famoser Absturz bei der Bundestagswahl ein Mahnmal für alle aufgeblasenen Klientelpolitikbetreiber sein wird. Einen größeren Teil meines Hasses wollte ich aber auf die jüngste Entwicklung der Wahlplakate investieren, um dabei sehr elegant Walter Benjamin aus dem Hut zu zaubern und die „Ästhetisierung der Politik“ als ein Kennzeichen des Faschismus zu geiseln. Danach wollte ich dies wieder ein bisschen abschwächen und auf den mangelnden Inhalt im vergangenen Wahlkrampf zurück kommen. An diesem Höhepunkt angekommen wollte ich eine Anekdote aus dem schönen England streuen, um Ihnen liebe Leser, ein bisschen die Aufregung zu nehmen. Und die geht so: In einer Stadt in der Region Bedfordshire wurde aus Rücksicht auf eine Mitbürgerin die an Coulrophobie (die krankhafte Angst vor Clowns) leidet, alle Plakate eines Wanderzirkus entfernt. Anschließend wollte ich die Frage aufwerfen, ob dies nicht eventuell auch bei einem Bore-Out-Syndrom (das Krankwerden durch Langeweile) für Wahlkampf gelten und man dadurch alle Plakate entfernen lassen könnte.
die limburg und der bischof in meiner kolumne november fuer den freie buerger 2 Die Limburg und der Bischof in meiner Kolumne November für den Frei(e) Bürger
Bischof, Limburg und der 1000 Mark Schein
Aber nein, dies alles kann ich ihnen, liebe Leser, leider nicht bieten. So bitter diese Erkenntnis auch sein mag, Kinder- und Jugendarbeit macht krank. Die Kinder schleppen so ziemlich alles an Bakterien und Viren mit sich und das vermischt sich dann in meinem Jugendtreff zu einer Ultra-Super-Biowaffe. Liebevoll hat meine Frau diese Waffe Bio-Bums getauft. Und genau das hat mich umgebumst. Und ja, ich bin ein schlechter Kranker und leide wie ein Kaninchen bei Sonnenuntergang. Beim ersten Husten denke ich sofort und andauernd an qualvolle Todesarten, verfasse mein Testament und regle meine Beerdigungszeremonie. Im Moment bin ich mir beispielsweise vollkommen sicher, dass ich mich gerade wund liege und qualvoll an Thrombose sterben werde. Um wenigstens nicht auszutrocknen und als Mumie gefunden zu werden sauf ich Tee wie ein Kamel. Ob Pfefferminz, Kamille, Salbei oder esoterischen Hippie-Tee… es ist mir gleich. Verdünnung ist mein aktueller und bestimmt zum scheitern verurteilter Versuch, eine Heilmethode zu finden. Hab aber auch schon erfolglos andere Heilmethoden ausprobiert. So habe ich beispielsweise einem nicht näher benannten Voodoo-Gott einen Hähnchen-Döner geopfert und meine Seele zum Verkauf angeboten. Vielleicht hätten Chicken McNuggets gewirkt, aber der Donald ist zu weit weg. Ausgebremst und ans Bett gefesselt verfasse ich mit letzter Kraft diese Zeilen. Gott kann nur ein Sadist sein.
Apropos Gott, ich habe ja ein gespaltenes Verhältnis zur Kirche. In etwa könnte man es so beschreiben: Wenn ein Hardcore-Straight-Edge-Veganer beim Bundestreffen der Fleischerinnung in Brunsbüttel versucht, veganen Brotbelag an diejenigen zu verkaufen, die als Hobby „Büchsenwurst“ angeben. Von daher ist alles was die Kirche so anstellt, für mich, ein ideologischer Supergau. Nicht, dass ich Angst vor denen hätte oder so. Trotzdem jagt es mir noch immer einen Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, dass ich so viele Male auf den Kirchentagen den Christen Bio-Apfelschorle verkaufen musste. Junge, Junge, was ich da alles sehen musste. Hin und wieder wünschte ich mir meine Augen ausstechen zu können, aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht komm ich da irgendwann drüber hinweg und trau mich wieder zu träumen. Ich bin einfach nicht für solche Extremisten gemacht. Aber ich schweife ab.
Trotzdem kann ich nicht verhehlen, dass ich im Moment sehr gespant den Diskurs über Franz-Peter Tebartz-van Elst verfolge. Endlich wird mal über das viele Geld geredet, dass die Kirche besitzt und wie es um die Transparenz und Offenheit dieser Einrichtung bestellt ist. Denn trotz der weltweiten Wirtschaftskrise und den verordneten Sparmaßnahmen, steht die Kirche ganz schön gut da. Natürlich hilft der kostenlose staatliche Geldeinzugsservice bestimmt enorm um nicht mit dem Thema Armut in Berührung zu kommen.
Auch hilft es natürlich, dass der olle Napoleon irgendwann einmal die Kirchen enteignet hat, denn dadurch bekommt sie vom Staat immer noch jährlich ein hübsches Sümmchen in sechsstelliger Höhe ausbezahlt. Da dies leider nicht ausreicht, zahlt Vater Staat auch noch die Bischof Gehälter.
Leider tut man dem seltsam aussehenden Bischof mit den großen irren Augen Unrecht, der wollte bestimmt nur die Limburg wieder auf einem schönen, großen Geldschein sehen, wie zu D-Mark Zeiten. Hierfür dachte er, dass er nur die Wertigkeit der Residenz heben müsse und dann klappe dies schon. Das eigentlich Tragische daran ist, dass er hierfür die gut gefüllte Schatzkammer geöffnet hat und nicht die öffentliche Hand darum gebeten hat. Ist die Lehre der Logik eigentlich ein Hauptfach im Theologiestudium?
 
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Veröffentlicht am: November 15, 2013



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