Der Selbstversuch an der Ukulele in meiner Kolumne Mai für den Frei(e) Bürger

Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg (hier).
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Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
 
der selbstversuch an der ukulele in meiner kolumne mai fuer den freie buerger 300x146 Der Selbstversuch an der Ukulele in meiner Kolumne Mai für den Frei(e) Bürger
einmal mehr bin ich Opfer der Medien geworden. Beinahe jeden Tag höre ich beim Radfahren auf dem Weg zur Arbeit den Podcast von Hr2 der Tag. 
Eine wunderbare Sendung, die sich in einer Stunde mit einem aktuellen Thema beschäftigt. Hier kommen hochkarätige Experten zu Wort und das Thema wird meist recht kontrovers diskutiert, ohne zu langweilen. So ging es die letzen Wochen um die Ukraine, verschwundene Flugzeuge, Korruption, Hitlervergleiche, Piloten, die Wahl in Indien und nun ja, um die Ukulele. Letzteres fiel aus der Reihe der sonstigen Themen raus. Wahrscheinlich war kein besseres Thema zur Hand oder ein anderer Beitrag ist kurzfristig ausgefallen. Jedenfalls habe ich diesem eher gelangweilt gelauscht. An diesem Tag musste ich aber nicht nur einmal durch die Stadt radeln, sondern gleich vier Mal. Von Plagwitz nach Connewitz, von da nach Reudnitz, kurz zur Eisenbahnstrasse (laut Pro7 Taff, die schlimmste Straße Deutschlands!) und abends zurück nach Plagwitz. Dadurch habe ich den Beitrag gleich zweimal gehört. Irgendwie muss dies in meinem Konsumhirn etwas ausgelöst haben, dass ich eine regelrechte Gier verspürte auch Ukulele spielen zu können. Der Drang war in etwa so wie bei Homer Simpson und der Clownschule. Bei jeder Werbung am Straßenrand, springt Homer sofort auf diese an und kauft das beworbene Produkt. Bei der Werbung für die Clownschule reagiert Homer mit Ablehnung. Im Laufe des Tages jedoch, halluziniert Homer immer mehr von Clowns. Beim Abendessen springt Homer unvermittelt auf und teilt der völlig überraschten Familie folgendes mit „That’s it! You people have stood in my way long enough. I’m going to clown college!“ (hier) Ganz ähnlich ging es mir. Ständig zogen Tagtraumbilder, mit der Ukulele und mir, durch meinen Kopf. Beim Vorbeifahren an der Sachsenbrücke sah ich mich mit Ukulele sitzen, auf Arbeit klimperte ich ein Ständchen, ich sah mich, wie ich absolut cool die Ukulele auf meinen Rücken schnallte. So angefixt begann ich im Internet zu recherchieren und … Click! Hatte ich eine bestellt.
Nach langem Warten rückte der Liefertermin näher. Sie müssen wissen, dass mein Vertrauen in die Lieferdienste zerrüttet ist. Allen voran in die Deutsche Post. Zwei, dreimal im Jahr überkommt mich die Kreativität und ich zeichne Postkarten, welche ich dann zu Hunderten drucken lasse. Diese verschicke ich dann quer durch die Republik. Wenn ich nun von der Rückmeldung ausgehen würde, die die Empfänger mir geben, sind bestimmt 50 % nicht angekommen. Aber das wäre natürlich falsch, da nicht jeder der eine Karte bekommt, diese auch kommentiert. Da ich aber durchaus penetrant bin und mir auch ein Feedback einfordere, rufe ich eine Woche nach Versand der Karten die Empfänger an und will hören, wie schön sie meine Postkarte finden. Denn eines habe ich während meiner Lehre gelernt, wenn man sich nicht selbst um Lob kümmert, kommt auch keines. Hierbei musste ich feststellen, dass dieses „fishing for compliments“ auch peinlich sein kann. Jedes Mal, haben so um die 10% der Empfänger gar keine Postkarte empfangen. Das sind ja fast usbekische Verhältnisse! Mein Vertrauen ist nicht allein durch das eigene Versenden erschüttert, sondern vor allem durch den verhinderten Empfang von Päckchen durch Lieferdienste wie Hermes, UPS, DPD und wie sie alle heißen. Was man nicht alles anstellen muss, um an seine Päckchen zu kommen. Einfaches zu Hause sein reicht da oft nicht, da die armen Menschen von den Zustelldiensten oft keine Zeit zum Klingeln und Treppensteigen haben. 
Für die sichere Zustellung versuche ich zweigleisig zu agieren. So bin ich immer wie aus dem Ei gepellt, damit der Zusteller nicht von einem zweifelhaften Haushalt berichten kann. Auch nehme ich grundsätzlich alle Päckchen des Hauses an. Die Aufgabe der Endlieferung nehme ich sehr ernst. So versuche ich noch im Laufe des Tages dem eigentlichen Empfänger das Päckchen zuzustellen, auch wenn ich dafür weit nach 24 Uhr bei ihm Sturm klingeln muss. Dies alles um mich als positiven Empfänger in den Datenbanken der Lieferdienste markieren zu lassen. 
Wenn ich selbst etwas bestelle, plane ich dies immer von langer Hand. Beim Bestellen achte ich sehr genau darauf, wann der Liefertermin angegeben ist, um an diesem Tag erst am späten Nachmittag auf Arbeit zu müssen. Am angekündigten Liefertag stelle ich mich an die Hauseingangstür, mit einem warmen Getränk, um den Lieferknecht wertschätzend zu empfangen. Das Getränk warm zu halten ist gar nicht so einfach, da die Ankommzeiten vollkommen unberechenbar sind. So bin ich auch schon von acht bis elf an der Eingangstür gestanden und habe vergeblich auf meine Lieferung gewartet. Als ich dann, das nun lauwarme Getränk selbst zu mir nahm um mich aufzuwärmen, kam der Lieferheld um die Ecke und war zurecht ziemlich enttäuscht. Diesen Fauxpas wieder wett zu machen dauerte bestimmt zwei Monate. Ein Glück, habe nicht nur ich Probleme mit Lieferdiensten. Hier um die Ecke, in Eilenburg wurden 20 kg Kokain in Bananenkisten an einen Supermarkt geliefert. Ein paar Wochen vorher passierte Ähnliches in Berlin. Was sollen die Dealer mit den ganzen Bananen anfangen? Ein Skandal, wenn nun schon Drogenkartelle sich nicht mehr auf ihre Kuriere verlassen können, wem kann man dann noch vertrauen? Wie soll das mit dem Internethandel dann noch funktionieren?
Zurück zu meiner Ukulele. Nach einer emotionalen Odyssee hatte ich sie endlich in den Händen und fing sofort an mit einem sehr behäbigen Schweizer Youtube-Lehrer zu üben. Ich hätte nicht gedacht, dass das, was er mit seinen Fingern veranstaltet, überhaupt erlaubt ist. Beim Versuch dies nachzuahmen habe ich mir beinahe die Finger der linken Hand gebrochen. Nach ungefähr 5 Minuten üben taten mir die Fingerspitzen so weh, dass ich bei weiteren Versuchen jedes Mal in Tränen ausbrach. Auch stellte ich ziemlich schnell fest, dass ich weder ein Rhythmusgefühl noch Tongehör habe. Auch überfordert es mein kleines Gehirn, gleichzeitig von einem „Chord“ zum nächsten zu greifen, den Takt mitzuzählen und einen bestimmten Schlagrhythmus hinzubekommen. In der oben erwähnten Radio Sendung sprachen sie davon, wie simpel es sei die Ukulele zu erlernen, da sie nur vier Saiten hat. Es wäre so einfach zu erlernen, dass Menschen die zum aller ersten Mal ein Instrument lernen wollten damit supidupi zurecht kämen. Die machten mir Hoffnung, schwärmten von Hawaii und dem leichten Lebensgefühl, welches mit der Ukulele kommen würde. Alles erstunken und erlogen! Aus der Traum, auch einmal so sexy zu sein wie Marilyn Monroe mit ihrer Ukulele.
Glaubt keinem irgendetwas, wenn es um einfach zu erlernende Instrumente geht, damit geht man nur baden. Ich werde dieses Instrument nun als Tischtennisschläger verwenden und so meine Skills mit der Ukulele verbessern.
 
 Der Selbstversuch an der Ukulele in meiner Kolumne Mai für den Frei(e) Bürger
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Ach ich durfte auch das Titelbild gestalten… Die LinkeListe des Stadtrates hat den leider verstorbenen Chefredakteur und Steuermann des Frei(e) Bürger Uli Herrmann (Chronik) für die Aufnahme in die Straßen/Platzbenennungsliste vorgeschlagen. 

 
 
 
 
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Veröffentlicht am: Mai 14, 2014



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