Demokrat Sein in meiner Kolumne November für den Frei(e) Bürger

Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll  für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg. 

Für alle, die nicht in Freiburg sind und somit nicht an die Ausgabe kommen können hier der Inhalt.

Kauft den Frei(e) Bürger!

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
 Als ich vor ein paar Jahren, kurz, nachdem ich ein vereidigter Demokrat wurde, wurde ich, wie es sich für einen Demokraten gehört gleich zum Wahlhelfer ernannt. Übrigens zum allerersten aber auch einzigen Mal. Was aber kein Wunder war, denn vorher war ich ja dem demokratischen System noch nicht bekannt. Erst nach der Vereidigung nahm man Notiz von mir. Warum ich nun allerdings niemals wieder ernannt wurde, entzieht sich meiner Kenntnisse.  So saß ich also an einem schönen am Sonntag in einem trostlosen Wahllokal und schob einen kleinen Pappdeckel, der den Wahlschlitz verdeckte, hin und her. Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass ich mit den anderen Wahlhelfern eher „Galgenmännchen mit Demokratiebegriffen“ an der Tafel spielte, da nichts los war. 
Wählermüdigkeit und Wahlbeteiligung bekommt einen ganz anderen Kontext, wenn man als Wahlhelfer sich so langweilt, dass Zeit relativ wird. Ich habe mich nach zwei Stunden ernsthaft gefragt, wie alt ich war, als ich mich da hinbegab. Die nackten Zahlen der Politikverdrossenheit, von der ich immer wieder las, wurden mit einem Mal mit Leben gefüllt. Stolze 15 % Beteiligung an dem Wahllokal, in dem ich sitzen durfte. Ab wie viel Prozent wird eine repräsentative Demokratie eigentlich noch gewertet?
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Ein einziges Erlebnis hat mich aber dann durch den Tag getragen. Ein recht angegrautes Ehepaar, das recht massiv daran gehindert werden musste, nicht gemeinsam die Wahlkabine zu benutzen.. (Argument des Mannes: „Wir wählen seit Jahren schon das gleiche“).. haben so lautstark in ihren jeweiligen Kabinen gewählt, dass von geheimer Wahl nicht die Rede sein konnte. Die Dame hat die Entfernung mit Lautstärke überbrückt und „Fritz ich find die CDU nicht“ geblökt. Er wiederum hat aus seiner Kabine Ihr lautstark erklärt, wo diese zu finden war. Leider stellte die zeitgleich stattfindende Kommunalwahl mit dem vielen kumulieren und panaschieren die beiden dann vor unüberwindbare Hindernisse. Was aber nur an der Entfernung zwischen den Kabinen lag, wie beide nach der Wahl mir versicherten. So also ist Demokratie… schön dass ich dabei war. 

Aber ich schweife ab. Diese Episode zeigt aber recht anschaulich, wie Vertrauen bei Eheleuten in intakten Ehen funktioniert. Mich hat dieses Erlebnis insoweit zuversichtlich gemacht, da es wohl durchaus Hoffnung gibt, enorm viel Vertrauen in den anderen setzten zu können, dass man sich gegen den Widerstand von außen trotzdem für eine Sache steht. In diesem Fall die CDU.
Sie, liebe Leser, kennen solche Situationen mit anderen Vorzeichen bestimmt auch. Man kann selbst etwas aus nahe liegenden Gründen nicht tun und bittet jemand anderen darum dies für einen zu erledigen. Dies setzt in der Regel erst mal Vertrauen voraus, das dies dann auch zumindest so ähnlich umgesetzt wird, wie man das denn gerne hätte. Je nach Komplexität der Tätigkeit und dem Anspruch wird dies aber eine Gratwanderung. Persönlich komme ich mir des Öfteren vor wie ein Vertrauensbruchsammler, da ich wohl entweder zuviel vertraue, oder zu kritisch bin mit der übertragenen Aufgabe. 
Beispiele gefällig?
Gerne.
Wie sie an der Situation auf meiner Zeichnung recht anschaulich erkennen können, habe ich meinem Mädchen in Ihrer Schnitzerei blind vertraut. Die Aufgabe war, meinen Kürbiskopf so erschreckend böse zu schnitzen, dass ich den Kostüm-Wettbewerb gewinne. Leider waren Ihre Prioritäten anders gelagert. Sie fand es offensichtlich besser, den recht klar formulierten Arbeitsauftrag in ihrem Sinne umzugestalten. Anscheinend habe ich Ihr doch zu sehr vertraut. 
Dies ist an sich ja nicht so dramatisch und steht auch nur hier in einer Reihe mit dem folgenden Beispiel, weil mir das Motiv so gut gefallen hat und ich extrem lange daran rumgezeichnet habe. Aber um Sie, werte Leser nicht noch mehr zu langweilen, kommt nun das letzte Beispiel: 
Für jemanden wie mich, der aus der Hohenlohe kommt, ist Fasnacht nicht leicht zu begreifen. Das folgende Erlebnis soll Ihnen zeigen, wie ich durch die Fasnacht in Freiburg mein Vertrauen in Kreditinstitute an sich verlor. Als ich in meinem ersten Jahr in Freiburg an einem Donnerstag vor dem Rosenmontag in die Bank meines Vertrauens gehen musste, um irgendwie mein Dispo zu erhöhen, spielten sich vor meinen Augen wirklich seltsame Dinge ab. Anzumerken wäre noch, dass dieser Tag für mich bis dato keinerlei Bedeutung hatte.  Der Mann hinter dem Schalter, der für solche Bittgänge verantwortlich war, war als Clown verkleidet. Nicht nur mit roter Nase, nein so richtig. Er war sozusagen vermummt, aber hinter dem Bankschalter. Sehr irritiert versuchte ich mein Glück und verhandelte mit dem Kasperle. Leider gewährte er mir den dringend benötigten Dispo nicht. Ein Clown stellte sich quer! 
Wenn die ganze Situation nicht so bizarr gewesen wäre, hätte ich geheult.
In diesem Sinne
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Veröffentlicht am: November 15, 2012



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