Dealbreaker und Weinwandern in meiner Kolumne für den April

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,
eines vorweg, mir geht es seit einer Woche wieder besser. Sowohl körperlich als auch psychisch. Ein Hoch auf meinen schier unmenschlich gut arbeitenden Verdrängungsmechanismus, der schon fast mit der partiellen Amnesie von Dory aus „Findet Nemo“ vergleichbar ist.
Dieser ist auch schuld, dass ich mich an so viele Sachen einfach nicht mehr erinnere. So ist z.B. meine Schulzeit nur noch ein großes Erinnerungsloch. Ähnlich den Landkarten von Afrika bis Anfang des letzten Jahrhunderts. Klar gibt es Eckdaten, die ich gespeichert habe, aber wenn ich ehrlich bin, sind auch die nur hinter Nebel zu erkennen. Aufgefallen ist mir dies, als mich ehemalige Mitschüler meiner Hauptschulklasse angeschrieben haben, um ein Klassentreffen abzuhalten. Leider bekomme ich nicht mal mehr ein Viertel der Mitschüler zusammen, mit denen ich neun Jahre verbracht habe. Aber auch Ereignisse der jüngsten Vergangenheit sind beinahe komplett verdrängt. Ich kann mich weder an meine Chemo, noch an die Krankenhauszeit davor richtig erinnern. Trotzdem wundert es mich enorm, dass ich mich nicht mehr an meine Knochenmarkpunktion Ende 2015 erinnern konnte. Dementsprechend überrascht war ich, dass mir die, die ich nun hatte, so gar nicht gefallen hat. Vielleicht ist mein Verdrängungsmechanismus deshalb so gut, weil er es schafft, alles Unangenehme, Schmerzhafte und Banale an einen Ort meines Gehirnes zu verbannen, an dem ich noch nie war. Dieser ist eigentlich ganz gut mit dem Gedankenpalast von Sherlock Holmes vergleichbar, nur dass es bei mir eine Besenkammer ist, deren Schlüssel ich vor langer Zeit weggeworfen habe.

Oder aber ich werde einfach alt. Das erste Mal, als ich mich alt fühlte, war übrigens, als McDonalds plötzlich Salat und Apfelstücke im Sortiment hatte. Für mich war dies ein absoluter Dealbreaker. McDonalds, Burgerking und KFC sind doch, wenn man ehrlich ist, in erster Line für Betrunkene und Kinder gebaut. (Für Kinder kann ich nicht sprechen, da wir uns ja für einen Hund statt Kind entschieden haben. Ein Grund war, dass wir das Geräusch tapsiger, kleiner Füße auf dem Boden sehr mögen und da Kinder leider nur zwei Beine haben und ewig dazu brauchen diese zu benutzen, hat die Variante Vierbeiner klar gewonnen.) Wenn man betrunken ist, kommt einem die Verheißung der Schnellimbisse wie die Westminster Abbey in London vor. Der Deal ist doch, wenn man da rein geht, schmeckt es erstmal super, aber nach zwanzig Minuten will man sich selbst schnell umbringen. Es wird einem, selbst betrunken, plötzlich wieder klar, dass das Zeug, das man gegessen hat, eigentlich Gift für einen ist. Wenn man spürt, wie das ganze Fett durch die Adern fließt und einen innerlich vollkommen ausfüllt, fühlt man sich, wie wenn man einen Krieg verloren hat und auf die Überreste des Schlachtfeldes schaut. Wieder ein KO-Sieg für die Lust, gegen die Looserin Vernunft.
Trotz dieser regelmäßigen Erkenntnis kann ich der Verlockung eines RoyalTS im geistig geschwächten, also betrunkenen, Zustand oft nicht widerstehen. Auch liebe ich es, in kalten, versoffenen Winternächten mir einen heißen, verpackten Cheeseburger an die Backe zu halten, um einen Moment der Geborgenheit zu empfinden. Aber dass McDonalds und Co. durch die Kritik an ihrem sehr ehrlichen Konzept plötzlich angefangen haben Salat und Äpfel zu verkaufen, empfinde ich als eine Kapitulation vor den Heuchlern und Gesundheitsfanatikern.
Weinwanderung Freiburg und Umgebung 2 Dealbreaker und Weinwandern in meiner Kolumne für den April
Um es mal klar zu sagen, McDonalds ist nicht der Grund, warum man dick wird, der Grund, warum man dick wird, ist, dass man statt Äpfeln und Salat, eben jenen RoyalTS mit Pommes und Cola futtert. Wer geht denn Bitteschön zu McDonalds, um gesund zu essen? Es ist teuer, giftig und moralisch verwerflich. Wenn man gesund essen will, geht man in den Supermarkt. Dort werden einem Sellerie, Karotten, Lauch und Gurken für wenig Geld hinterhergeworfen. Aber so läuft das immer mit der Bevormundung durch die Fitnessapostel. Wie beim Raucher sind zu blöd, oder aktuell bei der Zuckersteuer, da die Limo-Trinker nicht wissen, dass da Zucker drin ist. Die Menschen bewegen sich zu wenig, darum muss man den Fitnessstudiobesuch fördern. Esst einen Apfel und geht spazieren! So bin ich auf den Hund gekommen. Aber nein, immer wird der unmündige Konsument von einer Verschwörung heimgesucht, denn „Irgendjemand wird ja wohl dahinterstecken, wenn es einem im täglichen Leben nicht gelingt, die kosmischen Kräfte endlich zu beherrschen“. Neben der von Kubrick inszenierten Mondlandung und vor allem den antisemitischen Verschwörungstheorien steht die Ernährungsmafia ganz hoch im Kurs all jener, die zu faul sind, sich mit der Welt, in der sie leben, auseinanderzusetzen. Klar ist es mühsam, sich die Zutatenliste der Fertigsoße durchzulesen, aber man ist ja nicht gezwungen, Fertigsoße zu kaufen. Nach wie vor kann man Soßen ganz wunderbar selbst machen. Auch gibt es keinen Grund sich über das Erdbeerkartell zu beschweren, wenn man im Winter geschmacklose Erdbeeren kauft. Man ist selbst schuld an der Misere! Analogkäse auf Fertigpizza kann einen doch nicht verwundern, oder? Für die Veganer unter uns ist Analogkäse übrigens ein Geschenk der Götter. Ähnlich wie beim Thema Lebensmittel ist oft das Verhalten, wenn es um die Gesundheit geht. Klar gibt es eine Industrie, die von Krebs lebt, aber die gibt es auch, wenn es um das Thema Reizdarm geht. Zumindest anhand der Fernsehwerbung über Darmprobleme gemessen. Jeder Bedarf schafft einen Markt und einen, der versucht, ihn zu decken. Das ist das 1×1 des Kapitalismus.
Plötzlich hat jeder was mit dem Darm und alle haben irgendwas mit Gluten und Laktose. Also gibt es bei jedem Bäcker nun glutenfreies Brot und auf jedem Hartkäse steht laktosefrei, obwohl der dies schon immer ist. Wenn ich im Café bin, kann ich zu neunzig Prozent vorhersagen, dass die Kundin, die gerade den Laden betritt, einen laktose- und und am besten koffeinfreien Latte Macciato möchte, aber dann trotzdem ihr Kuchenstück in einer riesigen Portion Sahne versenkt. Aber bei Laktose hört die Toleranz auf!

Wann fing es denn an, dass man unbedingt was haben muss, um dem reinen Genuss mit ominösen Ersatzstoffen zu schmälern? Und bevor ich hier Ärger bekomme, ja, es gibt Menschen mit Laktoseintoleranz, wie beispielsweise mein Freund G. Der nimmt irgendwas mit Laktose zu sich und nach 10 Minuten ist die Umgebungsluft um ihn herum noch unerträglicher als zuvor. Wenn ich aber der Bundesstatistik glauben darf, haben nur 6% der deutschen Bevölkerung eine Laktoseintoleranz. Bei Milcheiweis und bei Gluten sind es übrigens nur 3%. Umgekehrt haben ganze 79% der Deutschen überhaupt keine Probleme mit Lebensmitteln. Nun frage ich mich natürlich, warum ich beständig auf diejenigen treffe, die auf irgendwas allergisch sind. Kann es sein, dass es eine Korrelation zwischen Latte-Trinkerinnen und Unverträglichkeit von Milch gibt? Und wenn dies so ist, warum wird dann nicht einfach auf klassischen Espresso zurückgegriffen. Das ist natürlich erst mal ein Geschmacksschock, aber Bier hat am Anfang ja auch nicht geschmeckt.

Um mich herum schießen wie die Krokusse im Frühling immer mehr Gesundheitsapostel hoch, welche mir die Schulmedizin madig machen wollen. Ich kann ja verstehen, dass meine Freunde und Bekannten sich Sorgen machen, ob das, was die Mediziner der Uniklinik mit mir anstellen, denn so richtig ist. Ich denke einfach, dass ein Onkologe der mind. sechs Jahre Medizin studiert hat und sich anschließend vier Jahre spezialisieren musste, sich ganz gut im Bereich auskennt. Da kann jemand, rein ausbildungstechnisch, abstinken, der in seiner Mittagspause mal die Schrott&Korn gelesen und abends 5 Minuten mit Google verbracht hat. Ich wage zu bezweifeln, dass irgendwelche Traubenzuckerkügelchen die bessere Therapie sein soll. Darum wehre ich mich auch vehement gegen Eigenurintherapie und diese widerlichen Kümmelöle. Ich lasse die, die das gelernt haben, einfach mal arbeiten und dann sehen wir schon, was dabei rauskommt. Man geht ja auch nicht an einen defekten Computer und drückt ihm Kurkuma ins Laufwerk, damit er wieder funktioniert.
Und wieder bin ich abgeschweift, wir waren bei der Schwäche des Willens. Zum Glück liegen bisher zwischen mir und den Fast-Food-Buden meist die Gleise und der torkelige Weg nach Hause ist sowieso schon sehr weit. Da kommt ein Umweg oft nicht infrage. Bald werden wir aber in den Stühlinger ziehen und dann wird dieser weite Weg aber leider viel kürzer. Da ich mich aber ganz gut kenne und weiß, dass ich sehr sehr schwach bin, wenn ich Alkohol konsumiere, muss ich handeln. Hierfür greife ich tief in die Trickkiste und werde ab jetzt regelmäßig weinwandern. Entdeckt habe ich diese Sportart letztes Jahr, als ein Freund mich dazu einlud. Man braucht lediglich einen Berg, einen Becher, mehrere Kühlakkus und Wein. Wein und Akkus werden in den Rucksack gepackt und schon kann die Weinwanderung losgehen. Wichtig ist es nur, regelmäßig Pausen für den Wein einzuplanen, sonst ist es keine richtige Weinwanderung. Und egal wie viel Wein man trinkt, der nächste Burgerbrater ist unendlich weit entfernt.
In diesem Sinne,
Prost!

Veröffentlicht am: April 7, 2017



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