Das Grauen in München

Schlimmer konnte es nicht kommen: Völlig überraschend wurde ich von meinem Bio-Imbiss Paten nach München beordert. Zum Olympiapark, einem der 14 Fan-Parks dieser Größe in der BRD. Erschwerend kommt hinzu, dass dort just an diesem Wochenende der Schwachsinn der letzten Wochen sich dort entlädt. Erstes Spiel in diesem nun leider einen Monat andauernden Fußballwahnsinn.
Und ich – eindeutiger Gegner von Dumm-Deutschland, das sich da mit Flaggen und mit Deutschland … Deutschland … Oleeee Rufen an ein anderes kollektives Massenphänomen vor nicht allzu lange Zeit erinnert – mitten drin.
Vor Jahren, als ich noch ein kleiner Punker war, ertrug ich die Wandlung meiner engsten Freunde zu glühenden Nationalisten nicht, und flüchtete ins schottische Hochland. Wie es damals üblich war, nahm man den Zug und ein Interrail-Ticket, um ans Ziel zu kommen. Für mich war es das letzte Mal, dass ich die Vorzüge des Bahnreisens in Anspruch nehmen konnte, da ich die Altersgrenze ab da dann überschritt. Hatte aber schon, so glaube ich, dann 5 Mal die Gelegenheit, Europa kennen zu lernen.
Zurück zur Flucht. In Calais musste ich auf die Fähre übersetzten, um mit dieser die gelobte Insel zu erreichen. Ich war, wie schon erwähnt, ein kleiner Punker. Das heißt, ich hatte einen wunderschönen Iro mit allem Pipapo. Zu meiner Überraschung befanden sich auf der Fähre englische Fußballfans. In der Mehrzahl frustriert und aggressiv. Zuerst sind die mir nicht groß aufgefallen. Erst als der „Duty-Free“-Shop öffnete und das Bier in Strömen floss, machten diese ihrer angestauten Fußballleidenschaft Luft. Als ich die Situation erkannte, setzte ich mir eine unverfängliche Mütze auf und machte mich damit unsichtbar. Aber auch verdächtig. Ich betete zu Gott, dass die englische Mannschaft nicht von einer Deutschsprachigen besiegt wurde. Im Laufe der Fahrt sah es so aus, als wollten die wütenden Glatzköpfe das Schiff kapern und damit die Welt erobern.
Ich wechselte nach kurzer Zeit den warmen aber laut und mit Testosteronen gefüllten Innenraum mit dem kalten, nassen und windigen Außenbereich. Wo ich auf die Ankunft in Dover verharrte.
Der Plan zur Fußballflucht ist bis hierhin deutlich in die Hose gegangen.
Aber es geht noch weiter, denn dies war auch der Schottlandbesuch, an dem ich fast ersoffen bin. Davon aber im nächsten Blog.
Hier sei nur noch zu erwähnen, dass selbst in der Einsamkeit der Highlands das Thema Fußball hin und wieder hochkochte. Dazu ein Beispiel:
Nach ca. 5 Tagen ohne eine Menschenseele zu sehen, traf ich zwei Wanderer (neudeutsch Trecker) die mir sofort die aktuellen Ergebnisse in puncto Fußball predigten. Das Ereignis war, dass die Engländer irgendwo rausgefolgen sind. Meiner Erinnerung nach waren daran Deutsche beteiligt. Hierzu muss gesagt werden, dass alles, was die Engländer besiegt, kränkt oder demütigt- egal in was -, in Schottland absolute Sympathien hat. Sei es die Nazis, die London bombardierten, oder wenn andere englische Sportmannschaften in egal welcher Disziplin besiegen. Wie zum Beispiel die Deutschen. Und hier schließt sich derKeris.

Veröffentlicht am: Juni 8, 2006



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