Bloß nicht auffallen als Neubewohner des Stühlingers in meiner Kolumne August-September

Ein fröhliches Aloha liebe Leser!
Ein Umzug ist ja auch immer ein Neuanfang. Man wechselt die Wohnung und dabei muss man auch jeder Institution seine neue Adresse mitteilen. Warum also nicht die ein oder andere Institution wechseln, dachte ich mir. So habe ich als erstes den Stromanbieter, den Gaslieferanten und das gewohnte Bier gewechselt.

Wie bei jedem Umzug versuchte ich mich wieder einmal mit dem Kontowechsel auf der Bank. Es ist übrigens immer die gleiche Bank. Seit ich denken kann, bin ich bei der Sparkasse und so langsam verliere ich die Geduld mit denen. Nicht nur, dass nicht alle Sparkassen zusammengehören und so man auch nicht einfach nur seine neue Adresse mitteilen muss. Nein, auch muss man jedes Mal wieder seine Kreditwürdigkeit unter Beweis stellen, um ein Dispo zu bekommen. Seien wir mal ehrlich, ich würde keinen Dispo brauchen, wenn ich a.) genug verdienen würde, um nicht in der Monatsmitte schon sehnsüchtig auf das neue Gehalt zu warten, und wenn ich b.) haushalten könnte. Zudem bin ich leider nicht in einer Zeit aufgewachsen, in der einem Schulden auf der Bank etwas ausmachen. Wie soll ich denn unter diesen Voraussetzungen glaubhaft meine Kreditwürdigkeit unter Beweis stellen!? Die Sparkasse und mich verbinden eigentlich nur emotionale Gründe, auch wenn ich es gerne anders hätte. Für gewöhnlich neige ich ja nicht zu großen Gefühlsausbrüchen, aber in diesem Punkt bin ich sehr gefühlig. Bei jedem Umzug versuche ich, mein Konto bei der Sparkasse zu kündigen und ein neues Konto bei der Sparkasse zu eröffnen. Die doofe Volksbank hatte nur das blöde „Mark & Penny“-Heftchen, das bei Geschichten und vor allem in Punkto Zeichnungen definitiv in der Heftchen-Kreisliga spielte, während das „KNAX“-Heft in der Heftchen-Bundesliga sogar dem „Mickey Maus“-Heft den Rang ablaufen konnte. Das kam natürlich auch ein bisschen auf die Abenteuer von Fetz Braun, Langbart, Zipfel, Pierre Kattun und natürlich Backbert mit Steuerbert an. Aber sie hatten das Potential, sich mit den großen ihrer Zunft zu messen. Schlau wie Herren und Damen der Sparkasse nun mal sind, haben die mich recht früh mit dem KNAX-Club geködert und meiner Meinung nach bin ich immer noch drin, da mir nie die Mitgliedschaft gekündigt wurde. Die Bankangestellten sehen dies aber vollkommen anders, auch wenn ich immer den Mitgliedsausweis dabei habe, wenn ich ein neues Heft möchte. Deren Antwort ist immer dieselbe: „Leider bekommt man als ´´Erwachsener` keine KNAX-Hefte mehr“. Auch wenn man es als Bedingung für eine Kontoeröffnung macht. Die hüten die Hefte wie ein irischer Leprechaun sein Gold. Das KNAX-Heft wieder regelmäßig zu bekommen, wäre der einzige Grund, der mir einfällt, ein Kind zu bekommen. Aber da wird nichts draus, da ich mir ja die Taue habe kappen lassen.

Ein anderes Problem, was immer bei neuen Hoods auftaucht, ist, dass man sich mit dem Viertel assimilieren muss, um nicht als Newbee oder gar als Tourist von den Einheimischen angesehen zu werden. Die Gefahr ist, dass man dadurch sozial ausgegrenzt wird und erst nach ein paar Jahren den Status eines Geduldeten bekommt. Als wir nach Leipzig gezogen sind, habe ich nämlich diesen Kardinalfehler begangen und bin völlig unbedarft in alle Geschäfte in Plagwitz gewackelt, ohne mir Gedanken zu machen. Leider kam ich durch diesen blauäugigen Fehler erst nach Jahren in den Genuss der den Sachsen inhärenten Freundlichkeit. Diesen Fehler wollte ich im Stühlinger nicht noch einmal begehen und arbeitete mir für die Übergangszeit einen Schlachtplan aus, um nicht als Fremdkörper in diesem sozialen Gefüge aufzufallen.
Um Ihnen die Problematik in einem neuen Viertel zu verdeutlichen, werde ich im Folgenden über das unerkannte Einkaufen in der neuen Hood schreiben. Denn dies war tatsächlich ein größeres Problem, denn der Nobel-Penny in Herdern hat mein Einkaufsverhalten versaut. Dieser hatte bis 22 Uhr geöffnet und ich habe mich daran gewöhnt, dass ich kurz nach acht unsere Lebensmittel fürs Abendbrot einkaufe und dann erst koche. Nun hat der Treff 3000 aber leider nur bis acht offen. So muss ich also morgens vor der Arbeit einkaufen gehen, wobei ich dazu sagen muss, dass morgens ein ziemlich dehnbarer Begriff ist, für jemanden, der im sozialen Bereich arbeitet. Zurück zum Problem. Da wir für gewöhnlich zum Abendessen mal Bier, mal Wein trinken muss der natürlich auch mit eingekauft werden. Und es ist definitiv ein Unterschied, ob man abends Alkohol kauft oder morgens. Also habe ich mich die letzten Wochen vor der Vortagsbäckerei in der Lehener rumgedrückt und die Konsumenten des Treffs beobachtet. Die zehn Jahre Soziologiestudium haben mich genau auf diesen Moment vorbereitet. Zum Glück habe ich aus den Jahren des Messebaus noch Arbeitsklamotten, um als Beobachter nicht aufzufallen.
Nun saß ich da also und beobachtete. Mein ehemaliger Prof Baldo Blinkert wäre bestimmt stolz auf mich. Und ja, mehr und mehr fühlte ich mich wie ein Teil der Umgebung, ich verschwand sozusagen in der Masse der Arbeiter, die da rumsaßen und Pause machten. Nur der Handyzubehörladenbesitzer von gegenüber schien mich misstrauisch zu beäugen. Brille, Nase und Bart waren aber schnell besorgt und so wechselte ich mein Äußeres beinahe stündlich.
Nach zwei Wochen, obwohl ich mit meinen Sozialstudien noch nicht ganz durch war, meldete sich meine Gattin, dass sie nun endlich wieder ein warmes Abendessen benötige. Sie meinte, dass ich „mich nicht so anstellen und einfach einkaufen gehen soll.“ Sie müssen wissen, werte Leser, dass meine Frau eine Schreinerin ist und mir seit ca. einem Jahr, was die körperliche Kraft anbelangt, weit überlegen ist und mir, wenn sie ihre Muskeln spielen lässt, durchaus ein Gefühl der Angst einjagt. Dermaßen unter Druck neige ich zu Schnellschüssen und so nahm ich all meine empirische Sozialforschung zusammen und bereitete mich auf den ersten Einkauf im Treff 3000 vor. Kurz nach acht morgens streifte ich ein extra für den Einkauf besorgtes Feinripp-Unterhemd über, welches in Fachkreisen auch als „Wifebeater“ bekannt ist. Dazu zog ich mir eine vergessene Jogginghose mit Fake-Adidas-Streifen aus dem Jugendtreff an und setzte eine Schildmütze auf, die mein Hund an der Dreisam gefunden hatte. Die Brille ließ ich zuhause, damit ich nicht als intellektueller Bohéme verachtet werden konnte. So ausgestattet, ging ich los. Natürlich habe ich mir eine alte Plastiktüte besorgt, um ja nicht mit meinem Einkaufskörbchen, welches ich sonst nehme, aus der Rolle zu fallen. Im Treff angekommen ging ich zielstrebig zur Bierabteilung und sah mir dort die Kundschaft genau an. Als dann der Moment kam, wo ich mir sicher sein konnte, nicht beobachtet zu werden, ging ich Flix zur Gemüseabteilung und verstaute den Salat und das Obst in meiner mitgebrachten Tüte. Schnell zurück zur Alkoholabteilung und Bier zum Kaschieren oben drauf gepackt. Puh. Keiner hat es gesehen. Nun nur noch die Milch und ab zur Kasse. Hier kam der kritischste Moment der Operation. Ich musste mich lange am Weinregal rumdrücken, um den perfekten Zeitpunkt zu erwischen, das Gemüse auf das Band legen zu können, ohne dass die Diskrepanz zwischen gesunden Lebensmitteln und Alkohol auffällt. Als dies geschafft war, bildete ich in Windeseile eine Hohlsäule in meiner Tüte und verstaute das Obst und Gemüse darin. Oben kam nochmal eine Schicht Bier und nach bestandenem Klangtest konnte ich getrost nach Hause gehen. Das rhythmische Geklimper der Flaschen verstärkte nur meine Tarnung. Leider kaufe ich durch diese Maßnahmen mehr Bier als je zuvor und muss auch mehr trinken, damit es nicht schlecht wird.Nackter PinUp mit Schwimmreifen e1502510431711 Bloß nicht auffallen als Neubewohner des Stühlingers in meiner Kolumne August September
Na dann, Prost und bis nach der Sommerpause. Ich wackle mit meinem neuen Schwimmreifen mal ins Lorettobad, da soll es ja heiß hergehen.
Euer 1234rock

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Veröffentlicht am: August 12, 2017



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