Angststörung und Pegida in meiner Kolumne im FREIeBÜRGER für den Februar

Für alle die nicht den Frei(e) Bürger kaufen können hier die Kolumne. Der Frei(e) Bürger ist eine von ehemaligen Obdachlosen sebstgemachte Straßenzeitung. Die Redaktion besteht aus drei Leuten und zwei Zwei-Euro-Jobs. Die Verkäufer kaufen die Zeitungen direkt in der Redaktion, die aus einer handvoll für 0,80 Euro pro Heft ein und verkaufen dieses dann für 1,50 Euro. Diese 80 Cent pro verkaufte Zeitung sind die finanzielle Grundlage für das gesamte Projekt. Kostendeckend ist die Zeitung bei rund 3500 verkauften Exemplaren. Die aktuelle Kolumne findet man, in der Straßenzeitung Frei(e) Bürger in Freiburg (hier).
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Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

 

die letzten Monate war Pegida ja omnipräsent auf allen Kanälen und leider kann man die ganze Sache auch nicht mit „das sind alles Idioten“ abtun. Man muss ja schließlich die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen und … BLABLABLA.

Das Einzige, was man ernst nehmen sollte, ist der Medienhype um diese komische Pegida. Dieser entstand meiner Ansicht nach vor allem dadurch, dass die Teilnehmer nicht mit der Presse reden wollten und Pressevertreter beschimpften. Von da an verfolgten die Medien eine clevere, aber in diesem Fall leider erfolglose Taktik. Bei Themen wie Fleischskandal, Ukraine, Überschwemmung etc. wird so lange darüber berichtet, bis es niemanden mehr interessiert. Leider schien dies aber eher Werbung für Pegida zu sein und auf die Teilnehmer ähnlich zu wirken wie Scheiße auf Fliegen. Auch wenn ich nicht verstehe, warum man montags in Dresden auf die Strasse geht, um gegen eine Islamisierung zu demonstrieren. So wie ich das aus dem Migrationsbericht gelesen habe, sollten wir uns auf ein Re-Christianisierung vorbereiten, denn die meisten Zuwanderer kommen vor allem aus den katholisch geprägten Staaten Osteuropas.

 

Wobei, genauer betrachtet, kann man ja auch ein bisschen stolz sein, dass in Deutschland 25.000 Menschen aus rechtspopulistischen Gründen zusammenkommen und keine Bücher verbrannt werden oder Pogrome stattfinden rührt mich dann doch. Aber irgendwie ist es unfair gegenüber der Castro Transporte, die locker diese Teilnehmerzahlen hinbekommen, die ganzen Blockupy-Proteste etc. aber eben nicht diese Aufmerksamkeit. Leider musste ich beim Recherchieren feststellen, dass 25.000 Menschen ungefähr die Zahl ist, die in das alte bzw. bestehende SC-Stadion gehen. Also rennen bei jedem SC-Heimspiel fast genauso viele Menschen, die Fahnen und Spruchbänder schwenken, auf den Straße Freiburgs umher.

(Apropos Stadion: Leider hab ic mich ja mit dem Thema schon ausführlich beschäftigt und wartete bis Ende Januar immer noch darauf, dass mich eine der beiden Seiten mit Ihren Argumenten überzeugt. Leider ist dies nicht passiert und so sind die Pro- und Contra-Gruppierungen selbst schuld, wenn ich mit dem ja/nein Würfel wählen gehe.)

Wie gesagt, verstehe ich die Berichterstattung nicht. Bei 80.767.000 Einwohne in diesem Land sind das gerade mal 0.031% Pegida Demonstranten. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund „im weiteren Sinne“ liegt bei ca. 20% also klar in der Überzahl. Von „Wir sind das Volk“ kann also keine Rede sein, also muss man ihnen auch nicht diese Beachtung schenken.
Aber mal ernsthaft, was erwartet man denn?

Nach den zwei Studien, die sich an der Pegida versucht haben, hat man es mit ordentlich ausgebildeten Männern zu tun, die zwischen 40 und 50 Jahre alt sind. Sowohl die Studie des Göttinger Institutes für Demokratieforschung als auch die Studie der TU-Dresden sind sich einig: Sie verdienen nicht schlecht und sind so ziemlich das Gegenteil von ihrem Sprecher, der sich vom Sau-Lutz zu Paul-Lutz gewandelt haben soll. Er hat aber auch schlechte Erfahrungen mit Asyl gemacht. Da haben ihn die Südafrikaner doch glatt in sein Herkunftsland abgeschoben, wo er mit Gefängnis bedroht wur
de. Also ich hätte da auch den Glauben an das Asylrecht verloren.

angststoerung und pegida in meiner kolumne im freiebuerger fuer den februar 2 Angststörung und Pegida in meiner Kolumne im FREIeBÜRGER für den FebruarAber zurück zu denen, die die Angst auf die Straße treibt. Extra für die habe ich mir eine eigene Theorie ausgedacht und die geht so:

 

Ich glaube fest daran, dass man im Grunde so um die 25 – 30 Lebensjahre hat, um soviel wie einem möglich ist, von der Welt zu absorbieren. Man lernt danach nicht mehr viel hinzu. Statistisch trifft das zufällig auf die Zeit, in der geheiratet wird. Kurz, man bekommt Kinder, baut äuser und lebt fortan in einer kleinen Käseglocke aus Muttermilch, Kacke und Maloche. Beim besten Willen bleibt einem da keine Zeit mehr für das Weltgeschehen und die gesellschaftlichen Veränderungen. Bei zwei Kindern bedeutet das ungefähr 25 Jahre Freiheitsstrafe.
Nun kommt die Anwendungder Theorie in der Praxis. Die Teilnehmer waren nach den beiden Studien also um die Wende herum irgendwas mit 15 – 25 Jahren alt. Sie standen vor der Ausbildung oder dem sicheren Beruf. Alles um sie herum war geprägt von Sicherheiten. Dann haben sie sich die Wende gewünscht, dafür gekämpft und erreicht. Schwuppdiwupp hat das auch noch geklappt. Nur leider waren da ein paar Sachen nicht so, wie man sich das so vorgestellt hat, aus dem Westwerbefernsehen. Aber dennoch haben sie es geschafft und haben die letzten 25 Jahre sich etwas aufgebaut. Nun sind die Kinder aus dem Haus und sie stehen im Grunde fassungslos da und verstehen nicht, dass die Welt um sie herum sich weitergedreht und verändert hat. Das macht Angst, da diese Veränderung für sie ja quasi aus dem Nichts kam. Also müsste die Lösung zu Pegida eher lauten: Wie bekommen wir die Angst bloß weg?

Die Angsttherapie kennt ja verschiedenste Möglichkeiten. Eine davon wäre ein Vier-Augen-Gespräch, bei dem man über die Angst spricht, diese zulässt und ihr Raum gibt. Allein der Aufwand, dass jeder Teilnehmer der Pegida einen vertrauten Partner finden müsste um mit ihm darüber reden zu können, wäre vielleicht noch machbar, aber ein Partner, der keine Angst vor Fremden hat, wird in diesem Umfeld schwer zu finden sein. Das macht diese Möglichkeit weniger zweckmäßig. Es fehlt ihnen einfach die West-Sozialisation mit den Erol’s, den Philipo’s, den Alessandros’s, und vor allem der hübschen Francesca.
Liebe Leser, ich wäre nicht der Autor dieser kleinen Kolumne, wenn ich keinen eigenen Lösungsversuch parat hätte. Ein Ansatz wäre, es mit dem „Früher war ja alles wesentlich einfacher“ Argument zu versuchen. Hierzu müsste man die Teilnehmer zur Seite nehmen und die Gute alte Zeit aufleben lassen. Es gab damals ja die Guten und die Bösen, es gab ein klares Schwarz und ein klares Weiß. Ich spiel da mal mit, und betone, dass ich leider aus dem Westen bin und darum auch nur West-Beispiele habe. Es gab z.B. die gute USA und die böse Sowjetunion, die bösen Neo-Nazis und die guten Punker, den blöden Geha und den guten Pelikan. Nachdem man so in der glorreichen Vergangenheit schwelgt, muss die Gesprächsführung mit dem Holzhammer die Guten-Alten-Zeiten zerstören. Denn leider war die Welt auch damals viel komplexer. Es gab auch die böse USA und die guten Kubaner und vor allem gab es in unserem Dorfladen eben nur Geha oder Pelikan. In der Stadt gab es schon immer ganz andere Füller. Lamy und Parker zum Beispiel. Allein diese Erkenntnis, dass es schon immer kompliziert war, könnte genügen, sich die Angst vor dem Heute nicht so zu Herzen zu nehmen. Ob es hilft? Keine Ahnung, aber Menschen mit Angststörungen lässt man besser nicht alleine.

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Veröffentlicht am: Februar 23, 2015



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