Alkohol und Trennung in meiner Kolumne für den Februar 2018

Veröffentlicht am: Februar 17, 2018

Ein fröhliches Aloha liebe Leser,

im vergangenen Monat musste ich mental sehr, sehr stark sein. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich mich von einem lieb gewonnenen alten Freund trennen. Ich glaube, noch nicht einmal der mächtige Silver Surfer hätte diese Trennung so bewundernswert weggesteckt wie ich. Wieder einmal, wenn drastische Veränderungen in meinem Leben stattfinden müssen, ist entweder der scheiß Krebsmist oder seine Nachbeben schuld daran. So wie es aussieht, hat die Chemo meine Leber, „in aller Wahrscheinlichkeit“, zu einer Fettleber gemacht. Klar wäre dies bei meinem Lebenswandel bestimmt sowieso geschehen, nur halt nicht in den Vierzigern, sondern mit Mitte sechzig oder so. Nun dies allein ist ja noch keine Neuheit. Der Ultraschallarzt, der Onkologe und ich wissen seit dem Ende der Chemo darüber Bescheid. Bis dato habe ich mir auch nichts dabei gedacht. Denn bei allem, was meinen Körper und/oder meine Krankheit betrifft, kenn mich überhaupt nicht aus und das alles zu googeln, ist mir viel zu dramatisch. Meine Währung ist ja Vertrauen. Und ja, auch wenn so viele Menschen der modernen Medizin skeptisch gegenüberstehen und glauben, dass ein paar Traubenzuckerkügelchen genügen, um Diphtherie, Pocken und vor allem Übelkeit zu heilen, stehe ich hinter der Impfung, den Tabletten und vor allem auf die Computertomografie.
Ich vertraue darauf, dass es mir die Ärzte schon sagen würden, wenn ich etwas an meiner Lebensweise ändern müsste. Schließlich führe ich seit zwei Jahren eine zwar einseitige, aber immerhin innige Beziehung zu meinem Ärzteteam. Bisher geschah dies nicht. Niemand riet mir, so wie ich das aus dem Fernsehen kenne, dass ich etwas ändern müsse, sonst werde es schlimm und vor allem schnell mit mir enden.
Was stattdessen geschah, war, dass der Ultraschallarzt bei jeder Untersuchung intensiver an der Stelle herumschleimte, an der er die Leber sehen konnte. Beim letzten Mal hat er auch beständig etwas von Schatten gemurmelt. Ich dachte natürlich sofort an Mordor und war in Schockstarre. Wie Sie, liebe Leser, aus meinen vergangenen Schilderungen wissen, scheint die Uniklinik zwar sehr gute Ärzte zu haben, aber mit deren Sozialkompetenz ist es nicht allzu weit her. Ich vermute, dass er ganz froh über die Schockstarre war, so konnte er viel besser meine Leber beobachten und mit seinem Glitschultraschallding auf meinem Bauch rumfahren.
Zu Hause war ich dann doch etwas beunruhigt. Da ich mich ja nicht traue zu googeln, versuchte ich es auf einer Webseite, der ich bedingungslos vertraue. Die der ARD.

Und wie durch ein Wunder hatte der NDR erst vor Kurzem eine Sendung über Fettleber gesendet. Soweit ich dies verstanden habe, kommt nach der Fettleber, den Schatten auf der Fettleber, eine Fettleberentzündung und als letzte Stufe
Leberzirrhose. Aber der Prozess ist mit Ernährungsumstellung und
Gewichtsreduktion umkehrbar. Bis hier ist das ja alles echt OK. Ich wollte eh
abnehmen und mehr Obst und Gemüse essen. Aber nun kommt der Pferdefuß der Fettleber. Und genau hier tut mir das auch echt weh. Ich darf keinen Alkohol mehr trinken und das, obwohl ich es liebe, Bier zu trinken. lost a bottle 1024x926 Alkohol und Trennung in meiner Kolumne für den Februar 2018

Bier trinken ist super. Bier entspannt, lockert meinen steifen Körper, wie wenn die Seele seine Unterbuxe wie ein Stripper wegwirft. Klar endet das Tolle am Bier mit dem fünften Bier. Man redet und redet. Und irgendwie wird man ein bisschen wie Donald Trump. Man weiß, dass man Mist redet, aber man macht es trotzdem. Zwei Bier später möchte man endlich mal alle gesammelten Wahrheiten sagen und nach dem zehnten Bier möchte man tanzen. Ich bin ohne Bier schon kein Tänzer, aber unter dem Einfluss von fünf Liter Bier und ein paar Kurzen … es ist unwürdig. Wie ein bekiffter und im Sterben
liegender Oktopus in einem Ozean ohne Wellen.
Nur der Kopf scheint in einer Waschmaschine gefangen zu sein und nicht mehr auf dem Körper zu ruhen, sondern zu rotieren. Zum Glück bin ich vielleicht einmal im Jahr in solch einem Zustand. Die restlichen Trinkgelage sind an sich recht
kontrolliert. Dies liegt an der harten Schule des Trinkens, in die ich gegangen bin. Als ich 1998 nach Freiburg kam, trank ich keinen Alkohol. Nicht aus Überzeugung, wie die Straight-Edge-Fuzzis, die man immer in der Nachbarstadt beim Döner erwischte, sondern es hat sich einfach nicht ergeben. Mein erster Lehrer war ein gewisser Stefan K., der mit mir in der Guntram-WG wohnte und gerade arbeitslos war. Er wollte mich und Alkohol zusammenbringen. Was er auch schaffte. Da hatte ich leider noch kein Maß und es bekam mir nicht. Ich gebe es zu, ich musste des Öfteren an den unmöglichsten Orten speien und neigte zum Torkeln. Ich hasste das Gefühl des Kontrollverlustes über meinen Körper und war ratlos, wie es mir
gelingen konnte zu trinken und gleichzeitig ein Gespür für die Menge zu erlangen. Kommissar Zufall wollte es so und ich konnte als Roadie mit dem Liquid Laughter Lounge Quartett auf Tour gehen. Die Band war für mich vergleichbar mit Sensei Miyagi für Ralph Macchio aus Karate Kid, nur halt mit Alkohol. Während dieser Zeit lernte ich richtig zu trinken. Dort habe ich mein Trinkdiplom mit Auszeichnung gemacht und seither nicht damit aufgehört. Um so tragischer ist nun diese selbst aufgezwungene Prohibition. Aber davon in der nächsten Kolumne mehr.



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